Hanfanbau
Themenheft 9 Kapitel

Hanfanbau

Im „Informationsblatt der Heimatortsgemeinschaft Groß-Alisch e.V., 8. Ausgabe, März 2010“ http://www.gross-alisch.de/buecher.htm schilderte Landwirtschaftsmeister Herr Adolf Schuster in seinem fundierten Artikel „Hanfanbau und Verarbeitung“, dass der Hanfanbau für die Bevölkerung genauso wichtig war wie der Getreideanbau und die Tierzucht. Viele qualitätsvolle Erzeugnisse wurden aus Hanf hergestellt und vermarktet, bis … Aber das lassen wir den tüchtigen Landwirtschaftsmeister selbst berichten! wildfind bedankt sich herzlich für sein großzügiges Entgegenkommen, die Mitarbeit seiner Gattin und die Vermittlung von Herrn Wilhelm Paul, 1. Vorsitzender HOG Groß-Alisch e.V., Landsmannschaft der Siebenbürger Sachsen in Dtld. e. V., wodurch die Übernahme des wertvollen Artikels mit Fotos auf WILDFIND ermöglicht wurde! 

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Aus der Geschichte des Hanfes

Aus der Geschichte des Hanfes

Hanf (Cannabis sativa) ist eine der ältesten Kulturpflanzen der Welt. In China wurde Hanf schon vor mehr als 10.000 Jahren als Heilmittel gegen Malaria, Rheuma und andere Unpässlichkeiten eingesetzt. Bei hinduistischen Zeremonien verwendete man Hanf als Schutz gegen das Böse und von Buddha heißt es, er habe sich auf seinem Weg zur Erleuchtung nur von Hanfsamen ernährt, die die rauschhaltige Substanz Tetrahydrocannabinol-THC enthalten. Über Indien und Mesopotamien (dem heutigen Irak) trat der Hanf seinen Siegeszug um die Welt an. Die alten Griechen und Ägypter kleideten sich öfter in Gewebe aus Hanf und kannten die angenehme Wirkung von Cannabis-Gebäck.
In Europa sind die ältesten Funde ca. 5500 Jahre alt und stammen aus dem Raum Tübingen. Kaiser Karl der Große erließ um 800 n.Chr. das erste Hanfgesetz. Es verpflichtete seine Untertanen zum Anbau dieser für seine Kriegspläne so wichtigen Rohstoffquelle. Über Spanien fand im 13 Jh. eine weitere Anwendung der Hanffaser ihren Weg nach Europa: die Papierherstellung. So entstand in Nürnberg bereits 1290 die erste Papiermühle auf deutschem Boden. Gutenberg druckte 1455 seine berühmte Bibel auf Hanfpapier. Auch die amerikanische Unabhängigkeitserklärung ist auf unverwüstlichem Hanfpapier geschrieben. Im 17. Jh. erlebte der Hanf in Europa seine Blütezeit. Fast alle Schiffssegel, Seile, Netze, Flaggen bis hin zu den Uniformen der Seeleute wurden wegen der Reiß- und Nassfestigkeit aus Hanf hergestellt. Jedes Schiff benötigte für seine Grundausstattung alle 2 Jahre 50-100 Tonnen Hanffasern.
Der Niedergang des deutschen und westeuropäischen Hanfanbaus begann im 18. Jh. und setzte sich bis Ende des 20. Jahrhunderts fort. Ursachen dafür waren die Mechanisierung der Baumwollspinnerei, der Rückgang der Segelschifffahrt, die Herstellung von Papier aus Holz und die Entwicklung von synthetischen Fasern. Im 20. Jahrhundert setzten Versuche ein, Hanf wegen seiner berauschenden Wirkung zu verbieten, aber auch weil die Baumwollindustrie im Hanfanbau einen gefährlichen Konkurrenten sah und die Pharma-Industrie ihre Medikamente lieber auf chemischem Weg erzeugte, da dabei der Gewinn größer war. Die italienische Regierung beantragte auf der Opium-Konferenz in Den Haag1911/12, Cannabis zusammen mit Opium, Morphium und Kokain den gleichen strengen Regeln und Strafen zu unterwerfen, was aber abgelehnt wurde. Auf der Genfer Opium-Konferenz 1924 fasste man jedoch - ohne vorher Experten anzuhören - solch einen Beschluss. Diesem Vorgehen schlossen sich die osteuropäischen Länder nicht an, und deshalb konnte in Rumänien, also auch in Groß-Alisch, weiterhin Hanf angebaut werden.
In Deutschland dagegen stellte auf Druck der Pharma-Industrie 1929 ein neues Opium-Gesetz den Besitz von Cannabis unter Strafe. Erst die Studentenrevolte von 1968 brachte Hanf wieder auf die Tagesordnung. Als Reaktion darauf wurde Cannabis vollständig verboten und 1982 auch der Anbau von Hanf unter Strafe gestellt. 1996 kam es zur Zulassung von Faserhanfpflanzen mit dem Wirkstoffgehalt THC von unter 0,3 %. Wegen der langen Zeit des Verbots gibt es heute jedoch sehr wenige Einrichtungen für die Verarbeitung des Hanfs und es verschwand auch das vieltausendjährige Wissen um eine der ältesten Kulturpflanzen fast völlig. 

