Pflanzenheilkunde
Themenheft 99 Kapitel

Pflanzenheilkunde

 

Die PFLANZENHEILKUNDE

beinhaltet vielfältige Möglichkeiten des Heilens. 
Sie zeigt sich - wie die Völker  - in vielfältigen Gesichtern,

doch letztendlich in ihren Grundstrukturen über Zeiten und Länder hinweg verbindend menschlich!

"Die Pflanzenheilkunde gehört zu den ältesten medizinischen Therapien

und ist auf allen Kontinenten und in allen Kulturen beheimatet.“ (Dr. Bäumler)

 

 

Pflanzen nähren, töten, heilen:

Es ist anzunehmen, dass die Menschen  naturgegebenermaßen von Anfang an durch ihre pflanzliche Nahrungsaufnahme Erfahrungen über Wirkungen von Pflanzen hatten, die über die Sättigung hinausgingen.  

Dadurch, und sowohl durch Beobachtungen von Wildtieren, die zu ihrer Heilung bestimmte Pflanzen fraßen, als auch durch intuitive Naturverbundenheit, lernten die Menschen, Pflanzen gezielt zur Heilung - oder auch Tötung - zu suchen und auf unterschiedliche Arten anzuwenden.

Dieses alte Wissen wurde über Jahrtausende hinweg mündlich an die nachfolgenden Generationen weitergeben. Durch die Wanderungen und Erzählungen der Sippen verbreitete es sich über ganz Europa.

Sobald sich die Menschen schriftlich ausdrücken konnten, gehörten sowohl Inventarisierungslisten der Begüterten als auch Kräuterrezepte mit Anrufungen der Gottheit zu den ersten Schriftstücken!
 

01

Erste medizinische Texte der Germanen – Zaubersprüche, Heilrezepte, Neunkräutersegen

Erste medizinische Texte der Germanen – Zaubersprüche, Heilrezepte, Neunkräutersegen

 

ALTGERMANISCHE ZAUBERSPRÜCHE, HEILSPRÜCHE

 


Die ersten schriftlichen altgermanischen Zeugnisse stammen aus dem 9. Jhd. Es sind Zaubersprüche, Beschwörungen und sogenannte „Segen“, die zur Heilung verwendet wurden. Sie sind im religiös-kultischen Brauchtum der germanischen Stämme verwurzelt und wurden lange Zeit mündlich tradiert. In den ältesten werden nordische Gottheiten wie Balder, Frija und Wodan um Heilung angerufen. Die später aufgezeichneten Sprüche sind sie bereits meistens mit christlichen Motiven vermischt. 

 

  • MERSEBURGER  ZAUBERSPRÜCHE  
    Sie wurden im 9. Jhd. aufgezeichnet.
    • Der erste Zauberspruch beinhaltet einen Lösezauber von Fesseln
    • Der zweite einen Heilungszauber eines verletzten Pferdefußes
  • STRASSBURGER  BLUTSEGEN 
    Dieser findet sich in einer Handschrift aus dem 11.  Jhd. und soll Blutstillung bei einer Verletzung bewirken
     
  • BAMBERGER  BLUTSEGEN 
    Ebenfalls der Blutstillung bei einer Verletzung dient dieser Segen, der im 12. Jhd. niedergeschrieben wurde.
     
  • BASLER REZEPTE
    Das sind keine weihnachtlichen „Basler Leckerli“ ;)  sondern es sind drei alte medizinische Texte. Zwei von ihnen, das zweite und das dritte Rezept, stellen die ältesten schriftlichen deutschen Medizin-Prosatexte dar!  Sie wurden im 8. Jhd. in Fulda aufgeschrieben.
    Da sie in Basel aufbewahrt werden, erhielten sie den Namen „Basler Rezepte“. 
    H i e r  können die Basler Rezepte nachgelesen werden. Leseempfehlung: Laut lesen!

    • Das erste Rezept, es ist in lateinischer Sprache verfasst, ist ein Rezept zur Fiebersenkung und verwendet neben Schwefel und Pfeffer Kräuter wie Beifuß, Wermut, Sadebaum
    • Das zweite Rezept liegt in althochdeutscher Sprache vor. Es handelt es sich im Prinzip um das gleiche Rezept wie das erste, jedoch mit einigen Abweichungen und Erweiterungen.
    • Das dritte Rezept ist eine Rezeptur gegen Geschwüre, die für Mensch und Tier anwendbar sei.
      Es verwendet u.a. Salz und - wie im nachfolgenden Neunkräuterzauber - Salbe. Auch die in der aktuellen Volksmedizin bei Nagelbettentzündungen verwendete keimtötende Seife ist dabei sowie, nach altrömischer Tradition, Schleim der Austernschale.

 

 

ANGELSÄCHSISCHER NEUNKÄUTERSEGEN  bzw.  NEUNKRÄUTERZAUBER   

 

Dieser ausführliche, dreiteilige Kräuterzauber ist ein Werk der altenglischen Dichtung über die Wirkung und Zubereitung von neun Heilkräutern. Der Neunkräutersegen wurde zuerst mündlich weitergegeben, im 11. Jahrhundert dann als Teil der altenglischen Schriftensammlung Lacnunga (altenglisch "Heilmittel") aufgenommen. In altenglischer Sprache beschreibt er "die neunerlei Kräuter, die Wotan als magische Medizin benutzt." ("Weihnachtsbaum und Blütenwunder", Rätsch, Müller-Ebeling)

Altenglisch war bis ins 12. Jhd. die Sprache der Nordgermanen (Angeln, Sachsen und Jüten). Es ist eine eng mit dem Friesischen und Niederdeutschen verwandte westgermanische Sprache und gehört der Gruppe der germanischen Sprachen an.

 

 1. Teil – Die Kräuterbeschwörung

Neun (heilige Zahl!) Pflanzen werden der Reihe nach angesprochen und ihre Wirkung gegen Gift und Ansteckung beschworen. Es sind Heilkräuter, die ihre Bedeutung bis in unsere Zeit nicht verloren haben!

  • An erster Stelle wird als Machtwurz der Beifuß angerufen, der als ältestes Kraut angesprochen wird. 

„Erinnere dich, Beifuss, was du verkündet hast,
was du bekräftigt hast bei der großen Verkündung.
"Una" , dem Urgott angehörig, heißt du, ältestes Kraut.
Du hast Macht für 3 und gegen 30,
du hast Macht gegen Gift und gegen Ansteckung  … “

Dem Beifuß folgen: 

 

2. Teil – Der Spruch

Im zweiten Teil des Textes wird in Form eines Zauberspruches erzählt, wie Wodan (Odin) eine Schlange in neun Stücke zerhieb, und es werden in formelhaften Wiederholungen alle Krankheiten und Gifte aufgezählt, gegen die die genannten Kräuter helfen sollen.

 

„Eine Schlange kam gekrochen, zerriss einen Menschen;
da nahm Wodan 9 Ruhmeszweige,
erschlug da die Natter, dass sie in 9 Stücke zerbarst.
dass sie niemals mehr ins Haus kriechen wollte.
Nun haben diese 9 Kräuter Macht gegen neun böse Geister,
gegen 9 Gifte und gegen neun ansteckende Krankheiten …
… gegen das braune Gift, gegen das karminrote Gift,
gegen Schlangenblattern, gegen Wasserblattern,
gegen Dornblattern, gegen Distelblattern, …“

 

 

3. Teil – Herstellung und Anwendung des Heilpflanzenrezeptes:

Der dritte und letzte Teil des Textes ist eine Anleitung zur Zubereitung der Heilsalbe und deren genauen Anwendung:

 

„ … Stosse die Kräuter zu Staub,
vermenge sie mit  Seife und mit dem Saft des Apfels.
Mache einen Brei aus Wasser und aus Asche,
nimm Fenchel, koche ihn in dem Brei
und erwärme es mit Ei-Gemisch, wenn er die Salbe auftut,
sowohl vorher als nachher.
„…. Er singe diesen Zauberspruch über jedem dieser Kräuter,
3 Mal bevor er sie bearbeitet und
über dem Apfel ebenso;
und er singe dann dem Mann in den Mund und
in beide Ohren und auf die Wunde den gleichen Zauberspruch,
bevor er die Salbe auftut.“

 

 

Anmerkungen: 

  • Die angeführten Textstücke des Neunkräutersegens wurden dieser Website entnommen. Hier wird auch erklärt, dass von den neun Kräutern vier sicher identifiziert wurden, nämlich Beifuß, Wegerich, Kerbel, Fenchel. Bei den restlichen fünf werden Schaumkraut, Brennnessel, Heilziest, Kamille und Wildapfel in Erwägung gezogen. Sie finden auf der erwähnten Website zusätzlich ergänzende Erläuterungen und weitere Zaubersprüche.
  • Die folgenden Pflanzenfotos zeigen die wahrscheinlichen 9 Kräuter des Neunkräutersegens: 
02

Botanischer Garten - Apothekergarten

Botanischer Garten - Apothekergarten


 Seit dem Hochmittelalter wurden in den Städten im Unterschied zu den Kloster- und Bauerngärten, wo vor allem die duftende Heilwirkung zählte, Bürgergärten mit Blumenrabatten angelegt und Apothekergärten, die Heilpflanzen und Pflanzenraritäten in sich vereinten.  

Gemeinsam ist allen Gärten dieser Zeit, dass sie als geschützte, intime Gartenräume ohne direkten Bezug zur Landschaft errichtet wurden. Darin wurden einheimische Pflanzen gezogen, aber auch fremdländische.  Vorallem letztere waren Stolz und Freude der Besitzer! Teils stammten sie aus dem Mittelmeerraum, teils wurden sie von den Kreuzfahrern aus dem nahen Osten mitgebracht, teils von den Seefahrern aus Amerika und anderen fernen Ländern. Man trachtete auch, die Pflanzen selbst zu vermehren und als wertvolles  Geschenk weiterzugeben. 
Eine große Pflanzenbegeisterung griff um sich und zeigte sich nicht nur in repräsentativen "Lustgärten", sondern auch in angelegten Lehrgärten, den  Apothekergärten und Botanischen Gärten!  Angehende Mediziner, Apotheker und Botaniker konnten hier ihre Studien betreiben, wobei die Devise lautete, je exotischer, desto besser!

Einen Apothekergarten der besonderen Art hatte und hat die Stadt Meißen!

Meißen ist ja nicht nur Zentrum für wunderschönes, hochwertiges Porzellan und Heimatstadt Hahnemanns, des Begründers der Homöopathie, sondern beherbergt einen Garten, dessen Wurzeln in das 16. Jahrhundert zurückreichen. Es ist der  Garten des Arztes und Apothekers Dr. Christoph Leuschner (1521 – 1574), der durch überlieferte Aufzeichnungen seiner Freunde Fabricius und Ursinus dokumentiert wurde. Diesen Garten und den Apothekergarten Hahnemanns auf dem Gebiet des ehemaligen Klosters "Zum heiligen Kreuz" wieder zum Leben zu erwecken, ist Ziel des Vereins des Meißner Hahnemannzentrums, das uns den nachfolgenden Aufsatz aus dem Jahre1895 von Dr. phil. Max Schmidt, Realschul-Oberlehrer in Meißen zur Verfügung stellt. Vielen Dank für dieses informative Schriftstück! - Es schildert beispielhaft die Entstehung und Bedeutung der Apothekergärten bzw. botanischen Gärten und listet die Pflanzen des  Leuschnergartens auf, der im Sinne des Zeitalters der „Väter der Botanik“   hier als "Botanischer Garten" bezeichnet wird:

 

Ein Botanischer Garten in Meißen  

Ein botanischer Garten in Meißen im 16. Jahrhundert "   Die botanischen Gärten, die heutzutage in vielen großen Städten zu finden, besonders aber als unentbehrliches Hilfsmittel der Botanik mit den meisten Universitäten verbunden sind, reichen in ihren ersten Anfängen weit zurück ins Mittelalter, wo besonders in der Zeit vom 8. bis zum 12. Jahrhundert mit fast allen Klöstern Gärten in Verbindung standen, die der Obhut der Mönche anvertraut waren.
In diesen Klostergärten, um deren Pflege und Verbreitung Karl der Große sich unstreitig das größte Verdienst erworben hat, wurden nicht nur einheimische, sondern auch südeuropäische und morgenländische Pflanzen gezogen. Wenn nun auch die kultivierten Gewächse ausnahmslos Küchen- und Arzneipflanzen waren, so hatten jene Gärten doch entschieden eine große Bedeutung: sie haben frühzeitig im Volke das Interesse an einem regelmäßigen Gartenbau wachgerufen und immer weiter und weiter im Lande verbreitet; wir dürfen sie also mit Recht als die Vorläufer der botanischen Gärten ansehen.
Mit dem fortschreitenden Verfall der Klöster verlieren auch die Klostergärten mehr und mehr ihre Bedeutung als zentrale Pflegestätten des Pflanzenbaues. Dafür entstehen aber im 14., 15. und 16. Jahrhundert in Italien öffentliche Gärten, die eine viel höhere Stellung einnehmen; sie betreiben die Kultur abend- und morgenländischer Gewächse schon in großem Umfange, beschränken sich nicht ganz auf Nutzpflanzen und sind für die Botanik außerordentlich fördernd gewesen.
Der erste Garten dieser Art wurde von Matthäus Sylvaticus zu Anfang des 14. Jahrhunderts in Salerno gegründet; 1333 entstand in Venedig ein öffentlicher, vom Staate unterhaltener „medizinisch-botanischer Garten", und von da an wetteiferten die reichen italienischen Städte in der Begründung solcher Institute ...    -  Weiter unter "Botanische Gärten entstehen" !

Mit dem fortschreitenden Verfall der Klöster verlieren auch die Klostergärten mehr und mehr ihre Bedeutung als zentrale Pflegestätten des Pflanzenbaues. Dafür entstehen aber im 14., 15. und 16. Jahrhundert in Italien öffentliche Gärten, die eine viel höhere Stellung einnehmen; sie betreiben die Kultur abend- und morgenländischer Gewächse schon in großem Umfange, beschränken sich nicht ganz auf Nutzpflanzen und sind für die Botanik außerordentlich fördernd ge

Botanische Gärten entstehen

"Die Blütezeit dieser italienischen botanischen Gärten fällt aber in das 16. Jahrhundert.

Besonders berühmt waren die Gärten von Padua (1533), Pisa (1544), Bologna (1568), Florenz und Neapel. In Deutschland wurden derartige öffentliche botanische Gärten erst zu Ende des 16. und im Verlaufe des 17. Jahrhunderts gegründet, und zwar zu Leipzig 1580, zu Breslau 1587, zu Heidelberg 1597, zu Gießen 1610, zu Jena 1629, zu Kiel 1669 etc. …

Vorher aber gab es in Deutschland schon eine große Zahl botanischer Privatgärten: der berühmteste ist derjenige des Joachim Camerarius in Nürnberg. Meist waren es Ärzte und Apotheker, die solche Gärten anlegten, um darin ihre Studien zu fördern, zu denen sie durch die „Väter der Botanik" mächtig angeregt wurden. Freilich baute man in diesen Gärten wieder neben den nützlichen Küchengewächsen hauptsächlich Arzneipflanzen, und wir werden daher mehr an die Gärten der Mönche als an die zuletzt erwähnten italienischen Gärten erinnert; aber wir dürfen uns darüber nicht wundern, denn man sah eben in den Pflanzen immer noch in erster Linie Träger medizinischer Kräfte, und diese Kräfte der Menschheit nutzbar zu machen, betrachtete man als die Hauptaufgabe des Studiums der Botanik.

 

Es ist nun gewiss interessant, zu erfahren, dass auch unser Meißen zu den Städten gehört, welche im 16. Jahrhundert einen botanischen Privatgarten besaßen, er wurde im Jahre 1555 von dem Arzt und Apotheker Dr. Christoph Leuschner angelegt, und über seinen Pflanzenbestand ist durch ein genaues Verzeichnis ausführlichere Kunde auf unsere Tage gekommen, als dies bei den meisten Gärten dieser Art der Fall ist.
Dr. Christoph Leuschner kam im Jahre 1521 in Meißen als der Sohn des Apothekers Karl Leuschner und seiner Gattin Dorothea, einer geborenen Erfurterin, zur Welt… Nachdem er Heilkunde und die in jener Zeit mit ihr aufs engste verknüpfte Heilmittellehre studiert hatte, praktizierte er um 1550 in Torgau als Stadtarzt, wandte sich aber kurze Zeit darauf, vielleicht bei dem 1554 erfolgten Tode des Vaters, nach seiner Vaterstadt Meißen, um daselbst die väterliche Apotheke zu übernehmen und zu leiten und den ärztlichen Beruf auszuüben… Noch in der Blüte seiner Jahre wurde Leuschner aus dem Leben abgerufen, denn er starb schon 1574 am Montag nach Laetare; auf dem Kirchhofe bei der Stadtkirche liegt er begraben.

Über den botanischen Garten, den Dr. Christoph Leuschner, wie oben erwähnt, im Jahre 1555 ins Leben rief, ist nach den Aufzeichnungen des Fabricius und des Ursinus folgendes zu berichten: … Viele Pflanzen waren natürlich der einheimischen Flora entnommen, viele sind jedoch auch, wie aus dem bald folgenden Pflanzenregister hervorgeht, aus weiter Ferne herbeigeschafft worden, aus Arnstadt in Thüringen, Breslau, Zürich. Padua etc., und es ist interessant, bei dieser Gelegenheit zu erfahren, mit welchen Personen Dr. Leuschner Kontakt pflegte, so mit dem gelehrten Konrad Gesner in Zürich, mit dem als Arzt und Botaniker berühmten Joachim Camerarius in Nürnberg, mit dem Italiener Mattioli , dessen Kräuterbuch 60 Auflagen erlebt hat, und mit anderen… Der schon mehrfach erwähnte Fabricius hat uns nun einen großen Dienst dadurch erwiesen, dass er am Ende seiner Annalen ein Verzeichnis der im Leuschnerschen Garten vorhandenen Pflanzen gegeben hat, wodurch wir in Stand gesetzt sind, uns ein deutliches Bild von einem solchen Garten zu machen…“  (Textquelle mit freundlicher Genehmigung des Meißner Hahnemannzentrums: Dr.Phil. Max Schmidt im Jahre 1895)

 

Pflanzen eines Apothekergartens

 

Wer sich ein originales, buntes Stück Apothekergarten des 16. Jhds. nachgestalten möchte,
findet hier die entsprechende Pflanzenauswahl! 

