Über Giftpflanzen und Verhalten im Vergiftungsfall
Themenheft 3 Kapitel

Über Giftpflanzen und Verhalten im Vergiftungsfall

Wir leben mit Giftpflanzen, wir sind von ihnen umgeben in der Wohnung, im Garten und in der Wildnis. Wir lieben sie, aber, wir sollten sie nicht „zum Fressen gernhaben!“ Sie lehren uns, Respekt zu üben, setzen uns Grenzen. (Höre ich da: `Sie helfen uns Grenzen zu überwinden?` Ojeoje.)  Für jeden Fan essbarer Wildpflanzen sollte es jedenfalls eine Selbstverständlichkeit sein, vor einem Erntegang Bescheid zu wissen über Giftpilzehttp://www.pilzepilze.de/ und Giftpflanzenhttp://www.gifte.de/Giftpflanzen/index.htm  und diese nicht zu verspeisen, denn von den sehr stark giftigen genügen kleine Teile, um in einen lebensbedrohlichen Zustand zu kommen!http://de.wikipedia.org/wiki/Liste_giftiger_Pflanzen Auch als wenig giftig eingestufte Pflanzen können in Einzelfällen zu schweren Vergiftungen führen, wenn man zu viel davon zu sich genommen hat. „Allein die Dosis macht das Gift!“ (Paracelsus)

Die Konzentration des Giftes in der Pflanze hängt auch von deren Entwicklungsstadium, von Standort, Witterung und Jahreszeit ab. So lässt sich, auch wenn die aufgenommene Pflanzenmenge bekannt ist, die aufgenommene Giftmenge nur schätzen. Die Wirkung des Giftes hängt zusätzlich von Alter und Konstitution des Unglücksopfers ab. Das harmlose Beispiel der Oxalsäure-Konzentration in Pflanzen (Sauerampfer, Rhabarber, Sauerklee …) veranschaulicht die angesprochene Giftproblematik gut!

Auf keinem Fall darf man Rückschlüsse auf die Essbarkeit der Pflanze für den Menschen ziehen, wenn Tiere diese unbeschadet verzehren. Sie verstoffwechseln die Nahrung anders als wir Menschen! Aus diesem Grund ist auch der umgekehrte Schluss möglich: Nicht alles, was uns gut tut, ist gut für das Tier, z.B. Kakao, Steinklee, Schachtelhalm.http://www.botanikus.de

Unterschiedliche Giftigkeit
Vereinzelt verflüchtigen sich bestimmte Gifttypen (z.B. Amygdalin) durch Zerkleinern und Kochen der fraglichen Pflanzenteile, durch mehrmaliges Wässern (z.B. giftige Bitterstoffe der Lupinenkerne), durch Kochen (z.B. das Sambunigrin der Holunderbeeren, Phasin der Bohnen, ….) oder durch Trocknen (Cumarin in Waldmeister und Steinklee, das Protoanemonin der Hahnenfußgewächse). Manche stecken ihr Gift nur in bestimmte Pflanzenteile und lassen andere frei davon, z.B. die Eibe und der Granatapfel.

Viele der 50 europäischen Giftpflanzen-Familien aber sind und bleiben giftig. Ihre für den Menschen zuträgliche Stärke liegt in ihrer richtig dosierten, standardisierten, medizinischen Verwendung und in ihrer Kraft als Augenschmaus! Als Beispiele mögen gelten Fingerhut, Tollkirsche, Bilsenkraut, Kreuzkraut, Engelstrompeten, Stechapfel, Oleander, Brunfelsia, Cyclamen, Narzisse und Herbstzeitlose. Letztgenannte bringt, medizinisch richtig dosiert, Gichtkranken Hilfe, die ganze hübsche, zarte Pflanze bleibt aber frisch und getrocknet höchst giftig und bringt dem Rind - das an ihr nicht wie bei frischem Hahnenfuß, Alpenkreuzkraut und Eisenhut die Giftigkeit erkennt - und dem Menschen, der seine Milch trinkt, je nach Dosis, den Tod. So bleibt dem Hörndlbauern nichts anderes übrig, als die Giftpflanzen seines Grünlandes mechanisch zu bekämpfen.http://www.alblamm.de/naturschutz/themen/giftpflanzen_im_gruenland.htm#tab

01

Kinder und Giftpflanzen

Kinder und Giftpflanzen

Eine Gruppe freundlicher Lebewesen sind in ihrer wunderbaren Neugier höchst gefährdet, allgemein und in Bezug auf Giftpflanzen im Besonderen: die Kinder!

  • Da gilt es die Außenanlagen, in denen sich kleinere Kinder aufhalten, frei zu halten von Giftpflanzen, ganz besonders frei von „leckeren“, Früchte tragenden, giftigen Bäumen (Goldregen, Eibe, Robinie, Buchs …), Sträuchern (Seidelbast, Ginster, Stechpalme, Waldgeißblatt, Liguster, Knallerbsenstrauch …) und Stauden (Tollkirsche, Maiglöckchen, Christrosen …).http://www.landwirtschaftskammer.de/verbraucher/service/gartenbau/pflanzenkindergarten.pdf
  • Sobald Kinder nicht mehr nur orales Interesse an Pflanzen und Tieren zeigen, sind sie offen für Erklärungen über starkes Gift (Amygdalin) in den Kernen von
    • Bittermandelnhttp://de.wikipedia.org/wiki/Bittermandel#Nat.C3.BCrliches_Vorkommen
    • Marillen (Aprikosen)
    • Zwetschken (Zwetschgen)
    • Pflaumen
    • Pfirsichen
    • Schlehen
    • Kirschenarten
  • Die Kerne der Apfelgewächse enthalten, wenn auch in geringerem Ausmaß als die vorher genannten Kerne, Gift, und zwar, nach dem Gift-Standardwerk von Roth, Daunderer, Kormann „Giftpflanzen, Pflanzengifte“, Amygdalin und Cyanogene Glykoside. Auch hier gilt die Lehrmeinung des Paracelsus: Die Dosis macht das Gift! Deshalb die Kerne meiden von
    • Quitten
    • Äpfeln
    • Birnen