02

Verwendung von Hanf

Verwendung von Hanf

Verwendung von Hanf.

Hanf, das wussten schon unsere Großeltern, ist eine Universalpflanze. All ihre Bestandteile können verwendet werden:

  • Hanfsamen ist als Nahrungsmittel nicht psychoaktiv, wohl aber reich an Proteinen und Fettsäuren und kann als Brei-Müsli gegessen werden. Eine Handvoll Hanfsamen pro Tag reicht, um genügend Proteine und Fettsäuren für den Tagesbedarf eines Erwachsenen zur Verfügung zu stellen.
  • Hanfsamen dient als Tierfutter (für Vögel), findet Verwendung in der kosmetischen Industrie und bei der Herstellung von Biokraftstoffen.
  • Die Hanffasern dienen zur Herstellung von hochwertigem Papier, von Dämmstoffen für die Automobilindustrie oder für das Baugewerbe sowie für wertvolle technische Textilien.
  • Die Hanfstängel werden als Tierstreu und zur Herstellung von Baustoffen verwendet.
  • Die Vorteile des Hanfanbaus gegenüber Baumwolle sind:
  • Hanf verbessert die Böden und benötigt keine Pflanzenschutzmittel und wenig Dünger. Durch den THC-Gehalt ist die Pflanze vor Schädlingen und Krankheiten geschützt, enthält also keine Rückstände von giftigen Pflanzenschutzmitteln.
  • Hanftextilien absorbieren 95 % der UV Strahlen, sind angenehmer als Thermowäsche, bleiben länger frisch, sind temperaturausgleichend, kühlen bei Hitze und wärmen bei Kälte. Vor allem sind sie frei von Rückständen von giftigen Spritzmitteln.
  • Ein Kilogramm Baumwolle benötigt vom Anbau bis zur Ernte 8.000 l Wasser, und Baumwollfelder werden zu 60 % künstlich bewässert.
  • Hanf ist eine der ältesten natürlichen Heilpflanzen. In alten Medizinbüchern wird Hanf meist als Panaceas bezeichnet, was soviel wie Allesheiler bedeutet. Er wird eingesetzt bei Aids, MS und Krebs. Auch der grüne Star hat bei einer Behandlung mit Hanf kaum noch Chancen, da THC den Augendruck kontrollieren kann.
  • Somit könnte Hanf helfen, die Menschen ausreichend mit Kleidung, Papier, Öl, Brennstoff, Baumaterial und Medikamenten zu versorgen.

Seit mindestens 10.000 Jahren nutzen die Menschen Hanf als Genussmittel, weil sie nach dem Verzehr seiner Blüten ausgelassen und entspannter werden. Bis heute konsumieren Millionen in aller Welt (trotz Verbot) Cannabis. In Deutschland sind es etwa 3 Millionen. Cannabis ist mit Abstand die am häufigsten konsumierte illegale Droge.
Dabei ist das Wissen über Wirkungen und Nebenwirkungen von Cannabis die beste Vorbeugung gegen Missbrauch und Abhängigkeit. Der Wirkstoff THC ist in verschiedenen Konzentrationen 0,2-50 % je nach Züchtung in Blüten und Blättern enthalten, er wirkt euphorisierend und kann in hohen Dosen Halluzinationen auslösen. Unerwünschte Nebenwirkungen sind gerötete Augen, Hungergefühl, Konzentrationsschwäche, Schlafstörungen, Vergesslichkeit, Reizüberflutung sowie der Verdacht krebserregend zu sein. Heute geht man davon aus, dass bei 1-3 % der Konsumenten eine physische Abhängigkeit besteht. Ein Konsum-Verzicht ist jedoch nicht von nennenswerten Entzugssymptomen begleitet.

