Naturnahe Gärten und Balkone
Themenheft 7 Kapitel

Naturnahe Gärten und Balkone

"Der Garten ist der letzte Luxus unserer Tage, denn er fordert das, was in unserer Gesellschaft am kostbarsten geworden ist: Zeit, Zuwendung und Raum." (Dieter Kienast, Schweizer Landschaftsarchitekt)


Alle, die in der glücklichen Lage sind, einen Garten, eine Gartenecke oder einen Balkon zu besitzen oder die Möglichkeit haben, Pflanzengefäße aufzustellen, können ein kleines Paradies für sich selbst und für die Tier- und Pflanzenwelt schaffen, denn Wildpflanzen locken Wildtiere an. Vor allem Vögel und Insekten stellen sich ein, lassen sich gut beobachten und bringen mit den Pflanzen zusammen Farbe in unser Leben.

 

Genießen Sie die Dynamik des Wachsens, des Erblühens, der Reife und der pulsierenden Ruhe! Das Erlebnis einer neuen Zufriedenheit stellt sich ein. 

01

Etwas Botanik

Etwas Botanik

Etwas Botanik, die Kunst der Pflanzenvermehrung und Grundkenntnisse ihrer Pflege erleichtern das Planen und Gestalten des eigenen Pflanzenparadieses:

1. Nach ihrer Lebensform werden Pflanzen eingeteilt in:
Bäume (Holzgewächse mit Stamm, ausdauernd)
Sträucher bzw. Halbsträucher (kein einzelner Holzstamm, sondern von der Basis weg zumindest im unteren Teil verholzte Verzweigung, ausdauernde Lebensdauer)
Kräuter (unverholzte Stängel, die im Winter absterben)

2. Eine weitere Einteilung der Kräuter erfolgt nach ihrer Lebensdauer in:
Einjährige (annuelle) Kräuter -  Von der Keimung bis zur Blüte bzw. Samenreife höchstens ein Jahr und sterben danach ab.
Zweijährig (bienne) Kräuter  - Von der Keimung bis zur Blüte bzw. Samenreife  zwei Sommer und einen oder zwei Winter. Sie überwintern abwechselnd als Same (bzw. Keimpflanze) und als Rosette.
Mehrjährige (plurienne) Kräuter  brauchen zur vollständigen Entwicklung mehrere Jahre, blühen und fruchten jedoch nur einmal im letzten Lebensjahr.
Ausdauernde (perennierende) Kräuter werden auch als Stauden bezeichnet. Ihre oberirdischen Pflanzenteile verholzen im Gegensatz zu Bäumen und Sträuchern nicht, sondern sind krautig weich und sterben nach jeder Vegetationsperiode ab, treiben aber im Frühling wieder neu aus. Sie leben mehrere Jahre und blühen und fruchten jährlich.

Tipp: wildfind gibt bei seinen Pflanzenportraits die in Abhängigkeit von Boden, Nährstoffversorgung und Klima zu erwartende Höhe der Pflanze und ihre Lebensdauer an! 

3. Auf diese Art oder  s o  können Pflanzen für den Eigenbedarf und zum Verschenken vermehrt werden !

02

Pflanzen vermehren durch Samen

Pflanzen vermehren durch Samen

Wann ist der geeignete Aussaattermin?
Wildfind vermerkt bei seinen Pflanzenportraits sowohl den Aussaattermin (Aussaatkalender!) als auch das Keimverhalten. Das ist praktisch, wenn man selbst Samen erntet oder geschenkt bekommt! - Samen sollten übrigens bis zu ihrer Verwendung ohne große Temperaturschwankungen zwischen 5° - 15° gelagert werden. - Auf Samenpackungen sind  ebenfalls Aussaattermin und Keimverhalten vermerkt. Aber bitte beachten Sie, dass die Angaben nur grobe Richtwerte sein können, denn die Aussaat im Freiland ist immer abhängig von den vorherrschenden Temperaturen. Der tatsächliche Frühlingsbeginn hält sich meistens nicht an den Kalender!

Zählt die Pflanze zu den Dunkelkeimern (die Mehrheit) oder zu den Lichtkeimern?

