Hopfenanbau
Im „Informationsblatt der Heimatortsgemeinschaft Groß-Alisch e.V., 3. Ausgabe, März 2005“
Kultur des Hopfens
Der Hopfen gehört zur Familie der Hanfgewächse (Cannabinaceae).
Er ist zweihäusig und Windbefruchter. Nur die weiblichen Pflanzen bilden aus den Blüten Dolden, die jedoch nur dann einen hohen Brauwert haben, wenn sie nicht befruchtet werden. Darum muss darauf geachtet werden, dass sich keine männlichen Pflanzen im Bereich und in der Nähe der Anlage befinden. Schon eine einzige männliche Pflanze kann nämlich eine große Fläche befruchten.
Der Kulturhopfen ist eine ausdauernde (perennierende) Pflanze. Er kann bis 50 Jahre alt werden. Durchschnittlich werden Hopfenpflanzungen nur 15 bis 20 Jahre genutzt und dann wegen des sinkenden Ertrages gerodet. Ausdauernd ist nur der Wurzelstock, der obere Teil, die Reben, werden jedes Jahr abgeschnitten und im Frühjahr werden die neuen Triebe an die Stütze (Draht) angeleitet. Die Wurzeln erreichen eine Tiefe von bis zu 4 Metern.
Der Hopfen benötigt eine Stütze, um sich daran kletternd empor zu winden. Er ist eine rechtswindende Pflanze, d.h. eine sich im Uhrzeigersinn drehende Schlingpflanze und steht damit im Gegensatz zur Stangenbohne, die sich links windet.
Klimatisch und in Bezug auf die Bodenqualität zählt der Hopfen zu den sehr anspruchsvollen landwirtschaftlichen Kulturpflanzen. Das Hopfenbauklima liegt zwischen Wein- und Weizenanbau.
Die Wachstumszeit der Pflanze beträgt 5 Monate (April – August). Während der Hauptwachstumszeit im Monat Juni wachsen die Hopfenranken täglich 16 cm, bei günstiger Witterung sogar 35 cm. Nach Bambus zählt der Hopfen zu den am schnellsten wachsenden Kulturpflanzen.
Verwendung von Hopfen
Der Hopfen wird hauptsächlich zur Herstellung von Bier verwendet. Er verleiht dem Bier das charakteristische Aroma und den bitteren Geschmack, ist aber auch für die Haltbarkeit des Bieres verantwortlich. „Der Hopfen ist die Seele des Bieres.“
Hopfendolden werden auch in der pharmazeutischen Industrie verwendet. Sie haben beruhigende Eigenschaften und sind deshalb Bestandteil von Beruhigungstees, Hopfenbädern sowie Hopfenseife; Sebastian Kneipp empfiehlt Hopfen für ruhigen Schlaf.
Junge Hopfentriebe können als Salate zubereitet werden und sind genau so schmackhaft wie Spargel. Das gleiche gilt für die Spitzen der jungen Reben, welche ebenfalls für Salate und Suppen verwendet werden können und wie grüne Bohnen schmecken.
Geschichte des Hopfens
Es wird angenommen, dass die Babylonier die Ersten waren, die um 2000 v. Chr. Hopfen zur Herstellung von Getränken benutzten. In Europa wurde Hopfen jedoch erst ab dem 7. Jahrhundert angebaut. Das erste schriftliche Dokument darüber stammt aus dem Jahr 736 und weist den Hopfenbau in der Hallertau in Bayern nach. Die ersten Hopfengärten in Deutschland entstanden zur Zeit Karls des Großen (743-814) und die Ersten, die Bier brauten, waren Mönche in Klöstern. In Rumänien wurde Hopfen ab Mitte des 16. Jahrhunderts angebaut, obwohl man Bier unter Verwendung von Wildhopfen schon früher braute…
Weltweit wird auf ca. 90.000 ha Hopfen angebaut, wovon Deutschland mit 19.000 - 20.000 ha den größten Anteil hat. Dabei ist die Hallertau in Bayern mit 17.000 ha das größte geschlossene Hopfenanbaugebiet der Welt. Dann folgt die Region Tettnang am Bodensee mit 3.000 ha.
