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Bachekoch
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Bild 1: Dieses Bachekoch mit Honig wurde in Respekt vor dem Weizen mit etwas Vollmehl dabei gekocht.
Bild 2: Ein Beschlagbeil, das der Priestreggerer 1920 für die Balken der Hartlbrücke verwendete, benötigt beste "Bacheschärf"!
Bild 3: Die Percht. Sie liebt Bachekoch und Eisen, dem sie eine lang anhaltende Schärfe verleiht . Foto: Enno Folkerts, "Tirol", 1940
Bild 4: Frau Perchta und ihr Gefolge begleiten den Wechsel von der dunklen in die helle Zeit und ziehen in den Raunächten durch die Häuser.

Bachekoch

Bachlkoch
Portionsangabe: 
Hauptspeise für 2 Personen oder als kleine Nachspeise für 6 Personen

Dieses traditionelle Weihnachtsgericht wird auch heute noch in vielen Pinzgauer Familien am 24. Dezember zu Mittag gegessen, und sei es nur als Nachspeise. Es war einst im Salzburgischen die Opferspeise für die Percht.

 

Das “Bachekoch” bzw. "Bachlkoch", wie es inzwischen auch genannt wird, ist ein einfaches, aber besonderes Gericht! Seine Wurzel reichen bis weit in die vorchristliche Zeit zurück. Auch nach der Christianisierung musste ihm ein Platz eingeräumt werden: Mit ihm wurde das Adventfasten , das bis zum 24. Dezember, 11:00 mittags, reichte, beendet. Man achtete darauf, dass alle im Hause beim Bachekoch mitaßen, denn die Percht und ihr Gefolge (Burchard von Worms, 1025 n. Chr., bezeichnete sie als „Parzen“) würden ein Zuwiderhandeln übelnehmen! Den Rest des Bachekochs brachte die Bäuerin den Obstbäumen und rief ihnen zu. „Bam esst’s!“ Die Bäume sollten diese Gabe mit Gesundheit und Fruchtbarkeit danken.

Bachekoch-Essen steht anscheinend im Zusammenhang mit dem in weiten Teilen Europas üblichen Essen von Weihnachtsgrütze und mit dem Aufstellen von gedeckten Weihnachtstischen für die Unsichtbaren. Reste dieser Bräuche finden sich auch im Umgang mit dem Bachekoch.

  • War bzw. ist es im Norden wichtig, viel Julgrütze zu essen, um gesund und stark zu werden oder zu bleiben, wurde im Pinzgau diese Kraft dem Bachekoch zugeschrieben.
  • Von Weihnachtstischen, die für Geister gedeckt wurden, wird sowohl von nördlichen Ländern berichtet, als auch von deutschen. Ebenso wurde in Tschechien, der Schweiz und Niederösterreich dieser Brauch ausgeübt. Er soll Glück bringen für das ganze Anwesen und seine Bewohner.
    Die Speisen, die auf dem abgesonderten Weihnachtstisch angeboten wurden, meistens Brot, Milch und Bier, verfütterte man zum Abschluss der Zeremonie an die Tiere und streute sie auf die Äcker, um sie gesund und fruchtbar zu erhalten.
    In Niederösterreich erhielten auch die Menschen ihren Teil von der "Perchtmilch", wie Burchard von Worms berichtete: Zur Weihnachtszeit wurde der Percht ein nächtlicher Tisch gerichtet und eine Schüssel mit Milch daraufgestellt. Die Perchtmilch wurde am nächsten Tag von den Menschen gegessen und man gab auch den Kühen und Hühnern davon.  Siehe auch: Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens .
    Und im Pinzgau wurde ein Schälchen Bachekoch für die Percht, die "Bachlpercht", aufgestellt. Hatte sie es bis zum nächsten Morgen nicht verspeist, war sie satt und man durfte es mit ruhigem Gewissen selbst fertigessen.