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Beschreibung der Hanfpflanze

Beschreibung der Hanfpflanze

Hanf (Cannabis sativa) gehört zur Familie der Cannabinaceae (Hanfgewächse). Er ist der nächste Verwandte des Hopfens (lat. Humulus lupulus) und gehört zur Ordnung Urticales (Bäume, Sträucher, verholzte und krautige Kletterpflanzen).
Die Pflanze produziert sogenannte Cannabinoide, von denen THC (Tetrahydrocannabinol) und CBD (Cannabidiol) in Hanfpflanzen am stärksten konzentriert sind. Sie werden für die psychoaktiven Wirkungen verantwortlich gemacht.
Hanf ist eine schnell wachsende, anspruchslose Pflanze. Die besten Erträge erzielt man in Gebieten, wo reichlich Wasser vorhanden ist und ein gemäßigtes Klima. Oft kann bereits nach 100 Tagen der bis zu vier Meter hohe Hanf geerntet werden. Hanf ist gegen fast alle Krankheiten und Schädlinge resistent. Er ist von Natur aus zweihäusig (diötzisch), d. h. er wächst als männliche oder weibliche Pflanze heran, wobei die weiblichen Pflanzen meist größer sind und einen höheren Gehalt an THC und CBD haben. Nach ca. 3 Monaten blüht die männliche Pflanze und nach der Befruchtung der weiblichen Pflanze reift der Samen in 10-14 Tagen und fällt ab. Cannabis ist eine einjährige Pflanze und stirbt nach vollendeter Samenbildung ab.

04

Hanfanbau in Siebenbürgen

Hanfanbau in Siebenbürgen

Die Siebenbürger Sachsen kannten bereits in ihrer Ursprungsheimat den Wert des Hanfes und haben seinen Anbau in der gewohnten Weise in Siebenbürgen fortgesetzt. Der Hanf gab das notwendige Garn für die Erzeugung der stärkeren Leib-, Bett- und Tischwäsche, wie auch die nötigen "Reisten" für starke Seile und das Werg für die Stricke, die der Bauer auf seinem Hof brauchte.

Rumänien war eines der bedeutendsten Anbauländer Europas, es gehörte zu den hanfexportierenden Ländern neben Russland, Ungarn, Polen u.a.. Die Anbaufläche betrug im Jahre 1938 39.000 Hektar und 1986 waren es 47.000-50.000 Hektar.
Mit dem Aufkommen verschiedener Konkurrenzpflanzen (Jute, Baumwolle u. a.) wurde der Handel mit Hanf beinahe zum Erliegen gebracht. Sein Anbau blieb nur noch auf den häuslichen Gebrauch beschränkt. Hanf wurde von den Donauschwaben gehandelt, sie bauten ihn auf größeren Flächen an und nannten ihn wegen der hohen Rendite "Weißes Gold".

Mit dem Zusammenbruch des kommunistischen Wirtschaftssystems 1989 hörte der Anbau des Hanfes ganz auf. Laufende Gesetzesänderungen im Betäubungsmittelbereich führten zu einer allgemeinen Verunsicherung der Bauern. Viele Landwirte hatten resigniert aufgegeben angesichts drohender Gefängnisstrafen, da schon harmlose Faserhanffelder als Drogenkulturen angesehen wurden. Von ehemals 28 Hanf verarbeitenden Betrieben in Rumänien sind lediglich noch zwei in Betrieb. So schrumpfte die Anbaufläche von 50.000 ha im Jahre 1990 auf 2.000 ha im Jahr 2003. Hierdurch wurde Rumänien von einem Hanf exportierenden zu einem Hanf importierenden Land.
Die wichtigsten Anbaugebiete waren die Transylvanische Tiefebene, die Auen der Flüsse Mieresch, Große und Kleine Kokel, Tömesch, Somesch, Alt und Sereth, wo hohe Luftfeuchtigkeit und ein moderates Klima herrschen.

