Hildegards Werke

Hildegard von Bingen befasst sich in ihren Werken mit Heilung, basierend auf Spiritualität, Wildpflanzen ("Viriditas"!)    und Ernährung:

Als Angehörige des Benediktinerordens war es ihr ein Bedürfnis, sich um Kranke zu kümmern. Ihre Begabungen und die Ausbildung im Kloster befähigten sie, ihr diesbezügliches Wissen zu formulieren und in Zusammenarbeit mit Schreibern und Illustratoren für die Nachwelt aufzuzeichnen. Ihre großartigen Leistungen allerdings wurden erst im 20. Jahrhundert entsprechend gewürdigt.

Hildegard von Bingen schuf u.a. die beiden naturkundlich-heilpraktischen Werke "Physica" (weitere Bezeichnungen desselben Werkes: "Naturkunde", „Liber subtilitatum diversarum naturarum creaturarum“, „Buch von den Feinheiten der verschiedenen Naturen der Geschöpfe“, "Liber simplicis medicinae", „Buch der einfachen Medizin“, "Die Heilkraft der Natur-Physika" ) und „Causae et curae“ („Ursachen und Behandlungen“ bzw. „Ursachen und Behandlungen der Krankheiten“, „Heilwissen“), aus denen die aktuelle Hildegard-Medizin  schöpft.

„Physica“ bzw. „Naturkunde“:

Heilende Kräfte haben nach Hildegards Vorstellungen nicht nur Pflanzen, sondern auch Edelsteine, Mineralien und Tiere (auch die lieblichen Einhörner ). So gliederte sie ihr naturkundliches Werk seinen Themen entsprechend in 9 Kapitel bzw. Bücher: Pflanzen, Elemente, Bäume, Steine, Fische, Vögel, Säugetiere, Reptilien, Ursprung der Metalle.

Hildegard von Bingen war eine exzellente Naturbeobachterin und schätzte auch das Wissen der Kräuterkundigen des Volkes, wodurch sie zusätzliche Heilpflanzen aus nah und fern kennenlernte.
Besonders wertvoll hielt sie Betonie, Bertram, Brennnessel, Mariendistel, Schafgarbe, Galgant, Ringelblume, Ingwer, Dinkel, Esskastanien, Fenchel, aber auch giftige Pflanzen, von deren Selbstmedikation abzuraten ist, wie Herzgespann, Aronstab, Diptam, Poleiminze, Rainfarn, Weinraute oder Schöllkraut.

Hildegard verknüpfte die Volksmedizin mit dem Wissen der antiken Medizin, das durch die Aufzeichnungen des  Bischofs Isidor von Sevilla (6. Jhd. n. Chr.) den Klöstern übermittelt wurde und das die Grundlage des „Summarium Heinrici“ bildete, des wichtigsten Lehrbuches der mittelalterlichen Klosterschulen, verfasst von einem Lorscher(Link) Mönch. Manches entnahm sie dem weit verbreiteten  "Physiologus", einer frühchristlichen Naturlehre, die aus 48 Kapiteln, in denen Pflanzen, Steine und Tiere beschrieben und allegorisch auf das Heilsgeschehen hin gedeutet werden, besteht.

Die Überlieferung der „Physica“, des populärsten Werkes der Hildegard von Bingen, geschah durch Abschriften eines leider nicht mehr erhaltenen Originals. Aufgrund einer sehr gut erhaltenen Abschrift, die 1983 in Florenz entdeckt worden war, kam der Sprachwissenschaftler Prof. Dr. R. Hildebrandt zu folgender Überzeugung:  "Vieles kann sie nur vom Summarium Heinrici gelernt haben. Der Nachweis sind die deutschen Wörter, die erstmals im Summarium und dann bei ihr auftauchen."