  • Dunkelkeimer: Die Samen brauchen zum Keimen Dunkelheit und müssen vollständig mit Erde abgedeckt werden. Sie ziehen kleine Rillen, in die Sie das Saatgut einzeln einstreuen, bedecken es mit fünffacher Samenstärke mit Erde, drücken die Erde etwas an und gießen mit Brause mit lauwarmem Wasser durchdringend an.
  • Lichtkeimer: Die Samen brauchen zum Keimen Licht und dürfen daher nicht vergraben werden. Um der Gefahr der Austrocknung vorzubeugen, empfiehlt es sich,
    • die ausgestreuten Samen mittels Brett oder Walze anzudrücken, so dass ein guter "Bodenschluss", ein guter Erdkontakt des Samens, gegeben ist.
    • Anschließend  mit lauwarmem Wasser überbrausen. Aussaaten bis zur Keimung leicht feucht halten.
    • Ein über die nasse Saat gelegtes Pflanzenvlies schützt vor Austrocknung, Kälte und fördert die Keimung zusätzlich. Wenn die Keimlinge gut entwickelt sind, das Vlies an einem trüben Tag entfernen, damit die Pflanzen Zeit haben, sich an die vermehrte UV-Bestrahlung zu gewöhnen und keinen tödlichen Sonnenbrand erleiden.  
       

Zählt sie zu den Warmkeimern, zu den Kühlkeimern oder zu den Kaltkeimern ?

Warmkeimer können vom Frühjahr bis zum Spätsommer direkt ins Freiland ausgesät werden und keimen in der Regel unkompliziert innerhalb von 1 - 2 Wochen. Diese Pflanzen können auch entsprechend verfrüht unter Glas (im Haus, im Gewächshaus) in Saatschalen ausgesät und als Jungpflanze ab Mitte Mai ausgepflanzt werden.

Kühlkeimer – wie z.B. der Mohn - benötigen als Keimanreiz kühle Temperaturen. Sie werden in der Regel zu Beginn des Erstfrühlings ausgesät. Ideal sind Temperaturen von 5° - 7° über einen Zeitraum von 4 Wochen. Steigen die Temperaturen danach auf über 10-15 C°, beginnt die eigentliche Keimung.
Als sichere Alternative zur Kühlphase in der Natur bietet sich die Kühlschrankmethode an: Dazu den Samen mit feuchtem Sand vermischen, in einen Druckverschlussbeutel packen und für 4 Wochen in den entsprechend temperierten Kühlschrank legen. Anschließend bei wärmeren Temperaturen aussäen.

Kaltkeimer sind in der Regel Dunkelkeimer, die im Vollherbst ausgesät werden. Sie benötigen zu Beginn noch etwas Feuchte und Wärme. Durch die Kälte des nachfolgenden Winters allerdings wird ihre Keimhemmung abgebaut und sie beginnen im Frühjahr zu keimen.

 

03

Pflanzen vermehren durch Stecklinge, Ausläufer, Absenker, Teilung

Pflanzen vermehren durch Stecklinge, Ausläufer, Absenker, Teilung

VERMEHRUNG von Balkonblumen, Zimmerpflanzen und Kräuter durch STECKLINGE


So geht es: 

  1. ​Während der Monate März - Juli einen 10 - 20 cm langen, gesunden, diesjährigen Trieb unterhalb eines Blattes abschneiden. Sollte der abgenommene Trieb (= "Steckling" ) Blüten und Knospen aufweisen, werden diese vorsichtig entfernt.
  2. Die Triebspitze jeden Stecklings wird ausgekniffen.
  3. Das untere Stängelende wird von den Blättern befreit. Mindestens 2 jedoch sollte der Steckling, behalten dürfen! 
  4. Steckling je nach Pflanzenart entweder IM WASSER oder IN DER ERDE die neuen Wurzeln treiben lassen: 
     

So einfach wurzeln Stecklinge IM WASSER:
Vor allem Fuchsien, Oleander, Gummibaum, Jiaogulan wurzeln leicht in Wasser! 

Dazu im Haus in einem Glas Wasser so einfrischen, dass der unterste Blattknoten (= die Stelle, an der vorher ein Blatt saß) immer unter Wasser bleibt. Der Steckling mag leichte Bodenwärme, Helligkeit, aber keine direkte Sonnenbestrahlung. 