Fazit: Kinder nachhaltig informieren, dass Blüten von Giftpflanzen Nahrung für viele besondere Insekten sind, ihre Früchte, auch wenn sie noch so mit Glanz, Farbe und Geschmack locken, nur für  Vogelmägen bestimmt sind!

02

Liste der stärksten Giftpflanzen Europas

 WILDFIND gibt bei seinen schriftlichen Pflanzenportraits jeweils den Giftigkeitsgrad an, orientiert am Standardwerk von Roth/Daunderer/Kormann: „Giftpflanzen-Pflanzengifte“.

Giftigkeitsgrad

Zeichen

 

Nicht giftig

 

 

Bekannt als Allergieverursacher

 

 

Im rohen Zustand giftig

 

 

wenig giftig

(+)

Vergiftungssymptome nach Aufnahme massiver Pflanzenmengen.

giftig

+

Vergiftungssymptome nach Aufnahme großer Pflanzenmengen.

stark giftig

++

Vergiftungssymptome nach Aufnahme kleiner Pflanzenmengen.

sehr stark giftig

+++

Lebensbedrohliche Vergiftungssymptome schon nach Aufnahme geringer Pflanzenmengen.

 

03

Verhalten im Vergiftungsfall

Verhalten im Vergiftungsfall

Nicht warten, bis sich die ersten Vergiftungssymptome bemerkbar machen, sondern sofort, sobald der Verdacht besteht, Giftpflanzen oder Giftpilze verschluckt zu haben, ärztlichen Rat einholen, dann danach handeln:

  •  Der europaweite Notruf 112, auch als „Euronotruf“ bezeichnet, kann kostenlos per Telefon (Handy, Festnetz), Notrufsäule, Funk und Fax getätigt werden. Unter dieser Notrufnummer wird eine Leitstelle erreicht, die je nach Notfall die zuständigen Organisationen wie Polizei, Rettungsdienst, Feuerwehr … und eben auch die Beratungsstelle bei Vergiftungen alarmiert. Ein solcher Notruf hat im Mobilfunknetz Priorität, nötigenfalls wird eine andere Verbindung getrennt. 
    Hat man mit dem Handy keinen Empfang, geht man so vor:
    1. Das Handy ganz ausschalten, dann
    2. das Handy wieder einschalten und dabei statt des Pin-Codes den Euronotruf 112 eingeben!
  • Die deutsche  Giftinformationszentrale berät unter der Tel.Nr. 0228-19240 Tag und Nacht für alle Anrufer kostenlos bei akuten oder chronischen Vergiftungen durch Medikamente, Pflanzen, Drogen, Tiere, Pilze, Haushaltsmittel oder Chemikalien und bietet auf ihrer Homepage Informationen zu giftigen Pflanzen, Pilzen, Tieren und Drogen.http://www.meb.uni-bonn.de/giftzentrale/jahresbericht99-Dateien/typo3/index.php?id=272
  • Vergiftungs-Notrufnummer Österreich
    • Wien: 01-406 43 43
    • Rettung: 144
  • Vergiftungs-Notrufnummer Schweiz, Zürich: 044-251 51 51

 

Nach Rücksprache mit einer Beratungsstelle können Erste-Hilfe-Maßnahmen selbständig durchgeführt werden.

  • Dazu empfehlen Roth-Daunderer-Kormann in ihrem Standardwerk über Giftpflanzen „Giftpflanzen, Pflanzengifte“, Kohle-Pulvishttp://www.koehler-pharma.de/060_prod/kohle-pulvis.php, das ist medizinische Kohle, auch Aktiv-Kohle oder kurz A-Kohle genannt, zum Binden verschluckter Gifte jederzeit in der Hausapotheke vorrätig zu haben.

Zu Anwendung und Dosierung der medizinischen Kohle geben sie auf S.57 folgende Anleitung:

  • Medizinalkohle 10 g,  bei allen verschluckten Giften, Becher mit Wasser füllen, schütteln, trinken (Kinder die Hälfte, Säuglinge ein Viertel). Als Alternative zum Erbrechen muss unbedingt eine Menge von 10 g Kohle geschluckt werden.
  • Sollte ein Erbrechen der verschluckten Pflanzenteile notwendig sein, zuerst den Magen mit Flüssigkeit (kein Alkohol, keine Milch) füllen, durch Reizen der Rachenhinterwand den Brechvorgang auslösen, dabei den Kopf tiefer als den Oberkörper halten. „Am Ende muss Medizinalkohle (10 g) getrunken werden, um die in tiefere Darmabschnitte eingedrungenen Gifte vor ihrer Aufnahme ins Blut ebenfalls zu binden.“ („Giftpflanzen, Pflanzengifte“, S. 55)
  • Erbrochenes und Pflanzenteile in einem Plastiksack mit in die Klinik nehmen.
  • Nach Hautkontakt mit giftigen Pflanzen die Haut mit warmem Wasser und Seife reinigen.