 
Sie stammt mit freundlicher Genehmigung des Hahnemannszentrums Meißen aus den Aufzeichnungen  des Fabricius, der in der zweiten Hälfte des 16. Jhd. getreulich die Pflanzen seines Freundes, des berühmten Arztes und Apothekers Dr. Christoph Leuschner, verzeichnet hat. So können wir uns ein deutliches Bild von einem solchen Garten machen, der für eigene Kräuterzubereitungen und zum Kennenlernen und Beobachten  heilende Pflanzen aus nah und fern enthält. Es sind Pflanzen aus den verschiedensten Lebensräumen und Gebieten (Flachland, Hügelland, Gebirge, Mittelmeerraum, aus dem Osten und für damals eine besondere Rarität: aus Nordamerika). Es sind Giftpflanzen dabei, denn ein Apotheker weiß sie in richtiger Dosierung heilend anzuwenden.

 
  • Adonis annua                      Herbstfeuerröschen
  • Allium vineale                    Weinberglauch
  • Anacyclus officinarum        Deutscher Bertram
  • Anchusa officinalis              Ochsenzunge
  • Asphodelphus albus             Weißer Affodill
  • Astragallus tragacantha        Tragant
  • Cannabis sativa                    Hanf
  • Centaurea cyanus                 Kornblume
  • Colutea arborescens             Gemeiner Blasenstrauch
  • Coronopus squamatus          Gemeiner Krähenfuß
  • Crocus sativus                      Echter Safran
  • Cuminin cyminium               Kreuzkümmel
  • Cyclamen purpurescens        Wildes Alpenveilchen
  • Doronicum pardalianches      Gämswurz
  • Gladiolus communis              Gemeine Siegwurz
  • Gladiolus illyricus                 Gladiole
  • Hedysarum coronarium         Kronen-Süßklee
  • Helichrysum stoechas           Strohblume
  • Helichrysum italicum            Italienische Strohblume (Currykraut)
  • Heliotropium europaeum       Europäische Sonnenwende
  • Hippocrep is comosa              Hufeisenklee
  • Jasmin Grandoflorum             Chinesischer Teejasmin
  • Lamium album                       Weiße Taubnessel
  • Lepidium latifolium                Breitblättrige Kresse, Pfefferkraut
  • Lilium bubliferum                   Feuerlilie
  • Lilium martagon                     Türkenbund-Lilie
  • Lithospermum officinale        Steinsame
  • Lupinus hirsutus                     Zottige Lupine
  • Lupinus lutens                        Gelbe Lupine
  • Malva verticillata                    Chin. Gemüsemalve, Krause Malve
  • Mandragora officinarum         Alraune
  • Mentha aquatica var.crispa     Wasserminze
  • Mentha pulegium                    Poleiminze
  • Morion Theophrasti                Einbeere (Dolwurtz)
  • Nerium oleander                     Gemeiner Oleander
  • Nigella sativa                          Echter Schwarzkümmel
  • Onobrychnis viciifolia            Saatesparsette
  • Orchis morio                           Gemeines Knabenkraut
  • Origanum (vel)onites              Französischer Majoran
  • Origanum dictamnus              Diktamnos (Kretamajoran)
  • Osyris alba                             Harnstrauch
  • Panicum mileaceum               Rispenhirse (Gemeine Hirse)
  • Peucedanum cervaria             Hirschwurz
  • Plantaga arenaria                   Sandwegerich
  • Portulaca oleracea                 Portulak
  • Potentilla palustris                 Blutauge
  • Rumex obtusofolia                Stumpfblättriger Ampfer
  • Ruscus aculeatus                   Stechender Mäusedorn
  • Salvia horminium                  Scharlachsalbei
  • Scolopendrium vulgare         Hirschzunge
  • Seseli libanotis                      Bergfenchel (Hirschwurz)
  • Sparganium ramosum           Igelkolben
  • Staphylea pinnata                  Pimpernuss
  • Stellaria memorum                Hain-Sternmiere (Wald-Sternmiere)
  • Stipa tenacissima                   Spartgras (Esportogras)
  • Tragopodon porrifolius         Haferwurz
  • Veratrum album                    Weißer Germer
  • Vitis labrusca                        Nördliche Fuchsrebe od. Schuyllkilltraube

 

03

Kneipp-Therapie

Kneipp-Therapie

Die Kneipp-Therapie umfasst ein neues Lebenskonzept, in dem auch Pflanzen eine wichtige Rolle einnehmen

Uiii, das ist für viele ein belebender Genuss: Raus aus dem Bett und barfuß für 3 Minuten durch das taufeuchte Gras laufen, das Kitzeln der Halme zwischen den Zehen spüren, die Erde, die Steinchen … den neuen Morgen einatmen …  „Könnte ich mein Leben nochmals leben, würde ich im Frühjahr früher und im Herbst länger barfuß gehen.“, lässt A. Robbins eine alte Frau sagen. – Ein Ratschlag den Pfarrer Sebastian Kneipp (1821-1897) seinen städtischen Anhängern bereits vor über hundert Jahren wärmstens ans Herz legte. Und nicht nur das.

Er schuf, angeregt durch persönliche Krisen, die er im tiefen Vertrauen auf eine spirituelle, Lebenssinn gebende Führung bewältigte, mit einfachen, natürlichen Mitteln ein visionäres Lebenskonzept, zu dem neben der Anwendung von Wasser und Heilpflanzen auch ein Ernährungs- und Bewegungskonzept und - weil er wusste, alles Einfache ist nicht immer ganz so einfach ;) - auch ein Ordnungskonzept gehörten.

Er wurde nicht müde, energisch zu verkünden: "Alles was wir brauchen, um gesund zu bleiben, hat uns die Natur reichlich geschenkt."  Und zwar für alle: Als Wörishofens mit Unterstützung des Gemeinderates zu einem weltbekannten Kurort ausgebaut wurde, bestand Kneipp vehement auf der Einrichtung einer karitativen Abteilung und legte Wert darauf, dass mittellose Kranke und Waisenkinder weiterhin - so wie er es immer schon hielt - kostenlos behandelt wurden.http://de.wikipedia.org/wiki/Sebastian_Kneipp
 

Wassertherapie

1. Säule, die Wassertherapie (Hydrotherapie)

"Ist Wasser für den gesunden Menschen ein vorzügliches Mittel, seine Gesundheit und Kraft zu erhalten, so ist es auch in der Krankheit das erste Heilmittel; es ist das natürlichste, einfachste und - wenn recht angewendet - das sicherste Mittel. Das Wasser ist mein bester Freund und wird es bleiben, bis ich sterbe." (Kneipp)

 

Die Wasseranwendungen werden kalt, warm oder im Wechsel verabreicht. Reflexvorgänge trainieren das gesamte Gefäßsystem und das Immunsystem. Eine vermehrte Adrenalinausschüttung belebt das vegetative Nervensystem, Kreislauf, Herztätigkeit und Stoffwechsel. Die momentane Schmerzempfindlichkeit reguliert sich.

 

Pfarrer Kneipp empfahl mehr als 100 verschiedene Anwendungen wie

Güsse 

Tipps:

Handgüsse in den Arbeitspausen bringen Balance

Gesichtsgüsse Belebung

kalte Kniegüsse bringen warme Füße und ein starkes Immunsystem

Voll- und Teilbäder

Wickel

Kompressen

Aktivitäten wie Schneelaufen in frisch gefallenem Schnee

Taulaufen am Morgen

oder, in Ermangelung einer Grasfläche, Wassertreten wie ein Storch in der Badewanne: Das kühle Wasser sollte dabei drei Viertel des Unterschenkels bedecken. Beim Schreiten das Bein jedes Mal ganz aus dem Wasser heben.

 

Kneipp rät in seinem schriftlichen Hauptwerk „Meine Wasserkur“ auch bei den Wasseranwendungen maßzuhalten: „Ich warne vor jedem zu starken und vor jedem zu häufigen Anwenden des Wassers. Der sonstige Nutzen des Heilelementes kehrt sich in Schaden, das hoffende Vertrauen des Patienten in Furcht und Entsetzen.“ 

  • Man sollte bei allen Anwendungen nie ins Frösteln kommen! Also beginnen Sie mit wenigen Sekunden und steigern Sie die Dauer von Anwendung zu Anwendung auf maximal 3 Minuten.

Lebensqualität

Kneipps Therapie führt zu mehr Lebensqualität!

 

Die Kneipp-Therapie beruht auf dem Wirkprinzip einer Reizreaktion auf äußere Einflüsse. Sie regt zur Selbstheilung an und bietet auch die Chance, auf psychische Vorgänge einzuwirken.

 

„Sie kann oder soll mit anderen medizinischen Verfahren kombiniert werden. Somit versteht sich die Kneipp-Medizin nicht als Gegensatz zur wissenschaftlichen Medizin, sondern als Ergänzung derselben. Die Kneippkur ist eine medizinische Maßnahme, die in der Regel über eine Zeitdauer von drei bis vier Wochen an einem anerkannten Kneippkurort durchgeführt wird. Sie beinhaltet die Elemente der nach Sebastian Kneipp benannten Kneipp-Medizin, vertreten durch den Kneippärztebund und wird zur Vorbeugung oder Behandlung bestehender Erkrankungen eingesetzt. Indikationen sind Herz-Kreislauferkrankungen, orthopädische Erkrankungen, Abwehrschwäche und vegetative Störungen. Einige elementare Bestandteile einer Kneippkur können auch außerhalb eines Kuraufenthalts selbstständig durchgeführt werden.“ (Quelle)

 

Über den ganzen deutschen Sprachraum verteilt

  •  gibt es Ortschaften mit Möglichkeiten zum Kneippen (sie dürfen die Bezeichnung „Kneipp-Kurort“ führen),
  •  bieten zahlreiche Kuranstalten und Hotels medizinische Hilfe, Entspannung und Lebensfreude mittels Kneipptherapie an,
  • lehren Kneippvereine mit viel Engagement die Kunst des Kneippens, damit jede/r zu Hause ohne viel Aufwand in Eigenregie in den Genuss dieses naturverbundenen Lebenskonzeptes kommen kann!

Pflanzenheilkunde bei Kneipp

 2. Säule, die Pflanzenheilkunde (Phytotherapie)
   
„Kräuter wirken so wie eine innere Kur.“ (Kneipp)

 

Als sich Sebastian Kneipp als 20jähriger, der gerne studiert hätte, aus Geldnot als Knecht in Grönenbach verdingen musste, lernte er dort den evangelisch-reformierten Ortspfarrer und Botaniker Ch. L. Koeberlin kennen, der ihn in die Pflanzenheilkunde einführte. 


Kneipp verwendet pflanzliche Heilmittel nicht nur im klassischen Sinn als Tee, Saft, Pulver, Elixier oder Salbe, sondern entwickelt in Kombination mit seiner Wassertherapie neue Formen der Anwendung, wie Kompressen, Heusackpackungen, Bädern und Inhalationen. Sie sollen durch entschlackende oder auch entspannende Wirkung den Effekt der Wasseranwendungen unterstützen. Wie er überhaupt außer seinem Wissen aus der Volksheilkunde und dem von Koeberlin vermittelten Wissen einen persönlichen Zugang zu Heilpflanzen hatte und den Wert manches „Unkrautes“, z.B. den des Ackerschachtelhalmes, erkannte. "Mit jedem Schritt und Tritt, welchen wir in der herrlichen Gottesnatur machen, begegnen wir immer wieder neuen Pflanzen, die für uns höchst nützlich und heilbringend sind." (Kneipp)

 

Sein Pflanzenwissen, das er in Hunderten von Krankenbehandlungen angewendet und weiterentwickelt hatte, formulierte er ebenfalls in seinem Buch „Meine Wasserkur“ für jedermann verständlich und nachvollziehbar, sodass das Buch beinahe in jedem Haushalt anzutreffen war, und sein Wissen auch in die Volksheilkunde einging, zum Wohle der Menschheit, wie es sein größter Wunsch war. 

 

Bewegungstherapie bei Kneipp

 

3. Säule, die Bewegungstherapie

 

Ursprünglich als Erwärmung für nachfolgende Wasseranwendungen gedacht, erkannte Kneipp bald, wie wichtig Bewegung für die Gesundheit ist, dass sie Durchblutung und Stoffwechsel anregt, die Gelenke beweglicher macht, Herz und Muskeln stärkt und Stress abbaut. Kneipp empfahl während einer Kur außer Holzhacken regelmäßiges mehrstündiges Wandern. Heute zählen neben Gymnastik die Ausdauersportarten Radfahren, Schwimmen, Walken und Joggen zur Kneipp-Therapie. 

Ernährungsschwerpunkte bei Kneipp


4. Säule, die Ernährungstherapie 
„Ich habe die feste Überzeugung, dass die Kräuter nicht nur Heilmittel, sondern auch ganz ausgezeichnete Nährmittel sind.“ (Kneipp)

Von feinen Mehlspeisen und zu viel Fleisch riet Kneipp ab. Er riet zu einer vollwertigen Kost mit Roggenbrot und Kleie, Getreide- und Milchprodukten, Gemüse, Obst und Wildpflanzen, z.B. Brennnessel. Er riet auch hier zum Maßhalten: "Wenn du merkst du hast gegessen, dann hast du schon zuviel gegessen."
Diese gesundheitsbewusste Ernährung kann  Stoffwechselstörungen wie Diabetes mellitus, Übergewicht, Arteriosklerose sowie Störungen der Verdauungsorgane vorbeugen. Er schrieb: "So lange keine durchgreifende Änderung in unserem Ernährungssystem eintritt, können die argen Schäden, an denen die Menschheit krankt, nicht behoben werden, es wird im Gegenteil noch schlechter werden."

Balance

 

5. Säule, die Ordnungstherapie bzw. neu formuliert: „Balance“

 

"Kaum ein Umstand kann schädlicher auf die Gesundheit wirken als die Lebensweise unserer Tage. Es muss ein Ausgleich gefunden werden, um die überanstrengten Nerven zu stärken; ihre Kraft zu erhalten; es muss ein Gleichgewicht hergestellt werden." (Kneipp)

Ja, ohne „Balance“ kracht alles zusammen! - Gelassenheit und innere Ruhe werden durch einen geregelten Rhythmus von Spannung und Entspannung wieder hergestellt. Neben der körperlichen soll auch die seelische Belastbarkeit durch eine Neubestimmung der eigenen Einstellung zu existenziellen Fragen verbessert werden. Der Mensch lernt, wieder mehr auf seine innere Uhr zu hören, um Burnouts zu verhindern.

Ergänzend zu therapeutischen Gesprächen empfahl Kneipp Atemübungen, maßvolle Luft- und Sonnenbäder und Spaziergänge in der Natur. Heute werden in Kneipp-Kuranstalten vielfach auch Entspannungsübungen wie Autogenes Training und Yoga angeboten.

Gesundheit
bekommt man nicht im Handel,
sondern durch den Lebenswandel.

                                  (Kneipp)

04

Anthroposophische Medizin

Anthroposophische Medizin

Der österreichische Philosoph Dr. Rudolf Steiner, 1861-1925, ein „ideenstrahlendes Energiekraftwerk für sich und andere“, gab auf Grundlage der von ihm entwickelten Anthroposophie prägende Impulse für verschiedene Lebensbereiche wie etwa Pädagogik (Waldorfpädagogik, Camphill), Kunst (Eurythmie, Anthroposophische Architektur, Farbenlehre), Religion (Christengemeinschaft) und Landwirtschaft (Biologisch-dynamische Landwirtschaft) und Medizin.

Zusammen mit der jungen Ärztin Ita Wegman gründete er die Anthroposophische Medizin, die den Menschen als Einheit von Leib, Seele und Geist in Beziehung zu den Kräften in Natur und Kosmos wahrnimmt.

Krankheiten entstehen aus einem Ungleichgewicht von vier, den Menschen prägenden Wesensgliedern:

Physischer Leib (unbelebte, mineralische Grundlage, die den Gesetzen der Physik gehorcht)
Ätherleib (Grundlage aller lebendigen Wesen. Die Erkenntnis des Ätherischen wird „Imagination“ genannt.)
Astralleib (Grundlage des Empfindens und der Seele bei Mensch und Tier)
Ich-Organisation (Grundlage des individuellen Geistes)

Die anthroposophische Medizin versteht sich nicht als Gegensatz zur naturwissenschaftlichen Medizin, sondern als deren geisteswissenschaftliche Erweiterung.

Anthroposophische Ärzte lehnen daher Standard-Therapien nicht ab, sondern versuchen sie durch spezielle Methoden (z.B. Heileurythmie) und durch Arzneimittel aus pflanzlichen, tierischen und mineralischen Substanzen zu ergänzen. Diese Heilmittel wirken nicht so sehr durch ihre Inhaltsstoffe als durch ihre Wesensart und die sie kennzeichnende Dynamik. Die bekannteste Heilpflanze der anthroposophischen Medizin ist die Mistel (Misteltherapie bei Krebserkrankungen).

Es wurden anthroposophische Kliniken errichtet und spezielle Pflegeformen, Arzneimittel, Diät- und Pflegemittel auf anthroposophischer Grundlage entwickelt und vermarktet, darunter viele homöopathische Präparate, aber auch sogenannte Kompositionen.