 

Manche Pflanzen treiben eher Wurzeln IN sandiger ERDE:

Vor allem GeranienRosmarin, Hängenelke, Myrte, manche Zitronenarten(z.B. 'Ponderosa'), Geldbaum, Kakteen, Andenbeere, Chili, Tomate, Bougainvillea, Efeu und Drachenbaum können auf diese Art vermehrt werden! 

 

  • Dazu steckt man den zurechtgerichteten Steckling so tief in die Erde, dass das unterste Blattauge (=die Stelle, an der vorher ein Blatt saß) 2 cm von Erde bedeckt ist. 
  • Nun die Erde mit den Fingern fest an den Stängel drücken, damit Stängelende und Erde einen engen Kontakt erhalten und der Steckling nicht austrocknet! 
  • Steckling gut angießen und für seine weiteren Bedürfnisse sorgen: leichte Bodenwärme, leichte Luftfeuchtigkeit, Helligkeit, aber keine direkte Sonnenbestrahlung, weder verschimmeln noch vertrocknen lassen.

    TIPP: Usambaraveilchen, Königsbegonien und Kalanchoe pinnata (eine Zimmerpflanze mit Heilkräften)  lassen sich vermehren, indem man ein Blatt mit Stiel in die Erde steckt! 

 

VERMEHRUNG von STRÄUCHERN durch STECKHÖLZER

 

Viele der schönen Blüh- und Obststräucher lassen sich durch Steckhölzer einfach und ohne die Mutterpflanze zu schädigen vermehren und finden ihren Platz im Garten als Hecke oder als Strauchgruppe bzw. in Einzelstellung!

Durch Steckhölzer gut vermehren lassen sich Apfelbeere, Bauernjasmin, Buchs, Deutzie, Feige, Forsythie, Gartenheidelbeere, Hartriegel, Haselnuss, Holunder, Johannisbeere, Jostabeere, Kolkwitzie, Liguster, Schneeball, Sommerflieder, ThujeWeide, Zierquitte.


So geht es:

  1. Frostfreie Tage des Winters (1.Dez. bis Ende Feb.) und die erste Märzhälfte sind der richtige Zeitpunkt, um bleistiftdicke und bleistiftlange Steckhölzer zu schneiden.
  2. Dazu sucht man sich auf der besonnten Seite des Strauches unterhalb der Triebspitze eines Astes ein ca. bleistiftlanges und bleistiftdickes Aststück aus.
    • Das obere Ende, der Kopf, wird knapp oberhalb einer Blattknospe gerade geschnitten,
    • das untere Ende bekommt knapp unter einer Blattknospe einen Schrägschnitt. So kann man die beiden Enden gut auseinander halten, wenn es soweit ist, dass man das Steckholz in die Erde stecken möchte. 
  3. In ein mit Sand-Erde-Gemisch (1:1) befülltes Gefäß, das Wasserabzugslöcher aufweist (Blumentopf etc.), wird das Steckholz so gesteckt, dass sich das angeschrägte Ende und 2/3 seiner Länge in der Erde befinden, der „Kopf“ mit 1 – 2 Augen (= Blattknospen) oberhalb der Erde. 
  4. Das besteckte Gefäß, es kann mit mehreren Steckhölzern besteckt sein, wird gut angegossen, frostsicher, hell, aber absonnig aufgestellt und immer wieder rechtzeitig gegossen.
    • Zum Thema Frostsicherheit: Nur wenn die Temperaturen nicht mehr unter 0° sinken, darf das Gefäß im Freien verbleiben, am besten in Erde eingegraben und mit einer geeigneten Folie geschützt.
  5. Aus den oberirdischen Augen des Steckholzes entfalten sich bald einmal Blätter und Jungtriebe, die während der ersten Wochen erstmals ihre Energie aus den Reservestoffen des Stämmchens des Stecklings nehmen. Dieses beginnt in dieser Zeit die ersten Wurzeln zu bilden. Bis zum Frühherbst haben sie sich zu einem kleinen Wurzelballen vermehrt. Die Pflanze zeigt es durch einen kräftigen Wachstumsschub! 
  6. Nun wird sie an ihren endgültigen Platz in den Garten gepflanzt und entspitzt, um die Verzweigung anzuregen, und: Gut angegossen!