Unter dem folgenden Link einer gut verständlichen Pionierarbeit aus dem Jahre 1951 von Dr. Alfred Pfäffl finden Sie die Hildegard-Pflanzenbezeichnungen, deren botanische und neuhochdeutsche Benennung, sowie Informationen über die Verwendung der Hildegard-Pflanzen!  Es ist dabei zu beachten, dass Hildegard von Bingen bei der Beschreibung der verschiedenen Heilmittel auf botanische Angaben und auf medizinische Mengenangaben verzichtet, die Mittel jedoch humoralpathologisch nach Galen eingeordnet hat!

Bemerkenswert ist, dass 60 der 225 von ihr beschriebenen Heilpflanzen, beurteilt nach modernen pharmakologischen und klinischen Erkenntnissen, positive Monographien erhalten haben (Kommission E), von den 63 beschriebenen Bäumen ließen sich 12 als positiv zu bewertende Drogen identifizieren.  (Quelle: Dissertation der Ch. Mayer-Nicolai, 2009, Würzburg)

Daraus ergibt sich, dass Hildegard-Medizin tatsächlich helfen kann, doch sollte man bei der Anwendung den Hintergrund dieser Medizin kennen. wildfind wird bei Wildpflanzen, die bereits Hildegard von Bingen empfohlen hatte, auch ihre Anwendungsvorschläge erwähnen! 

„Causae et curae“ bzw. „Heilwissen“

In diesem Werk beschäftigt sich Hildegard mit den Ursachen und Behandlungen von Krankheiten, wobei sie sich bei der Bezeichnung von Krankheiten vieldeutiger Termini bedient, sodass nach Meinung R. Hildebrandts die Berufung zahlreicher Therapien auf die mittelalterliche Äbtissin durchaus fragwürdig sei. So gebe es bei Hildegard hunderte Male den Begriff Gicht, doch damit sei nur selten dasselbe gemeint, was man heute darunter versteht.

Hildegard von Bingen beschreibt die Krankheitsentstehung entsprechend der antiken Vorstellung der Viersäfte-Lehre Galens, benennt sie allerdings anders. Zitat aus Causae et curae:  „Wenn die vorgenannten Säfte im Menschen die richtige Ordnung und das rechte Maß bewahren [...], so befindet er sich in Ruhe und in körperlicher Gesundheit. Haben sie sich aber in Gegensatz zueinander gestellt, dann machen sie ihn [...] hinfällig und krank.“

Dementsprechend soll zur Gesundung der Organismus durch Aderlass, Schröpfen, Schwitzbäder und Fasten entschlackt und von allen schädlichen Stoffen befreit werden, die heilende seelische Reinigung geschieht durch Liebe und Hoffnung, Musik, Gebet und Meditation, denn der gesunde Mensch lebt in Harmonie nicht nur mit sich selbst, sondern mit dem ganzen Kosmos! Die Vier-Elemente-Lehre Galens verschmilzt bei Hildegard mit dem christlichen Glauben. Zitat aus Causae et curae:  „Ihre (der Elemente) Ausbreitung und ihre Pflichten verteilen sie im Menschen so, dass er von ihnen immerfort im Gang erhalten wird, ebenso wie die Elemente auch durch die ganze übrige Welt ausgebreitet sind und wirken. Feuer, Luft, Wasser und Erde sind im Menschen, und aus diesen besteht er.“
Der Heilung dienen weiters zahlreiche pflanzliche, aber auch tierischer Arzneien, Minerale und Edelsteine und eine entsprechende Ernährungstherapie! Gerne ließ sie ihre Arzneien in Wein ausziehen.

Krankheitsvorbeugend wirken folglich:
• eigenverantwortliche, Körper, Geist und Seele harmonisierende Lebensführung mit einem geregelten Rhythmus von Aktivität und Ruhe
• eine – wie bei Galen -  konstitutionsbedingte ausgewogene Ernährung, bei der bei Hildegard allerdings den Kräutern eine besondere Bedeutung zukommt, denn im Grün der Kräuter tritt die „Viriditas“, die den Mikrokosmos und Makrokosmos erhaltende Lebenskraft, sichtbar in Erscheinung.
• Fasten und Schwitzen zur inneren und äußeren Reinigung
• eine optimistische Lebenseinstellung, die sich Gott gegenüber dankbar und demütig zeigt.

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