Walderbeere, gezeichnet von Conrad Gesner

Die "Walderdbeere" als Beispiel für die feine Zeichenkunst des großen Schweizer Botanikers Conrad Gesner.

1516 – 1565
Schweiz

  • Naturforscher, Arzt, Altphilologe, Botaniker, Graphiker, Pest-Toter
  • Namensgeber der Pflanzenfamilie der Gesneriengewächse
  • „Vater der Botanik“: Er versuchte eine Systematik der Pflanzen zu entwickeln, dazu legte er auch Versuchsgärten an. Auf seine Arbeiten konnte Linnè aufbauen.

Er erforschte Pflanzen in den verschiedenen bürgerlichen und herrschaftlichen Gärten der Schweiz und legte selbst Versuchsgärten an. Bei seiner Besteigung des Pilatus im Jahr 1555 fertigte er Beschreibungen von ca. 40 Pflanzen an, darunter Enzianarten, einige Steinbrechgewächse, Weißer Germer und Silberdistel. Auch stellte er generell fest, dass sich die Pflanzen der Berge in ihrem Habitus von jenen der Ebene unterscheiden. Gessner gilt als einer der berühmtesten und wichtigsten Naturforscher und Gelehrten der Schweiz. Seine Bedeutung beruht unter anderem darauf, dass er sich nicht mehr auf die tradierten Erkenntnisse der Antike und des Mittelalters verließ, sondern seine eigenen Naturbeobachtungen höher wertete. Sein überdurchschnittliches Zeichentalent unterschied ihn von seinen Fachkollegen. Er illustrierte seine Pflanzenbeschreibungen in hoher Qualität selbst. 
In seinem letzten Lebensjahrzehnt begann Conrad Gesner eine umfangreiche botanische Enzyklopädie, die „Historia Plantarum“, zu erstellen. Ihre besondere Bedeutung liegt in den ungewöhnlich sorgfältigen Darstellungen. Gesner konzentrierte sich in seinen Zeichnungen auf eine detaillierte Darstellung des Habitus einzelner Pflanzen, bei denen er einzelne, besonders charakteristische Teile mitunter stark vergrößerte. Die Zeichnungen ergänzte er mit ausführlichen Randnotizen und wissenschaftlichen Anmerkungen. Dabei ging er auf die spezifische Wuchsform der einzelnen Pflanze ein, beschrieb den Fundort und wies auf Details in Struktur und Form hin. 1500 Blätter hatte er bereits geschaffen, als die Pest ihn dahinraffte.
Doch sein Werk lebte weiter: Sein Nürnberger Kollege Joachim Camerarius der Jüngere1 kaufte Gesners Nachlass  und vervollständigte damit 1586 die zweite deutsche Neuauflage des Kräuterbuches des Pietro Andrea Mattioli „Neuw Kreütterbuch“. Das Buch war ein sehr großer Erfolg, da in ihm die medizinischen Schriften Mattiolis mit den revolutionären Pflanzendarstellungen Gesners gekonnt verbunden wurden.  Gesners umfangreiches Pflanzenwerk wurde 1972 bis 1991 unter dem Titel «Conradi Gesneri Historia Plantarum» erneut herausgegeben.

  • Edelweiß

    Gesner interessierte sich besonders für die Alpenpflanzen. Er beschrieb als Erster das Edelweiß. Im Foto ein Exemplar aus dem Alpenblumengarten des Hahnenkamms, Bezirk Reutte, Tirol, fotografiert von Andy Bohn.

  • Usambaraveilchen bzw. Saintpaulia

    Namensgeber wurde er allerdings für eine ausländische Pflanzenfamilie, die Gesneriengewächse. Zu ihnen zählt auch das allseits beliebte Usambaraveilchen.