TIPPS:

  • BUCHS wurzelt jederzeit und das besonders leicht! Die Stecklinge können zudem im Freien gelassen werden, auch bei Frost! 
  • Eine Anleitung der Steckholzvermehrung von ROSEN (Wildrosen (z.B. Büschelrose), Ramblern, Beet-, Kletter- oder Kleinstrauchrosen) finden Sie  h i e r !

 

VERMEHRUNG von krautigen Pflanzen und Sträuchern durch AUSLÄUFER

 

Diese Vermehrungsart kennt man von den Erdbeeren her, aber sie wird auch von manchen krautigen Pflanzen (Ewiger Kohl, Ewiger Spinat, Hauswurz, Meisterwurz, Blutwurz, Bärlapp, Schachtelhalme, Efeu, Kriechendes Fingerkraut, Gänse-Fingerkraut, Giersch, Kriechender Hahnenfuß, Quecke, Brennnessel, Beifuß  …) und auch Sträuchern (Brombeere, Himbeere, Liguster, Bauernjasmin, Flieder, Ranunkelstrauch, Apfelrosen, Kartoffelrosen, Zimtrose, Rosa Suavelonens …) betrieben.

 

So geht es:

Ausläufer mit zumindest 1 Stängel abtrennen, an anderer Stelle erneut einpflanzen.

 

 

VERMEHRUNG durch ABSENKER

 

Salbei, StachelbeerenJohannisbeeren und Bodendeckerrosen, z.B. The Fairy, kann man gut über Absenker vermehren.

 

So geht es: 

Der ausgewählte Zweig an der Pflanze belassen und zur Erde gesenkt. Dort, wo er die Erde berührt, werden seine Blätter entfernt und mit Erde bedeckt, evtl zusätzlich mit einem Stein oder Holzstück beschwert. Die Triebspitze muss allerdings dabei aus der Erde herausschauen!

Sobald der Absenker sich bewurzelt hat (neues Wachstum, Wurzeln suchen), wird er abgetrennt und neu eingepflanzt.

 

 

Vermehrung durch TEILUNG 

 

Diese praktische, häufig angewendete Vermehrungsart ist bei vielen Wild- und Kulturpflanzen möglich, deren Wurzelballen geteilt bzw. abgestochen werden kann. Manche Pflanzen, wie z.B. Gartenmargeriten oder der wilde Speik, gedeihen sogar besser, wenn sie alle paar Jahre geteilt werden. Andere, wie Beinwell, Giersch, Quecke, Winden und Kren, vermehren bzw. erneuern sich sogar durch Wurzelreste und können sich zu lästigen Beikräutern entwickeln!

 

So geht es:

Mit einem kleinen oder großen Spaten wird von der Mitte her ein Stück Wurzelballen abgestochen. Das kann die Hälfte sein, aber auch weniger oder mehr. Manchmal muss man dazu den ganzen Ballen aus der Erde nehmen. 

Anschließend werden die Teilwurzeln an neuer Stelle eingepflanzt.

 

 

04

Vom Anpflanzen kleiner und großer Pflanzen

Vom Anpflanzen kleiner und großer Pflanzen

Wann und wie sollen mehrjährige Pflanzen gepflanzt oder verpflanzt werden?

 

  1. Wann? 
  • ​Herbsttermin: September, Oktober
     
  • Frühjahrstermin: März, April
     
  • Ballenpflanzen können bei offenem Boden ganzjährig gepflanzt werden. 
     
  1. Wie?
    •  Das Pflanzloch sollte ca. doppelt so groß wie der Wurzelballen sein. 
       
    • Pflanzen mit Stamm mit einem Stützpfahl versorgen, der vor der Pflanzung eingeschlagen wird.
       
    • Ist ein Pflanzschnitt notwendig, auch die Wurzeln etwas einkürzen.
       
    • Bei  a l l e n  Pflanzen nach der Pflanzung die Erde festdrücken und sehr gut angießen.
       
    • Den Pflanzabstand beachten!
      • Bei Pflanzen untereinander soll der Abstand die Hälfte ihrer erwarteten Wuchsbreite betragen.
         
      • Der Baumabstand vom Haus soll so groß sein wie die Wuchshöhe des ausgewachsenen Baumes. So geht man sicher, dass die Baumwurzeln keinen Schaden am Gemäuer des Hauses anrichten.
         