 

05

Hanfanbau in Groß-Alisch

Hanfanbau in Groß-Alisch

Der Hanfanbau war für die Groß-Alischer Bauern wie auch für viele andere siebenbürgische Gemeinden genau so wichtig wie der Anbau von Weizen, Mais, Gerste, Hafer oder die Tierzucht. Das Hanf verarbeitende Gewerbe hatte für unsere Vorfahren die gleiche Bedeutung wie der Ackerbau oder die Herstellung von Werkzeugen.
Bis zur Agrarreform, der Enteignung von Grund und Boden am 06.03.1945, baute jeder Bauer Hanf an und zwar auf einem seiner fruchtbarsten Böden. Nach der Kommasation (Flurbereinigung) im Jahre 1930 wurden von der Gemeinde rechts und links des Groß-Alischer Baches, nahe der Großen Kokel, zwei Felder für den Hanfanbau bereitgestellt. Man nennt sie heute noch die Hanfau. Es war erstklassiger Boden und jeder Bauernhof erhielt „Af der Honefaa“ eine Parzelle von ca. 1500 m2 (15 Ar) zugeteilt.
Obwohl Hanf im Wechsel mit anderen Kulturen zur Bodenverbesserung sehr geeignet ist, wurde er in Groß-Alisch aus Mangel an erstklassigem Boden Jahr für Jahr auf derselben Fläche angebaut. Er war schon von unseren Vorfahren von der Dreifelderwirtschaft ausgeschlossen.

Nach dem Krieg wurden die sächsischen Bauern enteignet, die Hanfauwurde verstaatlicht und ein paar Jahre später mit Häusern bebaut. Es entstand ein neuer Dorfteil, „Af der Aa“(Die Aue).
Die rumänischen Neubauern bauten Hanf nur noch verstreut an. Der Boden wurde teilweise von Staatsgütern verwaltet, die keinen Hanfanbau mehr betrieben. Als jedoch viele Weinberge neu angelegt wurden, bauten die Staatsgüter nur so viel Hanf an, wie in den Weingärten als Bindematerial gebraucht wurde. In Groß-Alisch war das 1 ha Hanf für 130 ha Weingarten.

1952 gründeten die Neubauern in Groß-Alisch die erste Kollektivwirtschaft kommunistischer Prägung, die auch wieder Hanf auf größeren Flächen anbaute. Auf diesen Feldern wurde der reife Hanf nicht mehr gepflückt, sondern abgemäht oder mit der Sichel geschnitten. Die Wurzeln blieben in der Erde. Die Ernte wurde auf der Basis von Verträgen an staatliche Hanfröstereien geliefert, wo die Wasserröste in großen Bassins stattfand. In der Nähe von Groß-Alisch war eine Rösterei in Elisabethstadt und eine in Weisskirch bei Schäßburg. Beide sind inzwischen geschlossen. In Groß-Alisch gab es im Jahre 2009 kein Hanffeld mehr.

Verwendung von Hanf auf dem Bauernhof

Hanf wurde hauptsächlich wegen der Hanffaser angebaut, welche auf dem Bauernhof unentbehrlich war. Bis in die 50er Jahre wurden in Groß-Alisch Stoffe aus Hanf gewebt für Bettwäsche, Hand- und Küchentücher, Säcke für Getreide, Strohsäcke, Tischdecken, Kleider sowie Seile aller Art gedreht („Nur selten ist ein Seil zerronnen, das aus dem Hanf zurechtgesponnen“).
Der gesamte Produktionsprozess, vom Hanfanbau bis zum gewebten Tuch, spielte sich innerhalb der Familie ab, wobei die meisten damit zusammenhängenden Arbeiten von Frauen verrichtet wurden. Nachdem die getrockneten Blätter vom Stängel getrennt worden waren, überbrühte man sie mit kochendem Wasser und verfütterte sie an die Schweine. Die Schäben wurden für Tierstreu und als Feuerbeschleuniger beim Holzofen verwendet. Der Same war ein Nebenprodukt. Hanfstängel wurden als Bindematerial im Weingarten oder im Garten sowie bei der Ernte von Maisstängeln genutzt.

 

Hanfanbau und Hanfverarbeitung

Hanfanbau und Hanfverarbeitung

Die Aussaat fand in der Regel im April statt, der nötige Samen für die Aussaat wurde gekauft und nur einige Bauern erzeugten ihn selber.
Für Faserhanf reichten ca 80 kg Samen pro Hektar. Er ist eine schnell wachsende Pflanze, braucht bis zur Reife nur 110-115 Tag und im Laufe seiner Wachstumszeit keinerlei Pflegearbeiten. Wegen ihres Inhaltes an Cannabinoiden (THC) ist die Pflanze vor Krankheit und Schädlingen geschützt. Eine ausgewachsene Pflanze färbt sich in der Regel im Monat August gelb, ein Zeichen, dass sie reif ist zum Ernten.

