Anthroposophische Medizin

In memoriam Dr. Hans Radeke, 1915 – 1962, während seines Medizinstudiums in Heidelberg ein Rudolf Steiner Fan. Kaum fertig geworden, Arbeitsdienst (Trockenlegen des Moores bei Kochel), Krieg (Norwegen, Balkan). Todkrank, aber seelisch nicht gebrochen, kehrte er in einem langen Fußmarsch zurück. Im 47. Lebensjahr starb er an seinen aus dem Krieg mitgebrachten Leiden. - „Vivere ardendo e non sentire il male. - Glühend leben, und das Böse nicht fühlen.“ (Stampa), steht auf seinem Grabstein.

  Rudolf Steiner –Medizin – Pflanzen - Chakren – Farben

Der österreichische Philosoph Dr. Rudolf Steiner, 1861-1925, ein „ideenstrahlendes Energiekraftwerk für sich und andere“, gab auf Grundlage der von ihm entwickelten Anthroposophie einflussreiche Anregungen für verschiedene Lebensbereiche wie etwa Pädagogik (Waldorfpädagogik), Kunst (Eurythmie, Anthroposophische Architektur), Religion (Christengemeinschaft), Landwirtschaft (Biologisch-dynamische Landwirtschaft) und schuf zusammen mit der jungen Ärztin Ita Wegman die Anthroposophische Medizin, die den Menschen als Einheit von Leib, Seele, Geist in Beziehung zu den Kräften in Natur und Kosmos wahrnimmt.
Anthroposophie definierte R. Steiner selbst: „Nicht ‚Weisheit vom Menschen’  ist die richtige Interpretation des Wortes Anthroposophie, sondern ‚Bewusstsein seines Menschentums’. “

Krankheiten entstehen aus einem Ungleichgewicht von vier, den Menschen prägenden Wesensgliedern:
• dem physischen Leib (unbelebte, mineralische Grundlage, die den Gesetzen der Physik gehorcht)
• dem Ätherleib (Grundlage aller lebendigen Wesen. Die Erkenntnis des Ätherischen wird „Imagination“ genannt.)
• dem Astralleib (Grundlage des Empfindens und der Seele bei Mensch und Tier)
• der Ich-Organisation (Grundlage des individuellen Geistes)

Die anthroposophische Medizin versteht sich nicht als Gegensatz zur naturwissenschaftlichen Medizin, sondern als deren geisteswissenschaftliche Erweiterung. Anthroposophische Ärzte lehnen daher Standard-Therapien nicht ab, sondern versuchen sie durch spezielle Methoden und Arzneimittel aus pflanzlichen, tierischen und mineralischen Substanzen zu ergänzen. Diese Heilmittel wirken nicht so sehr durch ihre Inhaltsstoffe als durch ihre Wesensart und die sie kennzeichnende Dynamik. Die bekannteste Heilpflanze der anthroposophischen Medizin ist die Mistel (Misteltherapie bei Krebserkrankungen).

Zur Gesundung des Menschen wurden anthroposophische Kliniken errichtet, spezielle Pflegeformen, Arzneimittel, Diät- und Pflegemittel auf anthroposophischer Grundlage entwickelt und vermarktet, darunter viele homöopathische Präparate, aber auch sogenannte Kompositionen.

Der/Die Heilungssuchende wurde auch in Kontakt gebracht mit Kunsttherapie und Meditation, die aus Steiners Auseinandersetzung mit Goethe (Philosophie, Farbenlehre), mit dem Gedankengut der Rosenkreuzer (Wie oben so unten; wie innen, so außen…), mit Weisheitswegen Indiens (Chakrenlehre) und Europas (Jesus Christus) erwuchsen. „Anthroposophie ist ein Erkenntnisweg, der das Geistige im Menschenwesen zum Geistigen im Weltall führen möchte.“  Meditation, Selbsterziehung, Beobachtung der Erscheinungen und praktiziertes Mitgefühl sind die Wegweiser dazu.
Rudolf Steiner gibt Medidationsanleitungen, wie sie heute jedem/r geläufig sind, der/die sich mit Chakren beschäftigt:  „Sich konzentrieren auf eine Linie, welche durch den Körper geht … Die Linie geht nicht durch das Rückenmark, sondern etwas vor demselben durch den Körper…“ Oder - wunderbar ausgedrückt: „Manchmal wächst in aller Stille während ganz kurzer Zeit die Seele ungeheuer rasch. Man könnte sagen: Es bedarf zur Entwicklung gar nicht der Zeit, sondern nur der tiefinnerlichen Ruhe.“ (Alle Zitate) -
Das entspricht einer Weisheit, die uns Menschen untereinander in unserem Menschsein verbindet, immer schon verbunden hat.
Eine Weisheit der Buddhisten, der christlichen MystikerInnen (Angelus Silesius, Teresa von Avila, Meister Eckhart) und der Menschen, die Natur meditativ erleben.  Meister Eckhart drückt sich im Jahre 1300 so aus: „Im Seelengrund ist die Gottheit stets unmittelbar anwesend…“  „Einem anderen, der auf eine andere Weise lebt, die eigene Weise aufzudrängen, ist verkehrt, vielmehr soll jeder in seiner Weise das Gute aller Weisen finden.“
 

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