      • Um keinen Schaden am guten Verhältnis zum Hausnachbarn anzurichten, empfiehlt es sich, sich über das geltende Nachbarrechtsgesetz, das von Land zu Land verschieden ist, zu informieren.
05

Wilde Balkongärtnerei

Wilde Balkongärtnerei

Viele ESSBARE  WINTERHARTE  WILDPFLANZEN und auch viele GEWÜRZKRÄUTER lassen sich an der frischen Luft auf Fensterbrettern, Balkonen und Terrassen in Töpfen kultivieren. Neuaustriebe oder einzelne Blüten und Blätter können mehrmals im Jahr abgeschnitten und verwendet werden. Biogemüse kann man ja im Unterschied zu früher heutzutage in bester Qualität beinahe überall kaufen, darum ist es interessant, sich die Wilden mit ihrer Kraft auf den Balkon zu holen und sie für sich zu nutzen. 

Einige Beispiele:

Malve (alle Arten)

Melde

Brennnessel

Wilde Rucola

Giersch

Wiesen-Bärenklau

 Löwenzahn

Gänseblümchen

Wiesen-Bocksbart

Sauerampfer

Dost

Feld-Thymian

Wegeriche

Wegwarte

und die immigrierte, nicht winterharte, wilde Kapuzinerkresse

Die Blüten von Malve, Löwenzahn, Dost, Feld-Thymian (Quendel), Wegwarte und Kapuzinerkresse locken zudem Schmetterlinge und Bienen an. Ihre Geschäftigkeit zu beobachten, bringt schmunzelnde Entspannung!

 

Sogar EINHEIMISCHE  BÄUME  UND  STRÄUCHER  können als Kübelpflanzen verwendet werden.

Sie müssen allerdings ganzjährig im Freien stehen. Ihr Wachstum passen sie dem vorhandenen Erdvolumen an. Durch gelegentliche Beerntung von Knospen, Triebspitzen und Blättern entwickeln sie sich zu größeren Bonsais und spiegeln den Jahreslauf wider.

Einige Beispiele:

Vogelbeere

Holunder

Wildapfel

wilde Schneebälle (nur beobachten, nicht essen, leicht giftig)

Kornellkirsche

Zitterpappel

Rotbuche

Hainbuche

Birke

Linde

Kiefer

Esche 

 

SPONTANBESIEDELUNG:

Selbst in der Stadt werden zum Glück Samen u. a. durch Wind und Vögel verfrachtet. Was sich da wohl in einem Gefäß ansiedelt, wenn es mit Erde befüllt aufgestellt wird?

 

BUNTER  MINIGARTEN:

Ein Balkon kann sich dank großzügiger Gefäße und durchlöcherter Erdsäcke in einen bunten Minigarten verwandeln, der nicht nur Schmackhaftes und Gesundes für die Küche liefert, sondern auch Insekten (Bienen, Hummeln, Taubenschwänzchen, Falter ...) und Vögel anlockt. 

Vor allem, wenn man neben den gängigen Gemüsearten, Kräutern und einjährigen Sommerblumen (Kapuzinerkresse, Ringelblumen, Niedrige Tagetes, Hohe Tagetes,  Gewürztagetes, Wicken ...)  auch unkomplizierte, ausdauernde, trockenheitsverträgliche Kübelpflanzen dazunimmt!

  • Nachfolgend eine kleine Auswahl an ausdauernden, trockenheitsverträglichen und winterfesten Kübelpflanzen, die Nahrung für Mensch und Tier bieten. - Natürlich sind viele wilde dabei:

​Große Fetthenne

Wilde Malve

Mauretanische Malve

Moschus-Malve

Taglilien

Brennnessel 

Löwenzahn

Liebstöckel

Kren / Meerrettich

Türkische Minze

Wilder Majoran

Beifuß

Wermut

Alant

Lavendel

Salbei

Bergbohnenkraut

Echte Katzenminze

Garten-Katzenminze

Zitronenmelisse

Rote Spornblume

Kartäusernelke

Tripmadam

Rosenwurz

Orangerotes Habitskraut

Kleines Habichtskraut

Storchschnabel

Wiesenwitwenblume

Pfirsichblättrige Glockenblume

Karpatenglockenblume

Hauswurz

Vogelmiere 

Zierquitte „Cido“ ( = „Zitrone des Nordens“)