Die Heilungssuchenden wurden auch in Kontakt gebracht mit Kunsttherapie und Meditationen, die aus Steiners Auseinandersetzung

mit Goethe (Philosophie, Farbenlehre)

mit dem Gedankengut der Rosenkreuzer (Wie oben so unten; wie innen, so außen…)

mit Weisheitswegen Indiens (Chakrenlehre) und Europas (Jesus Christus)

erwuchsen.

Rudolf Steiner gab Medidationsanleitungen, wie sie heute allen geläufig sind, die sich mit Chakren beschäftigen:  „Sich konzentrieren auf eine Linie, welche durch den Körper geht … Die Linie geht nicht durch das Rückenmark, sondern etwas vor demselben durch den Körper.“  Oder, wunderbar ausgedrückt: „Manchmal wächst in aller Stille während ganz kurzer Zeit die Seele ungeheuer rasch. Man könnte sagen: Es bedarf zur Entwicklung gar nicht der Zeit, sondern nur der tiefinnerlichen Ruhe.“

Anthroposophie definierte R. Steiner selbst so: „Nicht ‚Weisheit vom Menschen’  ist die richtige Interpretation des Wortes Anthroposophie, sondern ‚Bewusstsein seines Menschentums’.“ Und: „Anthroposophie ist ein Erkenntnisweg, der das Geistige im Menschenwesen zum Geistigen im Weltall führen möchte.“ 

Meditation, Selbsterziehung, Beobachtung der Erscheinungen und praktizierendes Mitgefühl sind die Wegweiser dazu. (Quelle aller Zitate)

Das entspricht einer Weisheit, die uns Menschen untereinander in unserem Menschsein verbindet und immer schon verbunden hat.

Eine Weisheit Buddhas, christlicher MystikerInnen (Angelus Silesius, Teresa von Avila, Meister Eckhart) und der Menschen, die Natur meditativ erleben.  Meister Eckhart drückte sich im Jahre 1300 wie folgt aus: „Im Seelengrund ist die Gottheit stets unmittelbar anwesend."  „Einem anderen, der auf eine andere Weise lebt, die eigene Weise aufzudrängen, ist verkehrt, vielmehr soll jeder in seiner Weise das Gute aller Weisen finden.“
 

(Text von Rosa in memoriam Dr. Hans Radeke, 1915 – 1962, der sich während seines Medizinstudiums in Heidelberg mit Rudolf Steiners Gedankengut auseinandergesetzt hatte. Nach Abschluss seines Studiums warteten allerdings Arbeitsdienst (Versuch der Trockenlegung des Moores bei Kochel) und fünf Jahre Krieg (Norwegen, Balkan) auf ihn. Todkrank, aber seelisch nicht gebrochen, kehrte er in einem langen Fußmarsch zurück. Im 47. Lebensjahr verstarb er an seinen aus dem Krieg mitgebrachten Leiden. Auf dem Grabstein ist ein Gaspara Stampa-Zitat eingemeißelt: „Vivere ardendo e non sentire il male.“ ( Glühend leben und das Böse nicht fühlen - bzw.:  Intensiv leben und immun sein gegen das Schlechte.)

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Chakrenarbeit

Chakrenarbeit

 

Chakrenarbeit

Die Eigenarbeit an den Chakren ist ein wunderbarer möglicher Weg zu Klärung, Energetisierung oder auch zur Entspannung von Körper, Geist und Seele, der von   j e d e r /m   gegangen werden kann.  -  Er beginnt mit dem ersten Schritt und endet … ? Nicht nur Rudolf Steiner ging und empfahl ihn, sondern ebenso, und zwar weltumspannend, früher und heute, viele Menschen, auch christliche ;)

Manchmal braucht man/frau vielleicht zur Sicherheit bzw. Orientierung und auch zur positiven Verstärkung integere WegführerInnen, wie Dr.Astrid Kröll wie wiiewieDr. Sie spricht von „Selbsthilfetechnik“  und „Energielenkung“ und meint dazu: „Die Überprüfung durch den Alltag sollte dieses Wissen ebenfalls überstehen, denn wenn das nicht so ist, leben wir in einer Phantasiewelt.“

 

Rosen-Meditation

 

Rosen-Meditation

 

Wähle intuitiv eines der sieben - unterhalb des Textes abgebildeten - Rosen-Kreisbilder (Chakrenspiralen)

… lass dir dabei Zeit ...

entscheide dich aber für 1 bestimmtes Rosen-Kreisbild, das dich momentan anspricht.

 

 

Um die Meditation zu beginnen, klicke auf das ausgewählte Bild, damit es sich vergrößert. 

 Achte auf deine Atmung …

*
Die Augen folgen den Linien des Bildes -

versenke dich dabei in dein Kreisbild - 

das deine Gedanken aufnimmt - 

das deine Gefühle aufnimmt -

lasse dich selbst vom Spiralsog mitnehmen …

*

Mache nun drei tiefe Atemzüge mit Bauchatmung.

Schließe das Bild.
Strecke dich.
Du bist wieder da.


 

  • Wenn du mehr über dein ausgewähltes Kreisbild (Rosenspiralen) erfahren möchtest, dann ist die wildfind-Chakren-Tabelle für dich aufstöbernswert ;)

Wildfind-Chakren-Tabelle

 

Wildfind-Chakren-Tabelle

 

Diese Tabelle nennt die einzelnen Hauptchakren mit ihrer deutschen Bezeichnung. Ihnen zugeordnet werden die entsprechenden Qualitäten des menschlichen Lebens im geistigen und körperlichen Bereich (Organe, Drüsen und Hormone) und mögliche Erkrankungen. 

Womit Chakren gestärkt werden können, wird unter „Farbe, Düfte, Pflanzen“ aufgezählt!

Quellen:
Sharamon und Baginski: Das Chakra-Handbuch
Samel, Krähmer: Heilessenzen & Aromaöle 
Elias Wolf: Das Buch der 28 Chakren
http://www.doc-nature.com/neutral-ebooks-bachblueten.php
eigenes Erfahren und Wissen

Was sind „Chakren“ eigentlich?

 

Was sind „Chakren“ eigentlich?

Chakren (altindisch: Rad)  sind im Verständnis des fernen Ostens Lebensenergiezentren und Weisheitsträger im Astralkörper (Energieleib) des Menschen, ähnlich wie ihn die europäische anthroposophische Medizinhttp://de.wikipedia.org/wiki/Anthroposophische_Medizin als ätherischen Leib für alle Lebewesen, für Mensch, Tier und Pflanze, kennt.

Sie sind pulsierende Knotenpunkte, in denen Seelisches und Körperliches sich durchdringen und Energie jeglicher Art verteilen. Die übersinnliche Erkenntnis dieses Ätherischen wird „Imagination“ genannt und von einzelnen Menschen auch optisch als Aura wahrgenommen und mitgeteilt.

 

Darstellungen von Chakren

In verschiedenen Kulturen berichten alte und neue bildnerische Darstellungen von Heiligenscheinen, von Aureolen und der Mandorla über die Wahrnehmung dieser besonderen Aura. In der östlichen Chakren-Lehre werden die einzelnen Chakren oft durch eine Lotusblüte symbolisiert. Der Lotusblüte entspricht in Europa die Rose in ihrer meditativen Bedeutung. „In dir, du Weltenbuchstabe, erschaue ich des Geistes siebenfach Wirken in sieben Rosensternen.“, formulierte sinnhaft  R. Steiner.  - Als Zeichen unserer individualistischen und weltweit doch gemeinsamen Menschennatur entwickelten zur Zeit der Rosenblüte in Europa eine Frau und ein Mann gemeinsam das oben abgebildete Meditationsbild, das die Hauptchakren in ihren traditionellen Farben, aber durch die natürliche Spirale der Rose symbolisiert. Diese verdeutlicht die Lebensenergie besonders intensiv.  

 

 Angenommener Sitz der Chakren:

Laut Arthur Avalonhttp://de.wikipedia.org/wiki/John_Woodroffe befinden sich die 7 Hauptchakren der Wirbelsäule von deren Basis dem Rückenmark bis zum Scheitelpunkt folgend stets in unmittelbarer Nähe von Nerven und wichtigen Organen.  

 

Der Name des Chakras erklärt, welches körperliche Organ sich in seiner unmittelbare Nähe befindet:

Siebtes Chakra: Kronen- bzw. Scheitelchakra 

Sechstes Chakra: Stirnchakra bzw. Drittes Auge 

Fünftes Chakra: Halschakra 

Viertes Chakra: Herzchakra 

Drittes Chakra: Nabel- bzw.  Solarplexuschakra 

Zweites Chakra: Sakral- bzw. Sexualchakra 

Erstes Chakra: Basis- bzw. Wurzelchakra

 

Untereinander sind Chakren durch subtile Energiekanäle (Nadis, Meridiane) verbunden, was erklärt, dass ein Chakra jeweils auch über das mit ihm verbundene gereinigt und aktiviert werden kann.

Sich entsprechend verbunden sind: 
das 1. Chakra (Basis-Chakra) und das 7. Chakra (Scheitel-Chakra)
das 2. Chakra (Sakral-Chakra) und das 6. Chakra (Stirn-Chakra)
das 3. Chakra (Solarplexus-Chakra) und das 5. Chakra (Hals-Chakra)
Das 4. Chakra (Herz-Chakra) verbindet die 3 unteren mit den 3 oberen Chakren. Es bildet als mentales Herz mit seiner pulsierenden, mitfühlenden Lebenskraft das Zentrum.
 

Aktivierung von Chakren

In der zeitlichen Entwicklungsabfolge eines Menschen wird ausgehend vom Basis-Chakra der Schwerpunkt jeweils für 7 Jahre auf ein Chakra gelegt, so dass mit 49 Jahren ein Hauptzyklus beendet ist. Während der 7 Jahre des bestimmenden Einflusses eines Hauptchakras wirken zusätzlich die übrigen Chakren im Jahreswechsel mit.  

In der wildfind-Chakren-Tabelle kann die Wirkung jedes der Hauptchakren herausgelesen werden, ebenso, womit es gestärkt werden kann. 

 

Weitere Tipps zur Aktivierung der Chakren, um ein harmonisches Gleichgewicht zu erreichen und sich wohl zu fühlen:

  •  Kleidung und Umgebung vorübergehend mit einer ausgewählten Chakra-Farbe akzentuieren
  • Geeigneten Duft für die Raumatmosphäre, als Badezusatz, in Parfums und Kosmetikprodukten  verwenden
  • Heilkräuter der Wildfind-Tabelle zu sich nehmen
  • Entsprechende Edelsteine verwenden
  • Chakren-Massagen
  • Vokaltöne, Mantras singen
  • geeignete Yogaübungen machen
  • Strömen
  • Klangschalen-Therapie
  • Räucherungen zur Reinigung und Aktivierung vornehmen, auch vor Meditationen (Ersatz: Aromalampe)
  • Meditationen (Pflanzen-, Farb- und Chakren-Meditationen) 
  • Anlegen eines Chakren-Gartens in Form eines Wirbels oder einer Kreises:
    • Pflanzen in den jeweiligen Chakren-Farben nehmen! :)
      • Das grüne Herz-Chakra bildet das Zentrum, errichtet mit einer Sitzfläche oder Liegefläche, eventuell versehen mit einem schattenspendenden Pavillon aus grünender Weide.
        Falls ein Pavillon aus Weide nicht machbar ist, ist eine Gartenlaube mit kletterndem Efeu ein schöner Ersatz dafür, denn Efeu steht für Herz und für Liebesverbundenheit über den physikalischen Tod hinaus. 
        Als begehbares Grün eignen sich manche Thymianarten (Quendel), Herniaria glabra 'Serpyllifolia', Breitwegerich,  Sternmoos u.a.

 

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Zur Entwicklung der europäischen Pflanzenheilkunde

Zur Entwicklung der europäischen Pflanzenheilkunde

wildfind bemüht sich, mit vielen Schritten die Wege zu finden, die die Entwicklung der europäischen Pflanzenheilkunde mit ihren unterschiedlichen Möglichkeiten des Heilens aufzeigen: Vom Kräuterwissen der weisen Frauen und Männer bis zur modernen Phytotherapie! Diese Vielfalt spiegelt sich auch in den Kräuterrezepten von wildfind, die bei den einzelnen Pflanzenportraits vermerkt sind.

Beachtenswert ist,  dass sich das Wesentliche der mündlich und schriftlich tradierter Pflanzenbotschaft der europäischen Heilkunde mit jener anderer  Kulturkreise - indische, chinesische, tibetanische, arabische, indianische - und der indigenen Völker deckt:

  • Es gibt eine starke Kraft der Heilung, die allerdings auf persönliche Bereitschaft angewiesen ist.
  • Die Heilkraft von Pflanzen begleitet Mensch und Tier auf dem Weg zur Gesundung.
  • Sie mahnt den Menschen zu Selbstarbeit, Mäßigung, vernünftiger Lebensführung, Gelassenheit und stärkt die Zuversicht, dass erneut ein Frühling kommen wird.
  • Sie schenkt herzerwärmende Freude.

Spuren des Kräuterwissens finden sich:

  • in archäologischen Pflanzenfunden aus der Ur- und Frühgeschichte 
  • in den mündlich tradierten und später aufgeschriebenen Sagen und Mythen
  • in schriftlichen Aufzeichnungen antiker Hochkulturen
  • in der Volksmedizin
  • in der Klostermedizin
  • in der Alchemie
  • bei den „Vätern der Botanik“
  • den Erneuerern der Pflanzenheilkunde
  • in der Schulmedizin, die bis zu Beginn des 20. Jhds. zum Großteil Heilpflanzen verwendete
  • in der aktuellen Schulmedizin
  • in den aktuellen Ergebnissen der Phytotherapie
  • in den Sammlungen über TEM (Traditionelle Europäische Medizin)
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Archäologische Heilpflanzenfunde der Ur- und Frühgeschichte

Archäologische Heilpflanzenfunde der Ur- und Frühgeschichte

Auf Heilpflanzenwissen des Cro-Magnon-Menschen (40 000 – 10 000 v. Chr.), von dem die meisten Europäer abstammen, lassen dessen gelungenen Schädeloperationen schließen. Wie bei Ausgrabungen entdeckt, überlebten 70% der gefundenen Operierten! Diese Operationen erfordern Mittel zur Betäubung,  Desinfektion, Blutstillung und Wundheilung, was Rückschlüsse auf eine Verwendung von Heilpflanzen zulässt.

Eine berührende Entdeckung machte man im Grab Kind von Lagar Velho(Portugal): Das fast vollständig erhaltene Skelett des etwa vier Jahre alten Kindes war vor ca. 25.000 Jahren in einem Bett aus verbrannten Kiefernzweigen und bedeckt mit rotem Ocker bestattet worden.   Dieser schöne Ritus zeigt, dass die Menschen über die konservierenden und desinfizierenden Fähigkeiten der Holzkohle Bescheid wussten - und über die belebende Kraft der Symbolfarbe Rot.

Auch ÖTZI, der 5 300 Jahre alte Mann vom 3210 m hohen Hauslabjoch, trug Pflanzenmedizin bei sich: antibiotisch wirksame Birkenporlinge!

Weitere Pflanzenfunde aus der Steinzeit sind Labkraut, Brennnessel, Spitzwegerich, Schlafmohn, Beifuß, Vogelknöterich, Holunder, Eisenkraut… 

 

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Uralte Mythen über weise Frauen und Männer - Hexenwahn

Uralte Mythen über weise Frauen und Männer - Hexenwahn

Mythen aus uralten Zeiten zeigen,

  • dass die Kraft, die durch bestimmte Pflanzen wirkt, die Wunden heilt, Blutungen und Schmerzen stillt, bei einer Geburt hilft, entgiftet oder das Bewusstsein verändert und, vorallem, existentiell sättigt, als etwas Göttliches erkannt, respektiert, verehrt und angefleht wurde.
  • dass Pflanzen auch gezielt verwendet wurden, um sich in einen gottverbundenen Zustand zu versetzen, um tieferes Wissen zu erahnen oder zu erfahren. „In den Kräutern ist die ganze Kraft der Welt. Derjenige, der ihre geheimen Fähigkeiten kennt, der ist allmächtig.“ (Vedische Weisheit) Aus diesen Gründen waren kundige Frauen und Männer auch in Europa einerseits geachtet, aber auch gefürchtet. Man bediente sich ihrer, benutzte sie als Sündenböcke und stieß sie in die Verachtung. 
  • dass Pflanzen mit besonderer Ausstrahlung und Wirkung  bestimmten Gottheiten zugeordnet und mit Tabus belegt wurden. Sie durften nicht gefällt oder nur unter vorgeschriebenen Maßnahmen gesammelt werden, denn die Gottheit der Pflanze ist es, die heilt oder straft. Mythen und Sagen aus der europäischen Jungsteinzeit, der mittel- und nordeuropäischen Bronzezeit,  der mittel- und nordeuropäischen Eisenzeit und aus dem antiken Griechenland und Rom erzählen, sagen davon. 

Frau Holle - Pflanzenmythos mit Wurzeln in der Jungsteinzeit

Frau Holle: Pflanzen-Mythos mit Wurzeln in der Jungsteinzeit 

Aus der Jungsteinzeit stammt nach Meinung der Philosophin H. Göttner-Abendroth die Gestalt der allseits bekannten Frau Holle, der „Huldvollen“, und der Historiker K. Kollmann meint über diese Märchenfigur, „ dass Frau Holle keine Spukgestalt und kein Vegetationsdämon ist, sondern die regionale Verkörperung einer uralten weiblichen Erdgottheit (Magna Mater), wie man sie fast überall auf der Welt unter den verschiedensten Namen verehrt hat.“

Wertvolle Zeuginnen dieser Zeit sind im deutschsprachigen Raum die vor kurzem gefundene „Venus vom Hohlen Fels“ und die berühmte Venus von Willendorf

  • Zu den uralten weiblichen Gottheiten zählt auch die nordgermanische Erdmutter Jord, die den Namen Hloðyn (Hludana) trägt und unter diesem Namen als Beschützerin des Hauses und des Herdes galt, gleich wie in Mitteleuropa Frau Holle oder, wie sie auch genannt wird, die Hulda, Holda, Holla.