Beim Hanfpflücken (Honef-Ploicken) wurden die Pflanzen manuell mitsamt den Wurzeln aus der Erde gezupft. Keine leichte Arbeit, besonders wenn der Boden trocken war. Die Stängel, die im Schnitt eine Länge von 1,5-2 m und einen Durchmesser von 5 mm hatten, legte man gebunden in Bündel(„Raisten“) zusammen (Durchmesser ca 10-12 cm), wobei die Wurzeln den Zusammenhalt der Raiste bei der Weiterverarbeitung gewährleisteten. Danach wurden je drei Bündel in Pyramiden zum Trocknen aufgestellt. Nach dem Trocknen wurden die Blätter durch Abklopfen auf dem Boden von den Stängeln befreit. Die blätterlosen Raisten wurden dann zu je zehn in einer Garbe („Bußen“), zusammengelegt und an zwei Stellen zusammengebunden. Den Ertrag eines Hanffeldes drückte man in Bußen aus.

 

Die Wasserröste

Die Trennung der Faser vom Stängel erfolgte durch die Wasserröste. Dafür wurde eine geeignete Stelle in einem Gewässer gesucht, meist dort, wo die Große Kokel eine Tiefe von 1-1,5 Meter hatte und womöglich eine kleine Bucht bildete, wo das Wasser ruhiger floss.
Es wurden Pfähle im Abstand von 2 Metern zweireihig in den Boden geschlagen, an welche die Bußen angebunden wurden. Gleichzeitig verband man sie auch untereinander. Die Stängel sogen sich voll mit Wasser, sie wurden schwerer und gingen unter. Zusätzlich wurden noch Äste, Steine oder Erde darauf gelegt, denn es war wichtig, dass die Bußen während der Röstzeit unter Wasser blieben. Die Röste dauerte je nach Wassertemperatur 2-3 Wochen. In der Zeit der Röste musste regelmäßig kontrolliert werden, ob noch alles befestigt war und der Hanf vollständig im Wasser lag. Es gab auch Jahre mit Hochwasser, wo so manchem Bauern der Hanf weggeschwemmt wurde. Wenn die Fasern sich vom Stängel lösten und der Hanf eine hellere, grauweiße Farbe bekam, war die Röste beendet.

 Es folgte das Hanfwaschen. Die Bußen wurden auseinander genommen und jede Raiste einzeln gewaschen. Das Waschen erfolgte durch Aufschlagen der Raiste auf die Wasseroberfläche, bis die Raiste weiß war. Der Hanfwäscher stand dabei bis über dem Knie im Wasser und schlug die Raiste über den Kopf schwingend ins Wasser. Das war keine leichte Arbeit und die ganze Familie war dann gefragt. Die gewaschenen Raisten wurden pyramidenartig am Ufer zum Trocknen aufgestellt, am Abend aufgeladen, zum Hof gebracht und die nächsten Tage dort bis zur vollständigen Trocknung aufgestellt.

Weiterverarbeitung von Hanf

Die Weiterverarbeitung setzte eine gute Trocknung voraus, welche sich je nach Witterung in die Länge ziehen konnte.

So schwer und aufwendig all diese Arbeiten waren (Pflücken, Trocknen, Rösten, Waschen), sie waren etwas Besonderes, schon wegen des speziellen Geruchs, der sie begleitete. Als Kinder rauchten wir im Herbst bei der Traubenernte gelegentlich gesammelte und getrocknete Hanfblätter. Das war harmlos und blieb ohne Folgen, denn der bei uns angebaute Hanf hatte einen sehr niedrigen Gehalt an THC.

Die getrockneten Raisten wurden zuerst mit der Hanfbreche gebrochen, dann an einen Schlagbaum oder Pfosten so lange geschlagen, bis die größten Stängel sich von der Faser trennten, dann noch mal gebrochen mit der Hacke und wieder geschlagen bis alle Stängel gelöst waren. Es folgte das Kämmen mit der Hechel („Heuchel“). Sie war kammartig und hatte verschiedene Dichten. Bei der großen Hechel fing man an und kämmte anschließend mit zwei „Grebeln“, bis man die erwünschte Feinheit der Faser erreicht hatte. Das Werg (det Wiark), welches nach dem Kämmen übrig blieb, wurde für gröbere Stoffe, Seile u.s.w. verwendet. Die sauberen, gekämmten Fasern waren nun so weit vorbereitet, um gesponnen zu werden.