Schisandra

manche Rosensorten 

Zierapfel "Evereste"

Kornelkirsche

Vogelbeere

Gemeiner Wacholder

Aronia

Johannisbeeren

Obst in Form von Säulenbäumchen 

Monatserdbeeren

Wilde Erdbeeren

Frühkartoffeln (im Erdsack)

Wilde Rucola

Winterheckenzwiebel

Grünspargel

 

„Nur“ für Auge und Nase - und für die fliegenden kleinen Wesen - , jedoch nicht für den menschlichen Verzehr, sind folgende, , ausdauernde Stauden geeignet: 

Jelängerjelieber

Herbstanemone

Nachtviole

Zwergflieder

Zwergsommerflieder

Liguster

Wilde Karde


 

ÜBERWINTERUNG:

Die winterfesten Kübelpflanzen auf dem Balkon stehen lassen, aber in den Schatten schieben, eine Styroporplatte als Isolierung unterlegen:

Falls doch Sonne dazukommen kann, mit Fichten- bzw. Tannenzweigen abdecken. Sie halten die Sonnenstrahlen zurück, lassen aber genug Licht und Luft durch.

Zusätzlich das Pflanzgefäß mit Schilfrohrmatten locker umwickeln, Zwischenräume mit trockenem Laub ausfüllen.

Ab 0° verdunsten Pflanze und Erde Wasser, darum vorsichtig gießen, nicht ersäufen, eher trocken halten, aber nicht vertrocknen lassen! 

 

06

Unterschiedliche Strukturen und Lebensräume bringen Vielfalt in den Garten

Unterschiedliche Strukturen und Lebensräume bringen Vielfalt in den Garten

Steinhaufen
Steinhaufen in sonnigen Lagen können Aufenthalts- und Brutplatz für Zauneidechsen, Käfer und Wildbienen sein. Vereinzelte Zwischenräume mit einem Sand-Erdegemisch ausfüllen und mit essbaren Pflanzen wie Feldthymian (Quendel) und Dach-Hauswurz bepflanzen.

 

Asthaufen
Zweige des Baum- und Heckenschnittes in einer stillen Ecke bleibend „unordentlich“ aufgeschichtet schaffen zusätzlichen Lebensraum und düngen durch ihre langsame Verwitterung den Boden. Der Hirschkäfer ist auf Totholz der Eiche angewiesen, Igel nutzen Asthaufen als Überwinterungsquartier, Vögel bei ihrer Nahrungssuche. 

 

Altbäume, Baumstümpfe

Altbäume und Baumstümpfe werden mit Efeu überwachsen zu lebendigen Skulpturen. 

 

Komposthaufen
Der Komposthaufen, ein unverzichtbares Element im Naturgarten, muss direkten Kontakt mit dem Boden haben, damit die Bodentiere ungehindert einwandern können.

 

Nisthilfen
Nisthilfen für Vögel, Fledermäuse, Igel, Ohrenschlüpfer (Ohrenkneifer, Ohrwurm;), Wildbienen und Florfliegen locken diese Gartennützlinge an. 

 

Hecken aus Wildsträuchern
Sie bieten im Gegensatz zu den hochgiftigen Arten Thuja („Lebensbaum“), Sadebaum (Stink-Wacholder), Virginischer Wacholder (Säulenwacholder, Skyrocket) als Heckenpflanzen Möglichkeiten zum Ernten für Mensch und Tier, hier vor allem für verschiedenste Vögel und Schmetterlinge.
Als Schmetterlingsfutterpflanze führt der Schlehdorn (Blüte) als Nahrungsquelle von 126 (!) Schmetterlingsarten die Liste an, gefolgt von Salweide (117), Zitterpappel (86), Brombeere (77), Himbeere (74), Rotbuche (68), Liguster (31), Haselnuss (64) Hainbuche (51), Birke (38), Fichte (29), Vogelbeere (28), Esche (27), Silberweide (27), Apfel (25), Vogelkirsche (20), Winterlinde (19), Waldkiefer (19), Zwergholunder (Attich) (19), Bergahorn (17), Berberitze (11) … (Quelle der Zahlen)
Dornsträucher bieten Vögeln besonderen Schutz vor Feinden und sind deshalb ein beliebter Nistort.