Frau Holla lebt in Märchen und Sagen weiter. 

Der Volksmund kennt sie noch als Erd- und Himmelsgöttin, die als Hüterin des Totenreiches und gleichzeitig als Göttin der Fruchtbarkeit sowohl unter der Erde als auch im Himmel ihr Reich hat. Den Eingang zu ihrer Anderswelt findet man entweder beim Holunderbusch oder durch den Hollabrunnen. Auch dieser Brunnen zeigt Frau Holle als Fruchtbarkeitsgöttin, denn sie schenkt den Frauen, die darin baden, die ersehnten Kinder. 

Als Herrin der Jahreszeiten und des Wetters sorgt sie für die Fruchtbarkeit der Erde. Holla gilt alsVerursacherin von Sonnenschein, wenn sie ihr langes, goldenes Haar kämmt, von Regen, wenn sie ihr Waschwasser ausschüttet, von Nebel, wenn sie Feuer macht und kocht, von Schnee, wenn sie … na, Sie wissen es eh schon! ;)

Das Lied von der Erdenmutter, das die Kinder gerne singen, erzählt von ihr als Verusacherin der vier Jahreszeiten: 

Es war eine Mutter, die hatte vier Kinder:
den Frühling, den Sommer, den Herbst und den Winter.
Der Frühling bringt Blumen, der Sommer bringt Klee,
der Herbst, der bringt Trauben, der Winter den Schnee.
Und wie sie sich schwingen im Jahresreihn,
so tanzen und singen wir fröhlich darein. 

Als Schutz- und Heilungsgöttin   sorgte Frau Holle im Holunder wohnend für die Menschen: Sie weiß Bescheid über die Zeit, über die Entwicklungsschritte des Menschen, über Leben und Tod. Solange wenig Platz im christlichen Himmel war, durften als Trost für die Familie die Seelen der verstorbenen, ungetauften Kinder in ihren mütterlichen Gefilden  glücklich sein und mit den Elfen spielen. Manchmal, wenn die Welt ihren Atem anhält, hört man sie beim Holunder kichern  ;)  Dieser Baum hat auf den ersten Blick so gar nichts „Göttliches“ an sich. Er ist eher kleinwüchsig, ein "Klein-Baum" eben, oder, wenn er mehrstämmig wächst, ein "Groß-Strauch". Er ist jedenfalls eine  geheimnisvolle Pflanze, die von Frau Holle mit Heilkraft und Wissen gesegnet wurde. Die Menschen Mitteleuropas erkannten schon vor Jahrtausenden das Besondere an ihm: Für sie manifestierte sich Frau Holle als  dreigestaltige Magna Mater, Haus, Hof und Menschen beschützend, in ihm:
Von ihm lasen sie im Frühling, wenn sich das erste Grün in seinem scheinbar toten Geäst wieder regte, das wiedergeborene Leben, die „junge Göttin“, ab, die sich bald in einer weißen, lichten Blütenwolke zeigte, vielen kleinen freundlichen Geistern Wohnung bietet und blütenduftend sonnigwarme Heilkraft schenkte. Heilkraft, die gut für die kalte Winterszeit aufbewahrt werden kann!
Im Spätsommer erkannten die Menschen in den violett-schwarzen, schwer hängenden Beerendolden die „reife Göttin“. Und wieder schenkt sie beispielhaft Nahrung und Heilkraft für ihre Freunde und Freundinnen, die Vögel und die Menschen.
Hat sie ihren Auftrag erfüllt, zieht sie sich von sich aus (was Balder erst schmerzhaft lernen musste), als „weise Göttin“ in die Anderswelt zurück. Nicht, ohne erkennbare Hinweise auf nach dem Winter (Tod) wieder erwachendes Leben auf ihrer groben, runzeligen Baumgestalt zurückzulassen: kleine, harte, braune Knospen…

Wundern Sie sich, dass dieser Kleinbaum mit einem Tabu belegt und nicht gefällt werden durfte? Dass die Zeit nach der Wintersonnenwende Frau Holla geweiht war, bei einer Totenwache Holundertee getrunken und Holunder auf Gräber gepflanzt wurde?
Dazu Eduard Mörike in seinem „Kinderlied für Agnes“:
Dort an der Kirchhofmauer,
da sitz' ich auf der Lauer,
da sitz' ich gar zu gern;
es regt sich im Holunder,
es regnet mir herunter
Rosin' and Mandelkern.

Freya, Odin, Donar, Baldur und Hödur: Pflanzen in Mythen aus der Bronzezeit

Pflanzen in Mythen aus der Bronzezeit

In den nordischen Sagenkreisen um Freya, Odin, Donar, Balder und Hädur spielen den Göttern und Göttinnen zugedachte Pflanzen eine große Rolle. Sie sind Ausdruck ihrer Persönlichkeit, Auslöser von persönlichen Entwicklungen und Erkenntnissen. In ihnen manifestieren sich gesellschaftliche Ordnung und Weltanschauung.
 

Kelten - Pflanzen in Mythen der Eisenzeit

Für die Kelten war die Natur beseelt mit vielen Wesen, die in Kontakt mit den Menschen standen. Ihre spirituellen Versammlungsorte waren die Wälder, ganz besonders die Eichenwälder. Die Ausbildung zum keltischen Druiden, der einem Priester und Heilkundigen gleichkam, einer Kombination, der man sowohl bei den antiken, als auch bei indigenen und modernen Völkern öfters begegnet, dauerte rund 20 Jahre. „In dieser Zeit lebten die Schüler mit ihrem Lehrer im Wald. Dort wurde ihnen das Wissen über die Natur und die Schöpfung gelehrt.“ („Bäume - Das Haarkleid der Erde“ v. R. Sommer)

 

Haselnussstrauch
Die Druiden und Druidinnen weihten die Hasel Brigid, ihrer „Weißen Göttin“, und verbanden mit ihr den Wunsch nach Weisheit und Wahrsagung. Sie glaubten, dass zwischen den Zweigen der Haselnuss der Schlüssel zur Anderswelt zu finden sei. Auch bei den Germanen, die später einen Großteil der keltischen Kultur übernahmen, stand „Frau Haselin“ so hoch in Ehren, dass sie nicht gefällt werden durfte. Mit den Kelten verband sie der der Hasel zugedachte Symbolgehalt. Sie war ihnen Symbol für Lebens- und Liebesfruchtbarkeit, Unsterblichkeit, Frühling, glückhaften Beginn und Wunscherfüllung. – Ein Beispiel, wie lange mythologische Vorstellungen im Volk lebendig bleiben, bietet der noch mancherorts praktizierte englische Hochzeitsbrauch, der Braut ein Körbchen mit Haselnüssen zu schenken!  

 

Vogelbeere 
Mit Hecken aus ineinander geflochtenen Vogelbeerbäumen, denen sie eine besondere Schutzwirkung zusprachen, umgaben die Kelten ihre heiligen Stätten, Orakel- und Richtplätze, …  und in Irland gilt die Vogelbeere auch heute noch als Schutzbaum gegen Blitzschlag und Hexenzauber. Weitere beliebte Heilpflanzen der Kelten waren  Eisenkraut, Waldmeister, Alraune, Baldrian, Mädesüß und Mistel.

 

Mistel
Die Mistel, die immergrün in harmonischer Kugelform zwischen Himmel und Erde Schwebende, war ebenfalls der  Weißen Göttin geweiht. In seiner „Naturalis historia“ schreibt Plinius d. Ältere, der dazu Berichte des Poseidonios (80 v. Chr.) nutzte, über Ernte und Wirkung der Mistel bei den Kelten:
Denn nichts ist den Druiden – so nennen sie ihre Magier – heiliger als die Mistel und der Baum, auf dem sie wächst, sofern es nur eine Eiche ist. Schon deswegen wählen sie Eichenhaine und vollziehen kein Opfer ohne Eichenlaub  … 
Sie meinen wahrhaftig, dass alles, was auf jenen Bäumen wächst, vom Himmel gesandt und ein Zeichen des von Gott selbst erwählten Baumes sei. Eine solche Mistel wird aber selten entdeckt und wird, wenn gefunden, mit großer Feierlichkeit geholt ... Sie bezeichnen sie mit einem Wort ihrer Sprache als "Allheiler". Nachdem man das Opfer und das Festmahl unter dem Baum nach feierlichem Brauch vorbereitet hat, führen sie zwei weiße Stiere herbei, deren Hörner dann zum ersten Mal bekränzt werden dürfen. Ein Priester in weißem Gewand besteigt den Baum und schneidet die Mistel mit einer goldenen Sichel ab. In einem weißen Leinentuch wird sie aufgefangen.  Dann schlachten sie alsbald die Opfertiere und beten, der Gott möge die Gabe denen zum Segen gereichen lassen, denen er sie gab. Sie glauben, dass durch einen Trunk davon jedem unfruchtbaren Lebewesen Fruchtbarkeit verliehen werde und dass es ein Heilmittel gegen alle Gifte sei. "

 

Wasserminze 
Die Wasserminze verbindet für die Druiden das befruchtende, sich ständig ändernde und doch gleich bleibende Element, das Wasser, mit der Mutter Erde auf sichtbare Weise! Und duftet und heilt. Sicher beobachteten sie auch ihre Ausbreitung, die sowohl mittels der im Wasser schwimmenden Samen (Hydrochorie) erfolgt, als auch über ober- und unterirdische Ausläufer.

 

Echtes Mädesüß

Den Druiden galt das Echte Mädesüß - zusammen mit Wasserminze, Mistel und Eisenkraut - als heilige Pflanze. 

 

Pflanzen griechischer und römischer Gottheiten. Hexenwesen.

Die Wege der Weisheitsfindung des antiken Griechenlands und des Römischen Reiches wurden von Mythen begleitet, in denen auch Pflanzen Bedeutung zugesprochen wurde. Pflanzen griechischer und römischer Gottheiten spielten in Kult und Religion und im Erkennen von Hexen eine wichtige Rolle. Viele dieser Pflanzen leben als Marienpflanzen weiter.

Aus der GRIECHISCHEN ANTIKE berichten uns Sagen über Göttinnen, Götter und Heroen und ihre bevorzugten Pflanzen und über in Pflanzen verwandelte Nymphen und mythologische Personen.

Es gab heilige Pflanzen, die folgenden Gottheiten geweiht waren: 

Hekate  -  vor allem Alraune, Eisenhut, Safran, Poleiminze, Schwarzer Nachtschatten, Schwarzkümmel, Affodil, Mohrenpfeffer

Artemis  -  Wermut, Beifuß, Fichte, Zypresse

Demeter  -  Getreide, Mohn, Feigenbaum

Persephone  -  Mohn

Hera  -  Granatapfel, Keuschlamm (= Mönchspfeffer)

Athene  -  Olivenbaum

Aphrodite -  Rose, Linde, Apfel, Myrte, Kreta-Dost, Oregano, Rosmarin, Anemone, Zypresse, Granatapfel, Spargel, Walnussgrüne Mohnkapsel

Iris  -  Schwertlilien

Apollon  -  Lorbeer

Dionysos  -  Efeu, Weinrebe

Herakles  -  Silberpappel

Hades  -  Silberpappel

Bei Festen zu Ehren einer dieser Gottheiten kamen die ihr zugeordneten Pflanzen zum Einsatz: Sie wurden geopfert, geräuchert, gegessen und  getrunken, dienten auch als Raumschmuck und Körperschmuck. 

Gerne wurden aus symbolträchtigen Pflanzen Kränze als Kopfschmuck  gewunden. Dafür eigneten sich weich-schlingende Zweige, die dann zusätzlich mit passenden Pflanzen ausgeschmückt wurden.

Je nach Vorhaben verwendete man Efeu, Weinreben, Keuschlamm, Rosmarin, Rosen, Myrten-, Pappel- und Lorbeerzweige, Mohnblüten und Mohnkapseln, Ähren und, wie allgemein bekannt, Olivenzweige.  Der Siegeskranz, der bei den Olympischen Spielen den Siegern verliehen wurde, wurde aus Zweigen des wilden Ölbaums gewunden.

 

DIE  RÖMER übernahmen die meisten der griechischen Gottheiten (Iris fehlt) und Heroen mitsamt deren Attributen. Lediglich ihre Namen wurden geändert, bis auf den der Hekate: Artemis = Diana,  Demeter = Ceres,  Persephone = Prosperina,  Hera = Juno,  Zeus = Jupiter,  Athene = Minerva,  Aphrodite = Venus,  Herakles = Herkules,  Dionysos = Bacchus,  Hades = Pluto …

Von großer religiöser und politischer Bedeutung war bei den Römern eine Gruppe heiliger immergrüner, wohlriechender Pflanzen, die als Verbena und auch als Sagmina  bezeichnet wurde.  Die wichtigste daraus war der Rosmarin. Auch Lorbeer, Olive und Myrte zählten dazu.  Mehr dazu  h i e r .


 

HEXENWESEN


Der Glaube an ein Schaden bringendes Wirken von Hexen reicht bis in die römische Antike zurück und blieb in verschiedenen Ausformungen über Jahrtausende auch im deutschsprachigen Raum erhalten. Bestimmte Göttinnen, vor allem Hekate, Artemis – Diana, Kirke, Freya und ihre heiligen Pflanzen wurden im Laufe der Jahrhunderte verunglimpft und beinahe jede/r, die / der mit Pflanzen hantierte, machte sich verdächtig, mit dem Bösen im Bunde zu stehen… 

Mehr dazu erfahren Sie in folgenden Artikeln:

 

 

 

Asklepios, der Psychologe in der Heilkunst

„Zuerst das Wort – dann die Pflanze – zuletzt das Messer!“ Dieser Ausspruch wird dem griechischen Gott der Heilkunst „Asklepios“ ("Aesculapius", „Äskulap“), Sohn des Apolls und der Koronis, als Leitspruch zugedacht. Wie Ausgrabungen von Asklepios-Kultstätten und - Kuranstalten zeigen, handelten seine heilenden Priester nach diesem Grundsatz und maßen der tiefenpsychologischen Aufarbeitung von Träumen, Problemlösungen durch Gespräche, Besuchen von Theater- und Musikaufführungen und von sportlichen Wettkämpfen, die zu Ehren seines Göttervaters Apoll veranstaltet wurden, große Bedeutung zu. Es wurde neben der medizinischen Behandlung für Entspannung und Heiterkeit gesorgt, um dem kranken Menschen eine ganzheitliche Heilungschance zu geben.

Der Ablauf der Therapie der Heilungssuchenden war mit großem psychologischen Verständnis für den Menschen erstellt. Sie erforderte die persönliche Mitarbeit des bzw. der Erkrankten und förderte den tiefen Wunsch, gesund zu werden:

  1. Am Beginn stand die kultische Reinigung der kranken Person an einem der zahlreichen Brunnen bzw. im Brunnenhaus. Mit einem Opfer an den Vater des Asklepios, an Apollon, der neben zahlreichen Götterämtern auch für Heilung zuständig war, wird um dessen Unterstützung gebeten.
  2. Dem / Der Erkrankten wird für seinen Heilschlaf ein Platz im Schlafsaal zugewiesen und ein Schlaftrunk (Geheimrezept der Priester) verabreicht, um im Traum durch den Gott Asklepios selbst zu erfahren, welche Heilmethode für ihn / sie die beste wäre.
  3. Es folgen Gespräche mit einem Arzt-Priester über die anzuwendenden Heilverfahren. Dabei konnte es sich um Bäderkuren, Entspannungskuren, aber auch um operative oder medikamentöse Verfahren, die an Ort und Stelle angeboten und genutzt wurden, handeln. Heilpflanzen waren da immer ein wichtiger Bestandteil!
  4. Für den Zeitraum der Behandlung bezog der / die Patientin ein Zimmer im Gästehaus und hatte die Möglichkeit zusätzlich zu den Behandlungen das kulturelle Angebot und die Bibliothek zu nutzen.

Die größte dieser „Kuranstalten mit angeschlossener Klinik“ kann in Epidauros (Griechenland, Peloponnes) heute noch besichtigt und bei Theateraufführungen und Konzerten im  bestens erhaltenen Amphitheater, das 14.000 Besuchern fasst, erlebt werden. Epidauros war ca. 1000 Jahr lang in Betrieb, bis 500 n. Chr., was auf eine hohe Erfolgsquote schließen lässt! -

 

Reste eines großen Heiligtums des Asklepios aus dem 4. Jh. v. Chr. können in Butrint, Albanien, besichtigt werden. 


Auf der griechischen Insel Kos liegt mit Blick auf Kleinasien in tiefem Grün eingebettet das weltberühmte „Asklepieion von Kos“, das älteste Krankenhaus der Welt. Es soll von Hippokrates, dem berühmtesten Arzt der Antike, gegründet worden sein. In seine Mauer wurde das älteste (und harmloseste) Theriak-Rezept eingemeißelt: Die Ärzte des klassischen Griechenland versuchten die Bisse giftiger Schlangen mit einer Kräutermixtur aus Anis, Fenchel und Kümmel zu behandeln. Die Arznei nannte man Theriak.
Die Ruinen der terrassenförmig gestalteten Anlage mit Tempel und Behandlungszimmern können übrigens besichtigt werden!

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Schriftliche Aufzeichnungen zu Heilpflanzen in antiken europäischen Hochkulturen

Schriftliche Aufzeichnungen zu Heilpflanzen in antiken europäischen Hochkulturen

Schriftliche Aufzeichnungen zu Heilpflanzen in antiken europäischen Hochkulturen

 

Erste Aufzeichnungen zu Heilkräutern finden sich in chinesischen, indischen, babylonischen und altägyptischen Schriften. Die bekannteste und für die Traditionelle Europäische Medizin (TEM) wichtigste Schrift dieser Art, das Produkt der Arbeit eines unbekannten, sorgfältigen, ägyptischen Schreibers vor ungefähr 3600 Jahren, ist der Papyrus Ebers. 