Noch kurz zum Namen „Bachekoch" (Lautschrift ˈbɐχəko:χ) bzw. "Bachlkoch":

  • Über den 2. Teil des Wortes herrscht allgemeine Klarheit: Mit der Silbe „-koch“, deren o lang ausgesprochen wird, ist in diesem Zusammenhang ein „Brei“ bzw. eine „Grütze“ gemeint.
  • Über die Bedeutung des ersten Teiles der Bezeichnung -  „Bache“ bzw. „Bachl“  - gehen die Meinungen auseinander:
    1. Meinung:
      „Bache“ bzw. „Bachl“ leitet sich von „backen“ her:
      Naja, Backtag war der 24.12. denn doch nicht.
      Gebacken wurden bis ins 19. Jhd., neben Brot beinahe ausschließlich Lebkuchen und Früchtebrote (Kletzenbrot, Zelten …), und die benötigen eine gewisse Lagerzeit, bis sie schön weich sind und ihr volles Aroma erreichen. Krapfen und Kiachl wurden am 24. Dez., dem „Bachltag“, allgemein nicht gebacken, und Kekse wurden erst später üblich. Noch dazu schmecken auch sie erst nach ein paar Tagen so richtig gut. 
      Wer jemals selbst einen Backtag veranstaltet hat, weiß, wie viel Energie er beansprucht. Und das am Tag des Heiligen Abends? Wo bereits alles geputzt und aufgeräumt sein sollte, „denn sonst kommt die Habergoaß, schneidet dir den Bauch auf und stopft alles Nichtaufgeräumte hinein!“ (O-Ton Edith, 1980) 
      Außerdem war früher für die weihnachtliche Kulinarik nicht Gebackenes das Um und Auf, sondern Fleisch, das es sonst wenig gab. Schlachten und das anschließende Haltbarmachen von Fleisch und Wurst waren für das Weihnachtsfest ungleich wichtiger. Diese Arbeiten wurden aber bereits spätestens zu Dezemberbeginn erledigt.
      Zu Weihnachten sollte ohne Hektik Zeit bleiben für das Spirituelle, für die Familienfeier und für die Pflege von Freundschaften!
    2. Meinung:
      „Bachl“ bzw. „Bache“ hängt mit dem Wasser, dem „Bach“ bzw. dem „Bächlein“, zusammen:  
      Zu Ostern würde das Sinn machen, aber zu Weihnachten?
    3. Meinung:
      Interessant und gut nachvollziehbar ist die Version, die sich damit auseinandersetzt, dass „Bache“ eben nicht nur dem Koch (Brei, Grütze), sondern dem ganzen Tag den Namen gab!
      Der Heimatkundler Alois Eder, Saalfelden, weiß mehr dazu:
      • Der 24. Dezember wurde im Pinzgau als „Bachetag“ bezeichnet. Seine Nacht war - und ist es nach wie vor - eine wichtige Raunacht (Rauchnacht), in der besonders gegen die Percht geräuchert wurde. (Heute oft aus anderen Gründen.)
      • Am Vormittag des Bachetages wird die „Bacheschneid“ (Wetzen von Sense, Sichel und Messer) erledigt, damit die Schärfe besonders lang anhält und Glück bringt.
      • Mittags wird das „Bachekoch“, ein Brei aus Milch und Weizenmehl, verspeist. 
      • Mit immergrünen Zweigen, den „Bacheboschen“, werden die Räume von Haus und Stall geschmückt. 

        Das sind alles Handlungen, die nicht mit der Geburt Christi verbunden werden. Es muss aber trotzdem etwas Bedeutsames - da namengebend – gewesen sein! 

    4. Die Antwort 
      findet man im Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens zusammen mit Wikipedia, der freien Enzyklopädie: Ambivalente Gestalten, nämlich die „Frau Perchta“, die das Eisen liebt, und ihre Begleiter, die im 11. Jhd. als „Parzen“ (Moiren) bezeichnet wurden, begleiten den Wechsel von der dunklen in die helle Zeit. Sie bringen Glück oder Unglück. Nach ihnen, den Parzen und der Gestalt der Percht, ist die Speise, die im Pinzgau (Land Salzburg) ausnahmslos nur am 24. Dezember mittags gegessen wird, vom Volk als „Bachekoch“ bzw. „Bachlkoch“ bezeichnet worden. "Bache" bzw."Bachl" ist in diesem Fall eine mundartliche Silbenbildung aus einer Vermischung von Parze und Perchta. Der Tag, an dem man den intensivsten Kontakt mit diesen Gestalten vermutete bzw. befürchtete, an dem viele unterschiedliche Riten durchgeführt wurden, wurde „Bachltag“ genannt.
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Pflanzen in diesem Rezept
Bachekoch bzw. Bachlkoch, ein traditionelles Weihnachtsgericht, wird in vielen Pinzgauer Familien am 24. Dezember zu Mittag gegessen, und sei es als Nachspeise.