 

Gartenteich
Ein naturnaher kleiner oder größerer Gartenteich bereichert jeden Garten. Er bietet Lebensraum für eine vielfältige Fauna und Flora. Sie werden überrascht sein, wie schnell sich Frosch und Libelle einstellen! Absoluter Grundsatz bei eigenen oder besuchenden Kleinkindern: Wasserfläche durch Gitter absichern, denn auch diese Krabbler und kleinen neugierigen Zweibeiner werden während kurzer unbewachter Augenblicke vom Wasser geradezu magisch angezogen!

 

Schmetterlingspflanzen, Bienenpflanzen
Pflanzen, die sich ganz besonders als Nahrungsquelle für Schmetterlinge, Bienen und Hummeln eignen, bereichern einen Garten ungemein!

 

Blumenwiese
Auf einer ungenutzten Gartenfläche kann eine bunte Wiese angelegt werden, bzw. sie entsteht von selbst, wenn der Rasen oder ein Stück(lein) davon so wie das Feld des Bauern nur 2mal im Jahr gemäht, aber – und das ist der Unterschied zum Feld – nicht gedüngt wird.
Neben dem optischen Wert, hat ein Wiesenstück auch einen kulinarischen: So weit die Arme hineinlangen, können Blumensträuße und Wildnis-Mahlzeiten gepflückt werden. Vielleicht führt zur leichteren „Bewirtschaftung“ ein vom Rasenmäher geschaffener Wiesenweg durch das kleine Pflanzenparadies!? Ach, da schwärmt schon jemand von einem Rasenmäherlabyrinth! Was wird in seinem Zentrum zu finden sein? ;)

 

Mischkultur im Gemüsegarten

Pflanzen, die sich gegenseitig fördern, fördern auch eine gesunde Vielfalt und den natürlichen Ertrag im Gemüsegarten.

07

Anbau und Pflege einer Blumenwiese

Anbau und Pflege einer Blumenwiese

Es ist leicht, sich ein Stück Blumenwiese in den Garten zu holen! Wichtig ist dabei: 

  1. Der Rasenmäher kann ruhen. Blumenwiesen werden nur ein- bis zweimal im Jahr gemäht, und zwar in der Zeit zwischen Juli und anfangs September.
     
  2. Der Boden darf nicht mehr gedüngt werden.
     
  3. Aber es dauert einige Jahre, bis sich aus dem einheitlichen Grün des Rasens von selbst eine dauerhafte Blumenwiese entwickelt. Man kann beobachten, wie das Blumenkleid immer bunter wird, wie wilde Pflanzen aus der Nachbarschaft zuwandern - und mit ihnen zahlreiche Insekten.
    • Bereits kleine Wiesenblumeninseln in der Rasenfläche sind Blickfang und Naturoase!

So kommen Sie schneller in den Genuss einer Blumenwiese:

Der nachfolgende Artikel über den „Anbau von Blumenwiesen“ wurde Wildfind großzügig von den „Voitsauer Wildblumensaaten“  zur Verfügung gestellt. Danke!! :) Unter dem Namen „Voitsauer Wildblumensaaten“ verbirgt sich eine Spezialistengruppe von österreichischen Bauern und Gärtnern, die sich auf die Gewinnung von Wildblumensamen spezialisiert haben und auch für Hausgärten für jeden Standort ab 2 m² eine ökologisch passende Pflanzenmischung zusammenstellen und versenden!

 

  • Die Aussaat 

Zum Keimen und Wachsen brauchen alle Wildpflanzen Platz, das heißt einen unbewachsenen, gut gelockerten Boden. Einsaaten in eine bestehende Pflanzendecke haben meistens keinen Erfolg.

Wollen Sie eine vorhandene Wiese mit Pflanzen anreichern, sorgen Sie fleckenweise für offenen Boden, entweder indem Sie die Grasnarbe abheben oder umstechen.