 

Altägyptisches Heilwissen erreichte über Kreta, das nur 300 km von Afrika entfernt liegt, Griechenland. Hier wurde in den Jahrhunderten vor unserer Zeitrechnung ausgehend von den vorsokratischen Naturphilosophen Pythagoras, Heraklit, Empedokles, Philistion und Demokrit medizinisches Wissen von Magie befreit. Es ging um die Suche nach Prinzipien der Entfaltung des Lebens und um die Entstehung der Welt. Die Naturphilosophen versuchten, die Natur in ihrer Gesamtheit zu erfassen, theoretisch zu erklären und teilweise auch zu deuten. Gegenstandsbereiche antiker Naturphilosophie waren u. a. Themen der Mathematik, Astronomie, Technik, Geographie, Zoologie, Medizin und Botanik.

Sie waren somit Wegbereiter der Ärzte und Botaniker der griechischen und römischen Antike wie
Hippokrates
Aristoteles und Theophrast
Plinius d. Ältere
Dioskurides
Galen

Der Heilschatz der Pharaonen

Der Heilschatz der Pharaonen 

Die altägyptische Medizin war eine Geheimwissenschaft. Ihre Aufzeichnungen in Form von wertvollen Papyrusrollen wurden dementsprechend streng gehütet. Geschrieben wurde mit lichtechter schwarzer und roter Farbe. Die schwarze Farbe bestand aus Ruß und einer Lösung von Gummi arabicum, die rote Farbe wurde auf Ocker-Basis hergestellt. Als Schreibgerät diente ein Pinsel aus Binsen.
Nur wenige, aber zum Teil gut erhaltene Exemplare mit wertvollem Inhalt sind der Nachwelt erhalten. Die beiden wichtigsten medizinischen Papyri wurden im vorigen Jahrhundert zeitgleich gekauft und übersetzt.

Der „Papyrus Ebers“, benannt nach seinem deutschen Käufer Prof. Ebers, berichtet auf einer Fläche von 18,6 m x  0,30 m in 879 kurzen Texten über magische und auch medizinisch empirische Anwendungen von Heilpflanzen bei Darm-Erkrankungen, Parasitenbefall, Augen- und Hautproblemen, Empfängnisverhütung, gynäkologischen Erkrankungen, Zahnschmerzen, Schnupfen, Abszessen, Tumoren, Brüchen, Verbrennungen, Lungen-, Herz-, Nierenbeschwerden und Depressionen. Diese großartige Schrift ist Dank des Enthusiasmus des Ägyptologie-Professors Georg Ebers der Schatz  der Universitätsbibliothek Leipzig geworden. Unter diesem Link kann die Papyrusrolle eingesehen und gelesen werden.  Beschrieben werden u. a. Anis, Kümmel, Hanf, Lein, Mönchspfeffer, Myrrhe, Rizinus, Thymian, Schlafmohn, Wacholder, Weide ...

• Der kleinere, 4,68 m x 0,40 m große „Papyrus Smith“, benannt nach seinem amerikanischen Käufer, dem Antikenhändler Dr. Smith, enthält Anleitungen für Untersuchungen und Behandlungen von Wunden, Heilbeschwörungen, medizinische  Lehrtexte und Rezepte, bei denen u.a. Kümmel, Myrrhe, Mandelöl, Föhrenöl, Bier, Honig, Natron, Salz, Ohr des Erdwolfs (verfault verwenden), Harz, Weihrauch und Blätter der Dornakazie verwendet werden. ( Quelle )  Der Papyrus Smith zeugt von einem bereits hochentwickelten Stand der Medizin im Alten Ägypten, hier vor allem  auf dem Gebiet der Chirurgie.  Aufbewahrt wird der Papyrus Smith im Museum der New-York Historical Society, Manhattan.

 

Griechisch-römische Heilkunst

Griechische Heilkunst

Altägyptisches Heilwissen erreichte über Kreta, das nur 300 km von Afrika entfernt liegt, Griechenland. Hier wurde in den Jahrhunderten vor unserer Zeitrechnung ausgehend von den vorsokratischen Naturphilosophen
Pythagoras
Heraklit
Empedokles
Philistion und Demokrit medizinisches Wissen von Magie befreit.

Es ging um die Suche nach Prinzipien der Entfaltung des Lebens und um die Entstehung der Welt. Die Naturphilosophen versuchten, die Natur in ihrer Gesamtheit zu erfassen, theoretisch zu erklären und teilweise auch zu deuten. Gegenstandsbereiche antiker Naturphilosophie waren u. a. Themen der Mathematik, Astronomie, Technik, Geographie, Zoologie, Medizin und Botanik.

Sie waren somit Wegbereiter der Ärzte und Botaniker der griechischen u. römischen Antike wie
Hippokrates
Aristoteles und Theophrast
Plinius d. Ältere
Dioskurides
Galen.

Die medizinischen und botanischen Werke der Griechen wurden mit Ausnahme der Völkerwanderungszeit bis in die europäische Neuzeit hinein von Ordensleuten und angehenden Ärzten studiert. Sie hatten zusammen mit der arabischen Heilkunst, die über Salerno Eingang nach Europa fand, vorrangige Geltung in der medizinischen Behandlung Kranker. Und diese Medizin war neben einem umfassend geführten Arzt-Patienten-Gespräch bzgl. Lebenswandel und Umfeld zum größten Teil Kräutermedizin!


 

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Volksmedizin als Retterin in der Not

Volksmedizin als Retterin in der Not

 

Volksmedizin als Retterin in der Not

 

Mit dem Untergang Roms und durch die Völkerwanderung der germanischen Stämme ging für Westeuropa vorerst ein Großteil des antiken medizinischen Wissens verloren. Später kehrten die in den Osten, vorallem nach Persien, geretteten antiken medizinischen Werke durch die Medizinschule von Salerno  und durch die Klöster zurück.
 

Bis es soweit war und vorallem, bis die Schulmedizin wirkliche und für jeden leistbare Hilfe brachte, füllte die Volksmedizin als Trägerin der Naturheilkunde über Jahrhunderte das medizinische Vakuum.

Dieses dauerte, verstärkt durch das männliche Monopol auf den Arztberuf, dessen Ausbildung durch den massiven Einfluss der Kirche eine stagnierende war, und durch die große soziale Armut der Bevölkerung, die sich einen Arztbesuch gar nicht leisten konnte, bis in das 19. Jahrhundert! 

Erst in diesem Jahrhundert wurde intensiv und selbständig mit medizinischem Erfolg auf allen naturwissenschaftlichen Gebieten geforscht und, was genauso wichtig war, der Staat führte gesetzlich nach und nach die allgemeinen Pflichtversicherungen ein, sodass ein Arztbesuch leistbarer wurde.

Volksmedizin ist Erfahrungsmedizin

Volksmedizin ist Medizin mit jahrhundertelanger Erfahrung in der Selbstbehandlung

 

 Nicht nur Mönche und Nonnen verbreiteten das Wissen über die Heilkunde über ganz Europa, sondern auch die Träger der Volksmedizin mit ihren Kräuterrezepturen und -  „Geheimrezepten“ zu Heilung, Liebe, Zauber, Rausch, Gift, Schutz (Amulette) ! 

Da aber dieser Personenkreis des Lesens und Schreibens meistens unkundig war, wurde die Volksmedizin als Erfahrungsmedizin, in der die Pflanzen die wichtigste Rolle innehatten, zuerst mündlich weitergegeben.

Im Volk war ganz stark verankert, dass Krankheit das Ergebnis dämonischer, dem Menschen feindlich gesinnter Kräfte sei, gegen die man nur mit Hilfe gleich starker, übersinnlicher Kräfte ankämpfen konnte. Diese Kräfte beanspruchte jedoch die katholische Kirche als die allein selig machende lange Zeit für sich. Sie erlaubte Heilung damals allgemein ungern (eine große Ausnahme: Benedikt von Nursia) und wenn schon, dann im zusammen mit kirchlichen Gebeten! ( Auch die Hebammen und Ärzte kontrollierte sie lange bei der Ausübung ihres Berufes.) So war die Volksmedizin damals oft vermischt mit Mythologischem, Magischem, mit Zaubersprüchen, Beschwörungen und Gebeten. 

Die volksmedizinischen Ratschläge wurden als Allgemeingut über Generationen in den Familien weitergegeben. 

Zusätzliche Hilfe brachten über Jahrhunderte die als „weise Frauen und Männer“ bezeichneten kräuterkundigen Laien (Kräuterweiber, Wurzelgraber, Hebammen ...), später auch die nicht studierten Bauerndoktoren,  Handwerkschirurgen,  Bader,  Kurpfuscher, Wunderheiler,  die Fahrenden,  Öl-, Kräuter-, Pulver- und WurzelhändlerInnen, die Theriakhändler  und Marktschreier. Sie wurden vom Volk aufgesucht, um Rat gefragt, mit Bitten bestürmt, manchmal vor dem Arm des Gesetzes bewahrt, manchmal aber auch verachtet, gefürchtet und verraten als Opfer für lodernde Scheiterhaufen.

 

Besondere Volksmittel

 

Besondere Volksmittel

 

In der Übermittlung dieses Teiles althergebrachter Heiltraditionen, die viel mit Aberglauben und Magie zu tun hatten, gibt sich Wildfind zurückhaltend.

Sie sind Zeugen aus einer Zeit der großen Umbrüche, der großen Unsicherheiten und des Heilwissensverlustes der Antike durch den Zusammenbruch des weströmischen Reiches, aber auch Zeugen großer finanzieller Armut und Verzweiflung, wenn man / frau am Lager von schwerkranken oder / und verletzten Menschen stand. „Weiß man denn, was einen gesund gemacht hat? Die Heilkunst, das Schicksal, der Zufall oder Omas Gebet?“, meinte der Schriftsteller Michel de Montaigne (1533-92) als Sprachrohr für viele.

Heilung wurde versucht durch ein Konglomerat an Resten von überliefertem, medizinisch wirksamem Pflanzenwissen, Zaubersprüchen, Beschwörungen, mystischen Vorstellungen, magischen Medikamenten und Gebeten aus antiker, germanisch-keltischer und christlicher Tradition.

Diese Art der doch dann und wann erfolgreichen Heilungsversuche hielt sich später - den Pestepidemien, Seuchen u.a. Infektionskrankheiten hilflos ausgeliefert - auch neben Pflanzenheilkunde, Klostermedizin und Schulmedizin, die selbst bis zum Ende des 19. Jhds. zum Großteil auf Heilpflanzen und galenische Anwendungen basierte. Neue Diagnoseverfahren, Impfungen und synthetisch hergestellte Antibiotika und andere Arzneimittel bereiteten dem Spuk ein Ende, nicht ohne vielleicht neue Gespenster entstehen zu lassen!?

 

Zur Akzeptanz der Volksmedizin

Zur Akzeptanz der Volksmedizin

Mit der Volksmedizin verhält es sich wie mit dem Grundwasser:

Alles sickert durch verschiedene Schichten (Erde, Gestein, Mülldeponien ...) zu ihm durch, sammelt sich in kleinen und größeren unterirdischen Flüssen und Seen, die miteinander im Austausch stehen. Grundwasser weist verschiedene Qualitäten auf. Es ist nicht immer trinkbar, weil Krankmachendes eingedrungen ist, aber oft steht es als lebensspendendes Nass zur Verfügung. 

So sammelt sich in der Volksmedizin gefiltertes Heilwissen sowohl aus den Mythologien und Religionen, als auch ganz viel Erfahrungswissen aus der erprobten Naturheilkunde und aus der Klostermedizin! 

 

Wenn man bedenkt, dass in den deutschsprachigen Ländern erst knapp vor 1900 das allgemeine Krankenversicherungsgesetz eingeführt wurde, kann man sich rückblickend die Bedeutung der Volksmedizin für Menschen vorstellen, die Schwierigkeiten hatten, die finanziellen Mittel für schulmedizinische Betreuung aufzubringen.

An Heilwirkung interessiert, heilend tätig und volksnah handelnd beachteten sowohl Hildegard von Bingen als auch Paracelsus, Culpeper, Pfarrer Sebastian Kneipp, Pfarrer Johannes Künzlehttp://de.wikipedia.org/wiki/Johann_K%C3%BCnzle , Kräuterpfarrer Weidingerhttp://de.wikipedia.org/wiki/Hermann-Josef_Weidinger  u.a. neben der damaligen Schulmedizin nicht ohne Grund auch die Volksmedizin. Namhafte Kräuterbuchautoren des 20. und 21. Jahrhunderts (Marzell, Pahlow, Hirsch-Grünberger, Wiegele, Fischer-Rizzi, Schönfelder, Bäumler …) erwähnen die volksheilkundliche Verwendung der Kräuter.

 

Von vielen Menschen werden auch heute Heilpflanzen sinnvoll gehandhabt, und man findet u.a. auf dieser Webseite bei den Wildpflanzen neben ihrer phytotherapeutischen Verwendung auch volksmedizinische Angaben!


 

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Klostermedizin und Heilkunst im Mittelalter

Klostermedizin und Heilkunst im Mittelalter

Die Wurzeln der Klostermedizin reichen in die unsichere Zeit der Völkerwanderung und des Zusammenbruchs des weströmischen Reiches zurück, in der es zum Verschwinden des bis dahin bestehenden medizinischen Systems kam.
An ihrem Anfang stand der charismatische Benedikt von Nursia ( 480 – 547 n. Chr.), Gründer des Klosters Montecassino und Begründer des christlichen Mönchstums, mit seiner Regel, den Kranken zu helfen. Er handelte dabei nach seinem Gewissen und gegen die damals gängige kirchliche Lehre, die Krankheit als Strafe Gottes und als Chance ansah, Seelenheil zu erlangen. Die Krankheit dürfe daher nicht mit menschlichen Heilmaßnahmen „künstlich“ verkürzt und erleichtert werden, denn einzig Gottvater schickt Krankheit und nimmt sie wieder. Doch orientiert an Jesus, den Heiland, der hilfesuchende Menschen spontan körperlich und seelisch heilte, auch dann, wenn es der Priesterkaste nicht in ihren Kram passte, verfügte Benedikt von Nursia im Kapitel 37 seiner ‚Regula’: „Die Sorge für die Kranken steht vor und über allen anderen Pflichten."  In speziellen Klosterräumen sollen „Diener“ für die Pflege der Kranken zuständig sein. Daraus entwickelte sich das Klosterhospital mit Mönchsärzten, Klosterapothekern und Klostergärten mit ihren Heilpflanzen und Nahrungspflanzen.

Benedikt forderte von den Mönchen neben Herzensbildung auch Schulbildung: Jeder Mönch war angehalten, jährlich wenigstens ein religiöses Buch zu lesen und sich in der Kunst des Schreibens zu üben. Bis zur Erfindung des Buchdrucks (ca. 1450) wurde das Klosterwissen handschriftlich verbreitet.

 

Das Fundament der Klostermedizin - Medizinschulen

Das Fundament der Klostermedizin wurde durch die Ausstrahlung des Benediktinerklosters Montecassino, an dem sich der Großteil der nachfolgenden europäischen Klöster orientierte, und durch die von Cassiodor und Isidor von Sevilla gesammelten Reste antiken Wissens errichtet. - Ganz so wie auch Steine von antiken Bauten für nachfolgende, neu errichtete Gebäude mitverwendet wurden. 

 

Im elften Jahrhundert erlebte die Klostermedizin eine Hochblüte, als viele antike Quellen (Pythagoras, Hippokrates, Aristoteles, Dioskurides, Galen …) auf dem Umweg über die arabisch-persische Welt in die MEDIZINSCHULEN von Spanien (Toledo) und Italien (Salerno) zurückkehrten und ins Lateinische übersetzt wurden.

 

Im Osten hatte die Medizin der Antike überlebt: 

 

  • Der persische Arzt Rhazes übersetzte das riesige Werk Galens und entwickelte es weiter,
     
  • ebenso wie der persische Arzt und Wissenschaftler  Avicenna (= Ibn Sina). Er zählt zu den berühmtesten Persönlichkeiten seiner Zeit und hat insbesondere die Geschichte und Entwicklung der modernen Medizin maßgeblich geprägt. Seine medizinische Enzyklopädie, der „Kanon der Medizin“ (ca. 1030), in dem er auch die enge Beziehung zwischen Gefühlen und dem körperlichen Zustand und den Heilwert der Musik erwähnte, wurde ein maßgeblicher Text der europäischen medizinischen Ausbildung bis zur frühen Neuzeit.
     
  • Sein Zeitgenosse, der nestroianisch-christliche Arzt Ibn Butlan, ein Perser, der in einem Kloster in Antiochien (Türkei) verstarb, verfasste mit seinem medizinischen Werk Taqwim es-sihha ("Die Schachtafeln") die Grundlage für die reichbebilderten medizinischen Handschriften "Tacuinum sanitatis". Ihr Inhalt (bebilderte Rezeptsammlung, Ratschläge zur Gesundheit, Wissenswertes zu Pflanzen und zum Ackerbau)   basiert auf der antiken Humoraltheorie (Säftelehre).    

 

Einfluss der Medizinschule von Salerno

 

Das Wissen dieser orientalischen Ärzte befruchtete nicht nur die Schulmedizin der neugegründeten Universitäten wie Bologna, Paris, Montpellier, Toledo, Prag, Wien, Köln, Erfurt, Basel, Heidelberg, Leipzig, Greifswald … , sondern auch die eigentliche Klostermedizin! Denn ausgehend von der „SCHULE VON SALERNO“ , die 200 Jahre existierte und wo auch Frauen lehren und studieren durften,  erreichten diese medizinischen Texte das nahegelegene Montecassino, Mutterkloster der Benediktiner, und in weiterer Folge die Schreibstuben,  Bibliotheken und Schulen der anderen Klöster. Ohne die Übersetzertätigkeit des Gerhard von Cremona (in Toledo) und des großartigen Konstantin d. Afrikaners  (in  Salerno, Montecassino) wäre das so nicht möglich gewesen!