Das Brottuch
von Anna Markus

In Schränken da liegt nun gut aufbewahrt
das Gewebe von Mutter und Großmutters Händen
Ich stehe gedankenverloren davor
ein Abschnitt er soll alles beenden

Mein Vater er streute die Hanfkörner aus
in die frische duftende Erde
Er schickte dem Samen die Bitte noch nach
auf daß er gesegnet werde

Es grünte und blühte der Hanf in Pracht
auf dem Acker der unser noch war
Er garte im Wasser wir fuhrn ihn nach Haus
so war das stets Jahr um Jahr

Es lehnten die Garben zum Trocknen am Tor
in der gleissenden Mittagssonne
Gehackt und gebrochen beim Mondenschein
uns Kindern zur grössten Wonne

Bis dass man den Hanf um den Rocken nun band
da war noch viel Arbeit vonnöten
Doch jetzt war's soweit: das Kränzchen begann
wo fleißig die Spindeln sich drehten

Die Schneeflocken stoben, es knirschte der Frost
ich lief mit an der Mutter Hand.
Ich seh sie noch vor mir - die Rockenstube
die Arbeit und Freude verband

Bald war es geschafft,
es stand schon der Webstuhl. 

 

06

Soll der Hanfanbau wieder legalisiert werden?

Soll der Hanfanbau wieder legalisiert werden?

Auszug aus einem Artikel aus dem Jahr 2010 von Landwirtschaftsmeisters Adolf Schuster

(Hier finden Sie die restlichen Artikel zum Thema Hanfanbau.

... Auch nach der Zulassung von THC-armen Hanfsorten in der EU bestehen in Westeuropa und den USA immer noch Schranken für seine Nutzung. Solche Einschränkungen behindern jedoch die technische Weiterentwicklung und die medizinische Forschung an einer der ältesten Kulturpflanzen. Hanf als Rohstoff für die Medizin sollte legalisiert werde.

Zudem wurde Hanf in vielen Ländern dieser Erde als Notreserve in Hungersnöten eingesetzt, besonders in Bangladesh, was so viel wie "Volk und Land des Hanfes“ heißt. Dort wuchs bis in die 60er Jahre überall Hanf. Er schützte die Böden und versorgte die Menschen mit einer Nahrungsgrundlage, die nicht zu verachten ist. Aber dann setzten die USA durch, den Hanf zu verbieten, und die Folge waren Überschwemmungen, Missernten und Hungersnot.

Die folgende Tabelle vergleicht die Entwicklung des Hanfanbaus zur Fasergewinnung in West- und Osteuropa und weltweit. Die Angaben sind in tausend Hektar:

Gebiet

1913

1926

1948

1958

1968

1978

1981

1991

Westeuropa

110

120

73

30

8

11

3

4

Osteuropa (kein Verbot)

70

150

201

150

98

72

60

50

Europa insgesamt

180

270

274

180

106

83

63

54

Russland

679

925

556

355

321

130

113

58

Weltweit

 

 

 

820

636

500

450

279

Hanfanbau in der EU von 1997-2002(vorläufige Zahlen in Hektar)                         

 

1997

1998

1999

2000

2001

2002

EU insgesamt

23.216

39.990

30.179

20.404

14.333

15.000

Herrenberg, den 22. 10. 2008                                                                                            Adolf Schuster

 

Anmerkung von wildfind im August 2011:
Ein Wunsch des Landwirtschaftsmeisters Adolf Schuster ging im Mai 2011 in Erfüllung: Auch in Deutschland wurde die medizinische Sperre für Hanf aufgehoben. Dazu wikipedia:http://de.wikipedia.org/wiki/Cannabis_als_Arzneimittel „Während Cannabiskonsum in den meisten Staaten illegalisiert wird, sind in einigen von ihnen cannabinoid-basierte Medikamente verfügbar oder natürliches Cannabis nutzbar. Zu diesen Staaten gehören: Kanada, Österreich, die Niederlande, Spanien, Israel, Italien, Finnland, Portugal und einige Bundesstaaten der USA. Seit Mai 2011 ist in Deutschland, mit der Verkündung der 25. Verordnung zur Änderung betäubungsmittelrechtlicher Vorschriften im Bundesgesetzblatt, Cannabis zur Herstellung von Arzneimitteln verkehrsfähig und cannabishaltige Fertigarzneimittel sind verschreibungsfähig.“ Mögliche medizinische Einsatzgebiete sind neben der Palliativmedizin Spastik und chronisch entzündliche Schmerzsyndrome.