Mischen Sie die Samen gut durch, bevor Sie sie ausstreuen. Nach dem Anbau sorgen Sie durch Anwalzen, Einrechen oder Angießen dafür, daß die Samen in Kontakt mit der Erde kommen. Keinesfalls dürfen die Wildblumensamen jedoch tiefer als 1 bis 2 mm mit Erde bedeckt werden, da viele sonst nicht mehr keimen können. (Anm: Zusätzlich können einzelne Wiesenblumen eingepflanzt werden. Auch die möchten gut angegossen werden!)

Wenn Sie Schotterflächen begrünen wollen, mischen Sie die Samen mit Erde, bevor Sie sie anbauen.

 

  • Die Anbauzeit

In der Natur reifen die meisten Samen im Herbst und fallen nach und nach ab. Daher ist Herbst und zeitiger Frühling die natürlichste Anbauzeit, und wir empfehlen sie auf jeden Fall bei Begrünungen in der freien Landschaft, vor allem auf nährstoffreichen Böden.
Im Garten, wo Sie die Flächen besser unter Aufsicht haben, können Sie das ganze Jahr anbauen. Manche Samen brauchen allerdings einen Kältereiz, um keimen zu können.

 

  • Die Keimung

Ein- und zweijährige Wildpflanzen keimen auf den für sie passenden Standorten fast immer problemlos. Das ist für ihr Überleben in der freien Landschaft notwendig. Sie halten sich allerdings nur solange auf einer Fläche, wie sie unbewachsenen Boden vorfinden, wo ihre Samen keimen können und werden im Zuge der Entwicklung der Fläche von ausdauernden Pflanzenarten abgelöst. Diese haben oft komplizierte Keimungsansprüche und brauchen dementsprechend länger zum Keimen, manche mehrere Jahre. Bitte haben Sie daher Geduld! Unserer Erfahrung nach kommen fast alle für den jeweiligen Standort passenden Pflanzenarten zum Keimen und etablieren sich, wenn auch erst nach zwei bis drei Jahren. Danach bleiben sie aber und erfreuen Sie jedes Jahr von neuem.

 

  • Der richtige Standort

Für Begrünungen auf Acker- und Gartenböden gilt: Je nährstoffärmer und/oder trockener, desto mehr Pflanzenarten können nebeneinander wachsen, und die Fläche wird dauerhaft schön bunt. Sind nämlich viele Nährstoffe im Boden, werden sich einige wenige Pflanzenarten, die diese gut nützen können, durchsetzen und die anderen Arten verdrängen. Blumenwiesenansaaten dürfen daher nie gedüngt werden.
Auf nährstoffreichen Böden (zum Beispiel ehemaligen Ackerflächen) kann man eine bunte Blumenflur schaffen, indem man kräftige und hochwüchsige ein- und zweijährige Pflanzen mit den ausdauernden Wiesenblumen anbaut. Die kurzlebigen Pflanzen keimen und wachsen nämlich rasch und bieten einen Schutz für die langsamwüchsigen und empfindlichen ausdauernden Wiesenpflanzen. Sie verhindern das Überhandnehmen von Pflanzen, deren Samen schon vorher im Boden waren (den sogenannten Unkräutern). Gänzlich unterdrücken kann man die bodenbürtigen Pflanzen bei keiner Wildpflanzenbegrünung, das ist auch gar nicht in unserem Sinn, da das, was von selbst kommt, auf jeden Fall passt und zur Vielfalt beiträgt, solange es nicht überhand nimmt.

 

  • Pflege und Bewirtschaftung

Das Ziel einer Wildpflanzenbegrünung wird meist die Schaffung einer vielfältigen, bunten und abwechslungsreichen Pflanzendecke sein, die ohne aufwendige Pflege dauerhaft schön bleibt. Je abwechslungsreicher die Standortbedingungen und die Bewirtschaftung sind, desto mehr verschiedene Pflanzenarten können nebeneinander vorkommen. Sie können zum Beispiel unterschiedliche Substrate (Erdmischungen) verwenden oder bei der Wiesenfläche einen Teil im Frühsommer, einen Teil im Herbst und einen Teil nur alle zwei Jahre mähen und so unterschiedliche Pflanzengemeinschaften ermöglichen. Bei kurzlebigeren Lebensräumen wie "Bunten Äckern" oder "Bunten Pionierfluren" kann man Vielfalt durch unterschiedliche Zeitpunkte für den Anbau und die Bodenbearbeitung (Frühjahr, Herbst) erreichen.