 

„CIRCA INSTANS“

 

Auf die genannten Wissenschaftler und dem Werk des Dioskurides aufbauend entstand in Salerno das für die Ärzteschaft und Apotheker und für die nachfolgenden Kräuterbuchautoren bis Ende 19. Jhd. wichtigste Werk der Pflanzenheilkunde, das „CIRCA INSTANS“benannt nach seinen Anfangsworten. Als Autor wird Matthaeus Platearius, Mitglied einer Arztfamilie in Salerno, vermutet. In 270 Pflanzenbeschreibungen werden deren Botanik, die Drogen, die aus ihnen gewonnen werden, und die konkreten Anwendungsmöglichkeiten erklärt.

 

Erster botanischer Garten und ein mehrsprachiges Pflanzenlexikon


Ein weiterer Arzt der Schule von Salerno, Matthaeus Silvaticus (gestorben 1342), errichtete nicht nur den ersten botanischen Garten, sondern schrieb auch den „Liber pandectarum medicinae“, ein umfangreiches Nachschlagewerk über Krankheiten, deren Heilmittel, versehen mit einem Pflanzenlexikon, das auch  bislang noch nicht dokumentierte Heilpflanzen in griechischer, arabischer und lateinischer Sprache enthält.

 

 

Das ERFOLGSREZEPT der SCHULE VON SALERNO 


Das Erfolgsrezept der Schule von Salerno war die harmonische Vermischung der medizinischen Wissensstände aus verschiedenen Kulturen, der griechischen, der arabischen, der westlich-lateinischen und der jüdischen, von Männern und Frauen: Frauen (Trotula) waren sowohl als Studentinnen als auch als Lehrende zugelassen. Sobald die Universitäten unter kirchlichen Einfluss gelangten, war den Frauen über Jahrhunderte das Universitätsstudium verboten.

„Macer floridus“

"De viribus herbarum" (= Über die Kräfte der Pflanzen) bzw. der „Macer floridus“, wie das Werk allgemein kurz bezeichnet wird, war in Form eines Lehrgedichtes das Standardwerk der Kräuterheilkunde des Mittelalters.  Also waren zu dieser Zeit nicht die Werke der tüchtigen Hildegard von Bingen die bedeutungsvollsten! Sie wurde erst im 20. Jahrhundert so richtig entdeckt und gewürdigt. (Vielleicht geschieht das auch noch mit anderen Werken und Taten historischer Frauen ;)

 

Der "Macer floridus" („Der erblühte Macer“) entstand Ende des 11. Jahrhunderts. Das Werk wird dem Mönch Odo Magdunensis aus dem Loire-Tal zugeschrieben.

In seinem heilkundlichen lateinischen Lehrgedicht über 77 Pflanzen griff er auf die Werke von Aemilius Macer (lebte um Christi Geburt), nach dem es benannt ist, und auf Werke von  Plinius, Dioskurides und Constantinus Africanus zurück.

Der „Macer floridus“ wurde mehrfach ins Deutsche übersetzt, zuletzt unter dem Titel „Kräuterbuch der Klostermedizin“ ins Neu-Hochdeutsche.

 

Unter diesem schönen Link kann der historische „Macer floridus“ betrachtet und gelesen werden.

Klostergärten als Horte der Heilkräfte

Die Frauen- und Männerklöster des Mittelalters waren bestrebt, möglichst autark zu sein. Was lag da näher, als einen Garten anzulegen, durch den man die benötigten Zutaten für Heilrezepte und für die gesunde Küche schnell zur Hand hatte! Typisch für diese Art Gärten ist die Vorliebe für blatt- und blütenduftenden Pflanzen mit einem hohen Gehalt an ätherischen Ölen!

In diesen Klostergärten, die durch den propagierten Heilkräuter- und Nutzpflanzenanbau der Landgüterverordnung „Capitulare de villis“ des Kaisers Karl d. Großen gefördert wurden, wurden nicht nur einheimische, sondern auch fremdländische Küchen- und Arzneipflanzen gezogen. Sie riefen im Volk ein bis heute andauerndes Interesse an regelmäßigen Gartenbau wach und dürfen als die Vorläufer der Apothekergärten und der botanischen Gärten angesehen werden!

 

Sankt Galler Klosterplan


Kurz nach dem Tod Karls d. Großen wurde im Benediktinerkloster Reichenau am Bodensee, vermutlich in Zusammenarbeit mit Walahfrid Strabo, ein 112 cm x 77.5 cm großer Plan eines idealen Klosterkomplexes gezeichnet. Da er aber in der Stiftsbibliothek St. Gallen verwahrt wird, erhielt er die Bezeichnung „Sankt Galler Klosterplan“.
Dieser Plan war für die Klosterneugründungen in benediktinischer Tradition und für den Gartenbau im allgemeinen von großer Bedeutung. In ihm waren sowohl ein Heilkräutergarten als auch ein großer Gemüsegarten mit 18 rechteckigen Beeten und ein als Obstgarten zu nutzender Friedhof verzeichnet. Der Kräutergarten wurde gut erreichbar neben das Klosterhospital gelegt.

 

Mit der Weiterentwicklung der Heilkräutergärten und der Klostermedizin sind 3 bedeutende Persönlichkeiten des Mittelalters verknüpft:

  •  Walahfrid Strabo, der den „Hortulus“ schuf.
  •  Hildegard von Bingen, die einen bedeutenden Eckstein der Klostermedizin errichtete. Ihr gelang es, das medizinische Wissen ihrer Zeit mit eigenen Erkenntnissen über Pflanzen zu verbinden und zu formulieren, sodass ihr Name heute geradezu als Synonym für Klostermedizin gilt! 
  •  Albertus Magnus, der durch seine alchemistische Tätigkeit, durch sein botanisches Werk und durch die Öffnung des Gartens für Zierpflanzen neue Farben in den Klostergarten und in das Gebäude der Klostermedizin brachte.  

 

Bausteine der Klostermedizin - Cassiodor, Isidor von Sevilla, Lorscher Arzneibuch

 

Cassiodor

Cassiodor (485 – 580), ein Gelehrter, Schriftsteller und Staatsmann, stammte aus einer angesehenen Familie der römischen Senatsaristokratie und war bis 540 als hoher Staatsbeamter im italischen Ostgotenreichs Theoderichs tätig. Anschließend gründete er als nahezu Siebzigjähriger auf seinen Gütern in Kalabrien das Kloster Vivarium. Seine Klosterregeln hielten die Mönche dazu an, so wie er, antike religiöse und weltliche Literatur zu sammeln, ins Lateinische zu übersetzen und handschriftlich zu kopieren.  Andere Klöster schlossen sich diesem Vorbild an und so wurden Teile des antiken Wissens in die späteren Jahrhunderte hinübergerettet.

 

 

Isidor von Sevilla

Bischof Isidor von Sevilla (560 - 636)  fasste das im spanischen Westgotenreich noch vorhandene antike Wissen in einer 20-bändigen Enzyklopädie auf Latein zusammen.  Seine Bücher wurden als Fundament für jede höhere Bildung im Mittelalter in den Schreibstuben der Klöster fleißig kopiert!

 


„Das Lorscher Arzneibuch“

Der Ort seines Entstehens war das Kloster Lorsch, eine Benediktinerabtei in Lorsch, Südhessen, Deutschland. Dieses wurde in der Zeit Karls des Großen gegründet und war bis zum hohen Mittelalter ein Macht-, Geistes- und Kulturzentrum. Hier schrieb um das Jahr 795, also während der „karolingischen Bildungsreform“, ein unbekannter Mönch auf Pergament ein 150seitiges, schmuckloses Handbuch, gedacht zur Verwendung der Mönchsärzte und Apotheker.
Besonderes Interesse verdient sein Einleitungstext, denn in ihm rechtfertigt der Schreiber wie 350 Jahre zuvor sein Ordensgründer Benedikt von Nursia „die Heilkunde gegen Angriffe solcher Christen, die mit der Heilkunst einen Eingriff in den göttlichen Heilsplan ablehnten. Es ist faszinierend, wie der Verfasser aus den biblischen Texten - also mit den Waffen der Gegner - das Recht und auch die Pflicht ableitet, dem Kranken mit den durch den Heiligen Geist gegebenen Kenntnissen und den von Gott geschaffenen Mitteln zu helfen.“  Diese - meist antiken - Mittel werden im Anschluss an ein Fragment des Hippokratischen Eides auch angeführt:  Listen von Pflanzen und mehr als 500 Rezepte für Heilmittel, Vorschriften für vorbeugende Monatsgetränke, Vorschläge für gesunde Ernährung!

Der „Hortulus“ des Walahfrid Strabo

 

Über den Hortulus

 

Der Dichtermönch und Diplomat Walahfrid Strabo, der von seinem prominenten Zögling Ludwig d. Frommen (Sohn und Nachfolger Karls d. Großen), zum Abt von Reichenau gemacht wurde, beschäftigte sich intensiv mit der Heilkraft der Pflanzen, die im Capitulare de villis des Karl d. Großen aufgelistet waren. Er wählte die seiner Meinung nach wichtigsten aus. Sie sollten in jedem Benediktinerkloster und Gutshof gezogen werden.  

Seine Gedanken dazu schrieb er im Jahre 827 in Hexametern gegossen in seinem Werk Liber de Cultura Hortorum („Buch über die Kulturen der Gärten“) als botanisches Lehrgedicht nieder. Walahfrid berichtet in seinem Gartenbuch poesievoll über 24 Heilpflanzen sowie deren Anwendungsmöglichkeiten. Auch das sogenannte Unkraut, die Brennnessel, wird genannt.

Das Werk wurde von den Menschen gerne angenommen und vervielfältigt. Zuerst handschriftlich, aber bereits 1510 wurde es von Vadian bei dessen Aufenthalt in Wien unter dem Titel „Hortulus“  (lat.: hortulus = Gärtchen) als Druck herausgegeben.

 

Auf der Bodenseeinsel Reichenau erinnert heute in Mittelzell ein Hortulus-Gärtchen, neben dem Münster der ehemaligen Abtei Reichenau, Walahfrids Heimatabtei, an das Werk des Mannes, an dem sich über Jahrhunderte die Klostergärten orientierten. Einen großzügigen - und doch der Einfachheit verschriebenen - Hortulus-Garten mit den im Werk angegebenen Pflanzen und deren Kurzbeschreibung finden Sie, zeitgemäß gestaltet, auf dem Gelände von Stift Melk.

Mehr dazu auf dieser Seite.

Hildegard von Bingen

Hildegard von Bingen

(1098 bis 1179, Deutschland)


Angehörige des Adels, Benediktinerin, Äbtissin, Klostergründerin, Naturforscherin, Prophetin, große Rationale, Predigerin, Feministin, Musikerin, Dichterin, Kämpfernatur ...

Eine der interessantesten Frauen des Mittelalters.

 

 

Vision, Initiative und Ausdauer“, diese Dreigestalt, im obigen Foto dargestellt auf Glasfenstern einer holländischen Kirche, veranschaulicht Grundhaltungen, die einen Menschen befähigen, ein Werk aus eigenem Antrieb umzusetzen. Hildegards vielseitiges und vielschichtiges Werk, das das Heil des ganzen Menschen als Einheit von Seele, Geist und Körper in Harmonie mit dem Kosmos zum Ziel hatte, erwuchs und gelang durch Vision, Initiative und – Ausdauer!  

Vision:
Die große Vision begleitet sie ihr ganzes Leben lang: Der trinitarische Gott, seine Schöpfung und seine Liebe zu dieser seiner Schöpfung. Daraus folgen die Vision vom Heilsgeschehen durch Christus, an dem die Menschen als sichtbare Kirche mitbauen, und die Vision von einem mit Freude erfüllten, gottbezogenen Menschenleben, von einem geglückten menschlichen Miteinander, von Barmherzigkeit …

Initiative:
Initiative zu ergreifen bei Themen, die sie berührten, war geradezu symptomatisch für diese Frau! Ohne diese ihre starke Charaktereigenschaft wäre es ihr trotz ihrer Begabungen und trotz ihrer begüterten Herkunft nicht gelungen, ihre eigenwilligen Wege auf den Gebieten der Religion, Mystik, Medizin, Musik, Ethik und Kosmologie zu gehen und anderen aufzuzeigen durch ihre Klostergründungen und Klosterleitungen, durch ihre kreativen  musikalischen und schriftlichen Werke, durch ihre Seelsorgereisen einschließlich öffentlicher Predigtätigkeit. - Predigen dürfen im Jahr 2012 Frauen nicht. Ob sie damals die Kirchenleitung um Erlaubnis gefragt hat? ;)

Ausdauer:
Obwohl Hildegard vieles gleichzeitig gemacht hatte und sicher auch gut delegieren konnte,  bewies sie große Ausdauer in allem, was sie begann. So arbeitete sie z. B. an jedem ihrer Bücher 5 – 10 Jahre. Und das in einem Alter, in dem man / frau sich oft bereits auf das Abstellgleis schieben lässt! Hildegard von Bingen ist ein wunderbares Vorbild gegen den Jugendlichkeitswahn unserer Tage!
Sie ist für viele Menschen die interessanteste Frau des Mittelalters: Dank „Vision, Initiative und Ausdauer“ war diese Angehörige des Adels Benediktinerin, Äbtissin, Klostergründerin, Naturforscherin, Heilerin, Prophetin, große Rationale, Predigerin, Feministin, Musikerin, Dichterin, Kämpfernatur und neuerdings – 833 Jahre nach ihrem Tod – ist sie auch Kirchenlehrerin!

 
 

 

Albertus Magnus

 

Albertus Magnus, ein Schwabe in Köln im 13. Jhd. (1200 - 1280)
Philosoph, Theologe, Dominikaner, Bischof von Regensburg, Naturwissenschaftler, Heilkundler, Universalgelehrter, Gartengestalter
 
Philosoph, Theologe

Sein Denken hatte auf diesem Gebiet während der nachfolgenden Jahrhunderte keinen so starken Einfluss wie das des Thomas von Aquin, für das sich Orden und amtliche Kirche entschieden. Eine Neubewertung seiner philosophischen Stellung ist im Gange.

 

Dominikaner und Bischof von Regensburg

Er erwirkte beim Papst, dass das Domkapitel wieder den Bischof wählen durfte.

 

Naturwissenschaftler, Heilkundler, Universalgelehrter:

Er vereinigte das persische (Avicenna), jüdische, antike und klösterliche Wissen mit den aktuellen Forschungsergebnissen seiner Zeit. Seine Aufzeichnungen ergeben übertragen in die heutige Zeit 22 000 Druckseiten! Bei all seinem Wissen und Können und trotz der angebotenen Machtfülle blieb Albertus Magnus ein bescheidener Mensch so wie der Altgrieche Bias von Priene, der von sich sagte: „ Omnia mea mecum porto.“ . „Ich trage all das Meinige mit mir.“ Antikes Denken lernte Albertus Magnus bei seinen Studien in Padua kennen und schätzen. Er erreichte, dass die überlieferten, vormals als heidnisch abgelehnten Werke des Aristoteles bzw. dessen Schülers Theophrast als Lehrwerke in die Schulen aufgenommen und studiert werden mussten.

Weiters beschäftigte sich Albertus Magnus mit Alchemie, diesem uralten Zweig der Naturphilosophie, der über praktische Forschungen - nach dem „Stein der Weisen“ (Tinktur, die die Umwandlung eines unedlen Metalles zu Gold oder Silber ermöglichen sollte), nach Alkahest“ (Universal-Lösungsmittel) und nach „Panazee“ (Allheilmittel) - in die moderne Chemie, Pharmakologie und Gentechnologie führte. Das gesuchte Allheilmittel Panazee wurde übrigens nach Panakeia (griechisch ‚alles heilend’), einer Tochter des Asklepios, benannt.
Albertus Magnus verfügte über gute Kenntnisse der Destillation und Sublimation, die in sein Werk „De mineralibus“ – „Über die Minerale“ einflossen. Es stellt den ersten Versuch dar, eine vollständige Systematik für Mineralien zu entwickeln. Er vertritt hier aufbauend auf die vier Ureigenschaften des Aristoteles (warm – kalt, trocken – feucht) und auf die Vier-Elemente-Lehre des Empedokles, die Meinung, dass alle Metalle aus vier Elementen, darunter Quecksilber und Schwefel, aufgebaut sein müssten. Albertus Magnus gilt auch als Entdecker des Elements Arsen. Paracelsus führte es zusammen mit Schwefel und Quecksilber in die Heilkunde ein. Von Albertus Magnus selbst stammt das heilkundliche Werk „Von Weibern und Geburten der Kinder: sampt ihren Artzneien“. 2010 wurde es neu verlegt.

Berühmt wurde sein botanisches Werk über mitteleuropäische Pflanzen „De vegetabilibus libri VII“ - „ 7 Bücher von den Gewächsen“:
Er beschreibt darin 390 Arten, eingeteilt in Bäume, Sträucher, Kräuter mit und ohne Stängel und - gegenüber Theophrast neu – in Pilze. Erwähnt werden auch die medizinischen Anwendungen und gärtnerischen Verwendungsmöglichkeiten der Pflanzen. Wobei er neben Nutz- und Heilwert von Pflanzen erstmals auch ihren Zierwert  anführt, um Auge und Herz zu erfreuen und zu entspannen: Akelei, Lilie, Maiglöckchen, Narzisse, Rose …  Er empfiehlt, diese Pflanzen gleich wie in Italien in mit Buchs eingefassten Beeten anzupflanzen. Die Geburtsstunde des „Paradiesgärtleins“ bzw. des „Minnegärtleins“!