Hopfenbau in Groß-Alisch
Im Frühjahr 1972, als die Pflege der ersten 50 ha Neupflanzung begann, fanden sich dann doch ein paar Frauen und Männer aller Altersgruppen und Nationen, die es (den Hopfenanbau) versuchten. So hat sich im Laufe der Jahre ein Kern Einheimischer zusammengefunden, welche die Farm nicht mehr verlassen haben. Ein Sprichwort sagt: „Wen der Hopfen einmal gekratzt hat, den lässt er nicht mehr los.“
Unter den Groß-Alischer Sachsen waren es nicht viele, die sich dem Hopfen verschrieben hatten, sie bildeten jedoch eine bedeutende Stütze für den täglichen Ablauf der Arbeiten. Weil es nicht so viele waren, erlaube ich mir, sie namentlich zu erwähnen: Edi Botschner, Michael Fieltsch, Georg Hann (Traktorführer), Hans Drotleff (Werkstatt
und Pflückmaschinen), Stefan Sas (Vorbereitung der Spritzbrühe), Sam Krestel und Erwin Roth (Ausfuhr und Essensverteilung), Andreas Fieltsch, Dorothea Zakel, Sofia Gitschner, Susanne Weber und Anna Schmitz (Pflanzenpflege), Gruppenleiterin Gerlinde Seiler (Barth), Gerlinde Menning (Buchhalterin), Elisabeth Menning (Köchin
für beide Farmen).
Der größte Teil der Arbeiten wurde von Fremdarbeitern durchgeführt, hier sind Oltener, Maramureschener, Ungarn und Zigeuner zu erwähnen. - Ab Herbst 1972 hat sich dann eine Gruppe von 30 bis 35 Zigeunern aus Schaas bei Schäßburg eingefunden, die bis 1992 durchgehalten hat. Das war wichtig, denn die Arbeiten im Hopfen mussten gelernt werden und wenn jedes Jahr eine andere Truppe antrat, musste immer neu angelernt werden und dementsprechend waren dann auch die Qualität der geleisteten Arbeit und schließlich das Ernteergebnis.
Hopfen: Wichtigste Arbeiten u. aktueller Stand
Die wichtigsten Arbeiten im Laufe des Jahres waren:
• der Schnitt der Hopfenstöcke (unterirdisch) im Herbst und im Frühjahr,
• das Aufhängen der Drähte (jedes Jahr 500.000 Stück),
• das Anleiten der Reben (2 - 3 Stück pro Draht),
• die Krankheit- und Schädlingsbekämpfung, wobei jedes Jahr 15 - 20
• Spritzungen durchgeführt wurden (mechanisch mit Gebläsespritzen).
• Ab Juli verbrauchte man ca. 3.000 - 4.000 Liter Brühe pro Hektar.
Das Ganze gipfelte dann in der Ernte. In den ersten Jahren, als nur von Hand gepflückt wurde, waren täglich zwischen 600 und 700 Pflücker am Werk. Spätestens bei der Ernte – wenn nicht früher - ist so jeder Groß-Alischer mit dem Hopfen in Kontakt gekommen.
Alles, was tagsüber geerntet wurde, musste bis zum nächsten Morgen getrocknet werden. In den ersten Jahren, als noch keine Trockner vorhanden waren, wurde der Hopfen nach Soromiclea, Pruden oder Rora zum Trocknen gefahren.
Wenn die Ernte dann mit 4 Pflückmaschinen, 2 Bandtrockner und 200 – 300 Handpflückern voll im Gange war, wurden täglich zwischen 20.000 und 25.000 kg Grünhopfen geerntet. Die Ernte dauerte durchschnittlich 30 Tage (10. August bis 10. September). Danach wurde es auf den 85 Hektar Fläche sehr herbstlich-melancholisch, wo wieder nur noch Stahlrohre und Drähte zu sehen waren. Eine geschlossene, gepflegte Hopfenfläche vor der Ernte ist dagegen etwas Sehenswertes…
Zusammen mit den Laborergebnissen wurde jede Hopfen-Probe einer Güteklasse von 1 bis 3 zugeteilt. Für jede Güteklasse gab es festgelegte Preise. Der getrocknete Hopfen wurde dann gepresst und nach Maßgabe des Landwirtschaftsministeriums an die Bierfabriken geliefert. …
Aktueller Stand
Im Jahre 2004 wurden auf den einstigen Hopfenfarmen des Staatsgutes Schäßburg (Soromiclea, Rora, Venchi und Groß-Alisch) noch 90 ha Hopfen angebaut nach 347 ha im Jahre 1993. Von den 90 ha wurde ein Gesamtertrag von 126 Tonnen erzielt (1.400 kg pro ha). Der gesamte Ertrag wurde an die Bierfabrik Neumarkt (Tg. Mures) verkauft.
Adolf Schuster
Landwirtschaftsmeister