 

Seine Neuerungen als Gartengestalter:

 

Das „Paradiesgärtlein“ bzw. das „Minnegärtlein“

Mit seinen duftenden Heil-, Gewürz- und Zierpflanzen, die ebenfalls duften sollten und die mit einem hohen Symbolwert verbunden wurden, führte es im klösterlich kontemplativen Bereich über sinnliche Wahrnehmungen zum Übersinnlichen, zum „Paradies“.
Im profanen Bereich wird diese Gartenform für die Burggärten, insbesonders für die Entwicklung des "Minnegartens" ("Liebesgarten"), übernommen, wie er  im 1230 begonnenen „Rosenroman“ geschildert wird . 
Sowohl in den Klostergärten als auch in den Burggärten wurden jetzt Blumen der Freya Maria, der Mutter Gottes,  zugeordnet und angepflanzt, zur zusätzlichen Freude und zur Verwendung als Altarschmuck, z.B. Maiglöckchen, Akelei ... Ergänzt wurde dieses Repertoire - besonders nach der Plünderung Konstantinopels (= Byzanz, Istanbul) 1204 - durch pflanzliche Mitbringsel der Kreuzritter aus der blumenfreundlichen Türkei: Goldlack, GoldregenPfingstroseEdelnelke, Rose, Lilie … 

 

Der Albertus-Magnus-Garten

Für sich selbst bevorzugte Albertus Magnus eine weitere Form, eine gleichsam moderne bzw. allgemein gültige Form, um sich nach intensiver Arbeit entspannen zu können: einen Garten zum „Lustwandeln“, einen Ort, um mentale Kraft zu schöpfen durch Wandeln (Schlendern) in einem harmonischen Gartenraum, der alle Sinne anspricht, ein Raum mit spannungsreichen Flächen der Leere (Rasen- bzw. Wiesenfläche) und Flächen der Fülle, gebildet aus Baumpflanzungen und - ganz seine Idee - aus blühenden Rasenbänken, die Sitzmöglichkeiten bieten zum meditativen Schauen. Begleitet vom Plätschern des Wassers aus der Mitte des Gartens, das die Sorgen mitnimmt und an den Psalm 36 erinnert: "Bei dir ist die Quelle des Lebens".

Tipp:
Der Albertus-Magnus Garten, der von ihm im Anschluss an einen geordneten Gemüsegarten gedacht ist, ist ein wunderbarer Garten-Gestaltungsvorschlag, der gut mit Wildpflanzen durchgeführt werden könnte! Ein „wilder Lustgarten“ sozusagen ;)  Eine kleine Skizze finden Sie hier:

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Paracelsus

Paracelsus

Philippus Theophrastus Aureolus Bombast von Hohenheim, genannt Paracelsus

1493 als Sohn eines schwäbischen Arztes und einer Schweizerin (Intendantin des Hospizes zu Einsiedeln) in der Schweiz neben der Teufelsbrücke geboren, 
1541 in Salzburg, vermutlich an einer Quecksilbervergiftung, gestorben

  • Arzt und Alchemist
  • Sein Leitspruch: "Alterius non sit, qui suus esse potest." (Wer sein eigener Herr sein kann, soll nicht einem anderen gehören.)

Bereits sein Vater unterwies ihn in Medizin und Alchemie. Als Sechszehnjähriger begann er sein Medizinstudium in Basel, setzte es in Wien fort und schloss es in Ferrara mit der Doktorwürde ab. Das Wissen und Wirken des Paracelsus gilt als überaus umfassend. Durch eigene Studien wurde er zum berühmtesten Alchemisten, Philosophen, Mystiker, Mediziner und Dozenten, der seine Vorlesungen nicht in Latein, sondern in Deutsch, hielt, und er war nicht nur an der damaligen Schulmedizin interessiert, sondern auch an der Volksmedizin. Er lernte sie während seiner Wanderjahre als Wundarzt schätzen und trug als ein Selbstbewusstsein stärkendes und Unheil abwehrendes Amulett stets ein Stück Wurzel der Meisterwurz in seiner Hosentasche. 

 

Er ergänzte die Volksmedizin durch seine von Hermes Trismegistos beeinflusste Signaturenlehre (äußere Eigenschaften wie Form und Farbe von Pflanzen lassen Rückschlüsse auf deren Wirkung zu, z.B. leberförmige Blätter des Leberblümchen, Wirbelsäule des Schachtelhalmes, Äuglein-Blüten des Augentrostes) und ließ ihn ein geistiges Prinzip erkennen und nennen: "Alle Erkenntnis der Welt, die wir auf Erden besitzen, stammt nur aus dem Lichte der Natur. Dieses Licht der Natur reicht vom Sichtbaren zum Unsichtbaren und ist hier so wunderbar wie dort. Im Lichte der Natur ist das Unsichtbare sichtbar."

 

Paracelsus arbeitete auch mit Opium, das er 1 : 10 in Wein auflöste. Diese Arznei nannte er Laudanum. In der Meinung, damit ein Allheilmittel gefunden zu haben, sprach er von ihm als einen „Stein der Unsterblichkeit“. Seine herausragende Eigenschaft bestand allerdings nicht in einer lebensverlängernden, sondern vielmehr in seiner schmerzstillenden, beruhigenden und Durchfall heilenden Wirkung. Seit Paracelsus’ Zeiten fand das Laudanum in Europa eine große Verbreitung, denn es war frei verkäuflich und günstig. Sogar Kindern wurde die verdünnte Opiumtinktur bedenkenlos zur Ruhigstellung eingegeben, bis man ihr Suchtpotential erkannte und gegen Ende des 19. Jahrhunderts der Medizin neue Mittel zur Verfügung standen, die die bedenklichen Opiate ersetzen konnten. Zu Beginn des 20. Jd. endete deren freie Verkäuflichkeit.

Zugelassen ist eine Verschreibung der Opiumtinktur "Tinctura Opii normata" (früher "Laudanum" bzw. "Meconium") heute in der Regel nur noch bei schwersten, nicht mehr anders kontrollierbaren Durchfällen, die auf andere Therapien nicht mehr ansprechen.

 

Als Alchemist, der wie Albertus Magnus mit Arsen, Schwefel und Quecksilber hantierte, erkannte er als erster, dass Wirkstoffe und die Wirkstoffmenge darüber entscheiden, ob eine Pflanze als Arznei oder als Gift wirkt. "Das ist kein Arzt, der das Unsichtbare nicht weiß, das keinen Namen trägt, keine Materie hat und doch seine Wirkung. Nicht der Corpus ist die Arznei, das wahre Arkanum ist unsichtbar…-Alle Dinge sind Gift und nichts ist ohne Gift; allein die Dosis macht, dass ein Ding kein Gift ist.“ Diese Abhängigkeit einer Giftwirkung von der Dosis gilt noch heute als ein gültiges Prinzip in der Toxikologie.

 

Außerdem betrieb er bereits vor 500 Jahren Gender-Medizin! Er war nämlich der Meinung, dass die Heilmittel den Geschlechtern entsprechend zubereitet werden sollten, denn bis auf wenige Ausnahmen seien Männern und Frauen geschlechterspezifische Arzneien zu verabreichen, und zwar Arzneien, die nach seinen weltanschaulichen und praktischen Regeln der Alchemie, die er auch als „spagyria“ bezeichnet,  hergestellt werden. Mit der Herstellung von Arzneimitteln mittels alchemistischer Verfahren grenzte Paracelsus sein Heilsystem von der damals verbreiteten galenischen Medizin der Viersäftelehre ab. Als Ausgangsmaterial für Spagyrika dienen pflanzliche, mineralische und tierische Stoffe. 

 

Ethik war ihm sehr wichtig: Der Arzt muss ein wahrhaftiger Mann sein und nicht eigenen Nutzen suchen.“  Durch die von Gott geschenkte Heilkunst und durch Zuwendung zum Kranken das Leben von Menschen zu retten, war für ihn wichtiger als die Goldmacherei. Seine Heilungserfolge waren legendär, trugen ihm aber auch erbitterte Gegnerschaft durch etablierte Mediziner und Apotheker ein, zusätzlich verschärft durch die oft beißende Kritik seitens des Paracelsus an der vorherrschenden Lehrmeinung der Viersäftelehre nach Galen und der bloßen Bücherweisheit damaliger medizinischer Gelehrter.

 

Paracelsus hinterließ zahlreiche deutschsprachige Aufzeichnungen und Bücher medizinischen, astrologischen, philosophischen und theologischen Inhalts, die größtenteils erst nach seinem Tod gedruckt wurden … und ein Salzburger Bier namens „Paracelsus“ ;)
 

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Nicholas Culpeper

Nicholas Culpeper

Nicolas Culpeper, 1616 – 1654, England

  • Kräuterkundler,  Botaniker, Apotheker, Handwerksarzt und Astrologe in London

Nicholas war seit seiner Kinderzeit brennend interessiert an Medizin und Astrologie. Er las alle Bücher zu diesen Themen, die ihm in der Bibliothek seines Großvaters in die Hände fielen. Auf Drängen dieses Großvaters, der die Stelle des verstorbenen Vaters einnahm, sollte er die Familientradition weiterführen und Theologie studieren. Er beugte sich, war aber bei diesem Studium in Cambridge nur halbherzig dabei. Mit mehr Herz beschäftigte er sich im Selbststudium mit Galen und Hippokrates, mit Astrologie und mit seinen Freizeitvergnügungen.

 

Tragische Schicksalsschläge beendeten diese seine Lebensphase:  Seine große Jugendliebe Judith Sivers war in einer Kutsche zu ihm unterwegs, um, wie besprochen, mit ihm in die Niederlanden zu fliehen. Judiths Eltern lehnten nämlich eine Heirat Judiths mit Culpeper entschieden ab. So wollte das Paar sich in den Niederlanden das offizielle Jawort geben und nach einigen Jahren wieder zurückkehren. Ein Blitz, der in Judiths Kutsche einschlug, zerstörte ihr Leben. Der Tod seiner Geliebten stürzte Nicholas in tiefe Depression, seine mitfühlende Mutter starb, sein Großvater enterbte ihn ob der Schande des verwegenen Fluchtplanes. Er gab ihm wenigstens den Rat, eine Apothekerlehre zu machen.

In seinem Schmerz beschloss er mitzuhelfen, andere Menschen von ihrem Leid zu befreien. Und diesem Entschluss blieb er bis zu seinem Lebensende entgegen widriger Umstände treu!

Er ging nun aus freien Stücken in London zu einem Apotheker in die Lehre, den er im Gegenzug in Latein, das ihm sein Großvater beigebracht hatte, unterrichtete. Im Laufe seiner Ausbildung lernte er alle Heilkräuter dieser Zeit kennen, führte die Apotheke seines Lehrherrn weiter und arbeitete als Heilpraktiker. Nach seiner Heirat mit der jungen, vermögenden Alice Field errichtete er eine astrologische und pflanzenheilkundliche Praxis in London, wo er die arme Bevölkerung zum Ärger der gelehrten Ärzte beinahe unentgeltlich und ohne Aderlass heilte.

 

Sein Wissen über den Zusammenhang von astrologischem Einfluss, Gesundheit und Heilkräuter ließ ihn sein Kräuterbuch The Complete Herbal schaffen. Er konnte noch kurz vor seinem Tod (Tuberkulose) erleben, wie es sich in seinem Heimatland innerhalb eines Jahres zu einem Bestseller entwickelte. Leider wurde es noch nie ins Deutsche übersetzt, aber hier finden Sie eine Online-Ausgabe:

Mehr über Culpeper und Planetenzugehörigkeit von Pflanzen finden Sie in deutscher Sprache  h i e r .

 

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Die Väter der Botanik und ihre Kräuterbücher

Die Väter der Botanik und ihre Kräuterbücher

 

Die Väter der Botanik und ihre Kräuterbücher 

 

Im 16. Jahrhundert, einer Zeit des allgemein großen Interesses an Heilkraft, Botanik und auch Schönheit der Pflanzen, widmeten sich namhafte Wissenschaftler mit medizinischem, botanischem, öfters auch theologischem Interesse diesen Themen. Zu ihnen zählen Johann Wonnecke von Kaub, Otto Brunfels, Hieronymus Bock, Leonhart Fuchs, Tabernaemontanus, Conrad Gesner, Pietro Andrea Mattioli und Carolus Clusius. Im Zentrum ihrer Erkundigungen stand neben den botanischen Merkmalen die Heilwirkung der Pflanze. Diese Pflanzenbegeisterten wurden im Nachhinein als „Väter der Botanik“ bezeichnet.

Nicht nur Ärzte und Apotheker warteten auf ihre dokumentierten Ergebnisse, sondern auch das „gemeine“ Volk wartete auf neue Kräuterbücher, in deren Genuss es durch den Buchdruck nun selbst gelangen wollte. Es erwartete sich davon Hilfe zur Selbsthilfe. – Und die Kräuterbücher kamen, und zwar zahlreich und in hoher Qualität! Man kann von dem 16. Jahrhundert als einem Jahrhundert der großen Kräuterbücher sprechen.

Diese Werke wurden weitertradiert bis in unser Jahrhundert, das vielleicht wieder ein Jahrhundert mit besonderem Interesse an Wildpflanzen werden wird!?

Conrad Gesner

Conrad Gesner, 1516 – 1565, Schweiz

  • Naturforscher, Arzt, Altphilologe, Botaniker, Graphiker, Pest-Toter
  • Namensgeber sowohl der Pflanzenfamilie der Gesneriengewächse und als auch der Gartentulpe: Tulipa gesneriana
  • „Vater der Botanik“: Er versuchte eine Systematik der Pflanzen zu entwickeln, dazu legte er auch Versuchsgärten an. Auf Gesners Arbeiten konnte Linnè aufbauen.

Gessner (sein Namen wird unterschiedlich geschrieben) gilt als einer der berühmtesten und wichtigsten Naturforscher und Gelehrten der Schweiz.

Seine Bedeutung beruht unter anderem darauf, dass er sich nicht ausschließlich auf die tradierten Erkenntnisse der Antike und des Mittelalters verließ, sondern seine eigenen Naturbeobachtungen höher wertete. Sein überdurchschnittliches Zeichentalent unterschied ihn von seinen Fachkollegen. Er illustrierte seine Pflanzenbeschreibungen in hoher Qualität selbst. 

Das bekannteste Werk Gesners ist seine Historia animalium, das 1565, im Jahr seines Todes, als «Thierbuch» veröffentlicht wurde. Bei der Gliederung orientierte sich Gesner an den Vorgaben der Tierbücher des Aristoteles und Albertus Magnus.

Eine Originalseite aus diesem Buch, die in dem entzückenden Buchdruckmuseum in Strada , Schweiz, ausgestellt ist, darf Wildfind zeigen. Es zeigt und beschreibt einen Vogel, der auch heute noch – mit etwas Glück - als „fliegender Edelstein“ an den Ufern des unverbauten Tiroler Lech beobachtet werden kann. 

Gesner erforschte Pflanzen in den verschiedenen bürgerlichen und herrschaftlichen Gärten der Schweiz und legte selbst Versuchsgärten an, aus denen sich der Alte Botanische Garten Zürich entwickelte.
Bei seiner Besteigung des Pilatus im Jahr 1555 fertigte er Beschreibungen von ca. 40 Pflanzen an, darunter Enzianarten, einige Steinbrechgewächse, Weißer Germer und Silberdistel. Auch stellte er generell fest, dass sich die Pflanzen der Berge in ihrem Habitus von jenen der Ebene unterscheiden.

Gesners Abbildung und Beschreibung einer der ersten Tulpen in Europa (1561) veranlasste rund 100 Jahre später Carl von Linné, diese Pflanzen nach ihm zu benennen: Tulipa gesneriana, die Gartentulpen als Kulturform der Wildtulpen.

 

In seinem letzten Lebensjahrzehnt begann Conrad Gesner eine umfangreiche botanische Enzyklopädie, die „Historia Plantarum“, zu erstellen. Ihre besondere Bedeutung liegt in den ungewöhnlich sorgfältigen Darstellungen. Gesner konzentrierte sich in seinen Zeichnungen auf eine detaillierte Darstellung des Habitus einzelner Pflanzen, bei denen er einzelne, besonders charakteristische Teile mitunter stark vergrößerte. Die Zeichnungen ergänzte er mit ausführlichen Randnotizen und wissenschaftlichen Anmerkungen. Dabei ging er auf die spezifische Wuchsform der einzelnen Pflanze ein, beschrieb den Fundort und wies auf Details in Struktur und Form hin.
1500 Blätter hatte er bereits geschaffen, als die Pest ihn dahinraffte, die 1565 in Zürich, wo er als Stadtphysikus u. a. den Reformator Heinrich Bullinger, der an die Pest-Epidemie seine Ehefrau und drei Töchter verloren hatte, pflegte.

Gesner starb als weltbekannter und geachteter Gelehrter..

Doch sein Werk lebte weiter: Sein Nürnberger Kollege Joachim Camerarius der Jüngere kaufte Gesners Nachlass  und vervollständigte damit 1586 die zweite deutsche Neuauflage des Kräuterbuches des Pietro Andrea Mattioli „Neuw Kreütterbuch“. - Das Buch war ein sehr großer Erfolg, da in ihm die medizinischen Schriften Mattiolis mit den revolutionären Pflanzendarstellungen Gesners gekonnt verbunden wurden. 

Gesners umfangreiches Pflanzenwerk wurde 1972 bis 1991 unter dem Titel «Conradi Gesneri Historia Plantarum» erneut herausgegeben.

 

 

Pietro Andrea Mattioli

   Pietro Andrea  Mattioli ( auch Pierandrea bzw. Petrus Andreas Matthiolus),))  1501 – 1577,  Italien, Österreich, Böhmen

  • Arzt, Botaniker, Pest-Toter
  • „Vater der Botanik“:  Mattioli, auch auch Pierandrea, lat. Petrus Andreas Matthiolus  genannt, beschrieb eine Reihe von Arten, die in den Kräuterbüchern von Otto Brunfels, Hieronymus Bock und Leonhart Fuchs nicht enthalten sind.
    Sein großes Herbar zeugt von immenser Kenntnis der Alpenflora. Er stand in regem Briefverkehr und Pflanzentausch (erste Tulpen in Europa!) mit Clusius.
    Die Pflanzengattung Matthiola (Levkojen) trägt seinen Namen.

Mattioli war der Sohn eines praktischen Arztes und verlebte seine Jugend in Venedig. Als 22jähriger wurde er in Medizin promoviert und praktizierte anschließend zeitweise in der römischen Krankenanstalt für unheilbar Kranke. Sein beruflicher Weg führte ihn 6 Jahre später nach Trient und ab 1539 in die Habsburgische Grafschaft Görz. Um 1554 holte ihn der römisch-deutsche König und spätere Kaiser Ferdinand I. als Botaniker und Leibarzt für seinen Lieblingssohn Erzherzog Ferdinand II. an den Prager Hof. Als dessen älterer Bruder Maximilian II. die kaiserliche Nachfolge antrat, beanspruchte er Mattioli als Leibarzt.

Ferdinand II. heiratete übrigens die 29jährige Philippine Welser , eine schöne und reiche Augsburger Bürgerstochter, der wir ein Kleinod der Medizingeschichte verdanken. In Leder gebunden liegt es auf Schloss Ambras in Tirol: ihr Rezeptbuch, das das heilkundliche Wissen einer vermögenden Frau enthält, die selbst Kräuter sammelte, Rezepte studierte und Kranke heilte. Nicht nur dem Papst schickte sie eine Kiste mit Kräutern, sondern noch mehr galt ihre Sorge dem leiblichen Wohl ihrer Untertanen.

 

In Prag erhielt Mattioli den jungen Arzt Georg Handsch als Famulus zugeteilt. Er ordnete Mattiolis großes Herbar und übersetzte ins Deutsche dessen großes botanisches Werk, seine ins Italienische übersetzte und kommentierte „Materia medica“ des Dioscurides. Dank der finanziellen Unterstützung der Habsburger konnte es unter dem Titel „Neuw Kreütterbuch“ 1563 als Prachtausgabe  erscheinen. Mattiolis Werk war außerordentlich erfolgreich. Allein im Jahr 1563 sollen laut Peter Handsch „vber die zwy vnnd dreyssig tausendt Exemplar“ verkauft worden sein. Aufgrund der großen Nachfrage gab Joachim Camerarius der Jüngere später die Hand'sche Übertragung noch einmal in einer neuen Bearbeitung heraus (Kreutterbuch 1586), teilweise ergänzt durch Abbildungen aus dem Nachlass Conrad Gesners. Es erschienen bis Mitte des 19. Jahrhunderts noch 61 verschiedene Ausgaben (Giuseppe Moretti, 1853).

 

Mattioli selbst reichte 1568 seinen Abschied ein und kehrte nach Italien zurück, wo er 1577 in Trient einer Pestepidemie zum Opfer fiel.

 

 

 

Johann Wonnecke von Kaub

 

Johann Wonnecke von Kaub (Johannes de Cuba), 1430 – 1504, Deutschland

  • Erzbischöflicher Leibarzt
  • schreibt als Vorläufer der Väter der Botanik einen Dauerläufer: den „Gart der Gesundheit“ bzw. „Hortus sanitatis“

Sobald der Buchdruck erfunden war, wurden außer Bibeln, Hexenhammer auch heißbegehrte Kräuterbücher gedruckt. Der „Gart der Gesundheit“ bzw. „Hortus sanitatis" war das erste davon:


    Bernhard von Breydenbach, ein führender Beamter und Politiker des Erzbistums Mainz, beauftragte den erzbischöflichen Leibarzt Johann Wonnecke von Kaub ein medizinisches Kräuterbuch zusammenzustellen. Dieser stützte sich bei seiner Arbeit auf den „Canon medicinae“ des Avicenna, auf das bekannte Werk der Medizinschule Salerno „Circa instans“ und auf den „Macer floridus“. Als Illustrator gewann er Erhard Reuwich, wohl den hervorragendsten Buchgestalter seiner Zeit, der einen Teil der Bilder anfertigte. Gedruckt und verlegt wurde es als erstes deutschsprachiges Kräuterbuch von Peter Schöfferhttp://de.wikipedia.org/wiki/Peter_Sch%C3%B6ffer, einem ehemaligen Mitarbeiter von Johannes Gutenberg, dem Erfinder des Buchdrucks mit beweglichen Metalllettern.


Dem Werk war ein sehr großer Erfolg beschieden: es erschien – kaum verändert – bis Ende des 18. Jahrhunderts in 60 Ausgaben! Nicht nur Autoren nachfolgender Kräuterbücher griffen bei ihrer Suche nach Informationen gerne auf den „Gart der Gesundheit“ zurück, sondern auch der Teil des „gemeinen“ Volkes, der des Lesens mächtig war. So flossen Rezepte daraus in die Volksmedizin ein.


Durch den „Gart der Gesundheit“ - sein Titel drückt die seit Anfang der Klostermedizin bestehende Symbiose zwischen Garten und Medizin besonders gut aus - wirkt der  mittelalterliche Arzneischatz sowohl der Klöster als auch der Schule von Salerno mit ihrer griechisch-persisch-jüdischen Medizin bis heute weiter.

Otto Brunfels


Otto Brunfels, 1488 – 1534, Deutschland - Schweiz

  • Theologe, Humanist, Mediziner
  • erster Hauptketzer im „Löwener Glaubensbekenntnis“ des Kaisers Karl V.
  • Namensgeber der zauberhaften Pflanzenfamilie „Brunfelsia“
  • „Vater der Botanik“: Brunfels ist wesentlich beteiligt an der Neubegründung der Botanik im Abendland. Er ist der berühmteste Botaniker seiner Zeit.

Bei der Abfassung seiner botanischen Schriften stützte er sich nicht, wie bis dahin üblich (abgesehen von der Ausnahmeerscheinung „Hildegard von Bingen“) ausschließlich auf die botanischen Schriften des Altertums, sondern er beobachtete die von ihm selbst gefundenen einheimischen Pflanzen und beschrieb sie aus eigener Anschauung und gab Anweisungen zu ihrer medizinischen Anwendung.


Auch als Vorlage der Holzschnitte für seine Kräuterbücher „Herbarum vivae icones“ „Contrafayt Kräuterbuch dienten von ihm gesammelte Kräuter.

Außerdem ließ er unter die Abbildungen nicht die lateinischen, sondern die deutschen Namen setzen.

 

Das Buch erlangte zu Beginn des 20. Jahrhunderts eine überarbeitete und erweiterte Auflage durch die Urbania-Gesellschaft, die große Beachtung fand.  

 

 

 

Hieronymus Bock

Hieronymus Bock („Tragus“), 1498 – 1554, Deutschland

  • Arzt, lutherischer Prediger
  • Namensgeber für die Gattung Tragia L. der Wolfsmilchgewächse
  • „Vater der Botanik“

Hieronymus Bock war als erster Botaniker um eine umfassende Aufnahme und Beschreibung der mitteleuropäischen (Heil-)Pflanzen bemüht. Als Anerkennung für sein Wirken, benannte Linné eine umfangreiche Wolfsmilchgattung nach ihm. Er gab ihr aber nicht den biederen Namen "Bock", sondern bezeichnete sie nach dem lateinisierten Familiennamen Bocks, den er selbst gerne verwendete, "Tragia" (lat.tragus - Bock).

 

Um seiner Vision möglichst nahe zu kommen, unternahm er ausgedehnte Reisen, die ihn von den Ardennen bis in die Schweizer Alpen führten und legte am Saarbrückener Hof einen Kräutergarten an.
Immer wieder drängte ihn sein Freund Brunfels, seine Erkenntnisse in einem Buch darzulegen. Was schließlich auch geschah. 1539 erschien in erster Auflage sein Werk mit dem ausführlichen Titel, der bereits bekundet, warum das Buch ein großer Erfolg wurde: „Das Kreütter Buch, Darinn Underscheidt, Namen vnnd Würckung der Kreutter, Stauden, Hecken vnnd Beumen, sampt jhren Früchten, so inn Deutschen Landen wachsen Durch H. Hieronymum Bock auss langwiriger vnd gewisser erfarung beschrieben“, kurz „Das Kreutter Buch“ genannt.  Seine Pflanzenbeschreibungen darin sind weitaus genauer und zutreffender als die aller bisherigen Werke ähnlicher Art, bei der Wirkung der Kräuter kann er auf eine langjährige Erfahrung als Arzt zurückgreifen. Das Buch wurde bis in das 17. Jahrhundert immer wieder aufgelegt. 


Weitere volksmedizinische Werke, die ganz bewusst in deutscher Sprache erscheinen, damit sie vom Volk verstanden und angenommen werden (aus gleichem Grund übersetzte Martin Luther die Bibel ins Deutsche), sind die „Bader-Ordnung“, eine Art Handbuch über Heilwässer für den Badegast, und die „Teutsche Speißkammer oder was gesunden und kranken Menschen zur Leibesnahrung gegeben werden soll“. Dieses Werk ist kein Kochbuch, sondern der erste neuzeitliche Ernährungsratgeber! Auch er war der Meinung, wie später Kneipp, dass die Wildpflanzen „nicht nur Heilmittel, sondern auch ganz ausgezeichnete Nahrungsmittel sind!“ Dieser Meinung schließt sich Wildfind voll und ganz an!

 

 

Leonhart Fuchs

Leonhart Fuchs, 1501 – 1566, Deutschland

  • Pflanzenkundiger Mediziner, oftmaliger Rektor der Universität Tübingen
  • Geadelt von Kaiser Karl V.
  • Namensgeber für die große Gattung "Fuchsia"
  • „Vater der Botanik“: Fuchs gilt durch sein Gesamtwerk als einer der Väter der Botanik.

Er führte erstmals botanische Exkursionen durch und legte den Keim für den Botanischen Garten der Universität Tübingen, der sich ohne Unterbrechung zu seiner jetzigen Größe entfalten konnte und die unterschiedlichsten Pflanzen-Lebensräume für alle, allein oder in Gruppen, erlebbar macht! Infos dazu finden Sie hier.

 

Leonhart Fuchs  gilt als Hauptvertreter des Neu-Galenismus und verfasste als pflanzenkundiger Mediziner über 50 Bücher und Streitschriften. Seinen großen Ruhm verdankt er in erster Linie seinem lateinischen und deutschen Kräuterbuch:

  • Im Jahr 1542 entstand “De Historia Stirpium commmentarii insignes“ (1542), kurz Historia“ genannt, mit idealtypischen Pflanzendarstellungen. Die Druckstöcke dazu wurden unter Anleitung von Leonhart Fuchs von zeitgenössischen Künstlern geschaffen. Inhaltlich stützte er sich auf Pedanios Dioscurides, einem griechischen Arzt und Autor zur Zeit Neros.
  • 1 Jahr später startete die deutsche Version seiner „Historia“ unter dem Titel „New Kreüterbuch“. In diesem Werk werden über 400 europäische und, neu, 100 exotische Pflanzen beschrieben und in 511 Holzschnitten dargestellt. Als verkleinerte, kostengünstigere Auflagen folgten, entwickelte es sich zu einem beliebten und – auch für seine Nachwelt - höchst erfolg- und einflussreichen Kräuterbuch.
  • Seinem nächstes Unternehmen, die „Historia“ um 1000 Pflanzen zu erweitern und drucken zu lassen, war diese Gunst wegen der zu erwartenden Druckkosten nicht beschieden. Er fand weder Geldgeber noch Verleger dafür.  Nach seinem Tod gelangte das umfangreiche Manuskript nach Wien in die Österreichische Nationalbibliothek. Die wenigen erhaltenen Druckstöcke verblieben am Ort seines Wirkens und werden heute im Botanischen Institut Tübingen aufbewahrt.

 

Tabernaemontanus

Tabernaemontanus, ursprünglich Jacob Theodor, 1522 – 1590, Deutschland

  • Kräutersammler, Mediziner 
  • Namensgeber für das hübsche Frühlings-Fingerkraut ( Potentilla tabernaemontani)
  • „Vater der Botanik“: Schrieb ein botanisches Werk über 3000 Heilpflanzen und deren medizinische Anwendung, Schwerpunkt: heimische Pflanzen

Jacob Theodor wurde 1522 in Bergzabern geboren, nach dessen von ihm lateinisierten Ortsnamen er sich selbst „Tabernaemontanus“ nannte. Er lernte noch Paracelsus kennen, aber nicht schätzen, wie ein angeführtes Zitat zeigt.
Gestorben ist er als Tabernaemontanus 1590 in Heidelberg, in dessen Universität er sich als 40jähriger immatrikuliert hatte, da sein Medizinstudium, das er in den Medizinzentren Padua und Montpellier absolvierte, in Deutschland nicht anerkannt worden war.

 

Tabernaemontanus hatte gute Kontakte zu seinen Kollegen, den weitern Vätern der Botanik, ebenfalls sehr erfolgreiche Kräuterbuchautoren.  Seine Motivation, selbst ein Kräuterbuch zu verfassen, begründete er 1588 in seinem Vorwort unter anderem damit, dass in der Ausbildung der Medizinstudenten die Kenntnis der einheimischen Pflanzen vernachlässigt wird. Diese seien aber den ausländischen, teuren, in ihrer Wirkung meistens überlegen, da sie uns und unserem Klima angepasst sind. Es sei ein Unding, nur die ausländischen, aus vielen Pflanzen zusammengesetzten, teuren Mittel zu verschreiben, auf denen die Apotheker dann ohnehin sitzen bleiben. Er selber verordne außer „Theriack und Methridat http://de.wikipedia.org/wiki/Mithridat wenig COMPOSITA“. Im Übrigen schätze er Hippokrates, Plinius und Galen mehr als die arabische Medizin (der Medizinschule Salerno;)

Er schreibt: „…  so köndten auch die Juden/ Barbierer/ Baderknecht/ Zahnbrecher/ Spinnenfresser unnd dergleichen Landtfahrer/ die sich deß Artzeneyens freundlicher weiß understehen/ und viel Leuth verderben/ desto leichter abgeschafft werden/ in dem man die Krancken unnd das gemeine Volck mit gemeinen Kreutern und Simplicien curiren würde/ die sonst durch den ubermässigen Gebrauch der Compositen oder der frembden vermischten Artzeneyen vertrieben und von der Artzeney abgeschreckt werden/ unnd auß Unnverstandt die Juden/ Paracelsisten unnd derengleichen Hümpeler unnd Häckenärtzt/ nothwendig müssen besuchen…“

In seinem Schreiben wird er nicht müde, seinem Kurfürsten vor Augen zu halten, wie ehrenvoll es sei, sich mit Kräutern zu beschäftigen, und es möge dem Kurfürsten zur Ehre gelangen, diese gewichtige Arbeit ideell und finanziell zu unterstützen, damit das Werk weiterhin in Druck gehen könne… Und es ging und erfuhr zahlreiche Auflagen!

Heute kann das „Neuwe Kräuterbuch“ des engagierten und praktisch veranlagten  Tabernaemontanus, das auf 1600 Seiten 3000 Gewächse beschreibt, dank intensiver Arbeit und großzügigem Entgegenkommen eines Schweizers, Herrn R. Fischbacher, gratis online eingesehen werden, und zwar sowohl die Bilder als auch derText!

 

 

Carolus Clusius

Carolus Clusius (Charles de l’Écluse), 1526 - 1609, Flandern - Spanien - Österreich - Ungarn - Deutschland - Niederlande  

  • Gelehrter, Arzt, Botaniker
  • Namensgeber der Damen-Tulpe "Tulipa clusiana", der Pflanzengattung „Clusia“, mehrer Arten der Alpenflora wie Clusius-Enzian, Clusius-Primel, Clusius-Schafgarbe, Clusius-Fingerkraut 
  • „Vater der Botanik und der Mykologie“:  Clusius kannte wie kein anderer Botaniker seiner Zeit sehr viele Pflanzen aus verschiedensten Gegenden Europas, entdeckte und beschrieb viele neue Arten. Schuf das erste Alpinum.

Carolus Clusius, geb. in Arras (Flandern, Frankreich), studierte Jura, Philosophie, Botanik und Medizin.  Sein Schwerpunkt war und blieb die Botanik. Bei jeder sich bietenden Gelegenheit sammelte und bestimmte er Pflanzen. So entdeckte er 1564 in Spanien mehrere bis dahin unbekannte Arten.

  • 1573 - 1576 weitete er als Hofbotaniker am Kaiserhof in Wien unter Maximilian II. er seine Sammeltätigkeit auf die niederösterreichischen Berge aus, legte, wie später in Leiden, in Wien einen Apothekergarten (Medizinalkräutergarten) und das erste Alpinum an, das viele Nachahmer fand und so zur Kenntnis der Alpenflora beitrug. Einige Arten daraus tragen seinen Namen: Clusius-Enzian, Clusius-Primel, Clusius-Schafgarbe, Clusius-Fingerkraut ... 

Wien und ganz Österreich-Ungarn verdanken ihm unter anderem die Einführung von

Wien wurde durch sein Wirken zu einem Zentrum der Blumenzucht, denn der umtriebige Clusius kannte wie kein anderer Botaniker seiner Zeit sehr viele Pflanzen aus den verschiedensten Gegenden Europas. Keiner hatte so viele neue Arten entdeckt, beschrieben und abgebildet! Nebenbei förderte er die Verbreitung exotischer Nahrungs- und Zierpflanzen und untrennbar ist sein Name mit der Tulpenkultur verbunden!

 

Als er unter dem nachfolgenden Kaiser (Rudolf II.) wegen seines protestantischen Glaubens den Wiener Hof verlassen musste, fand er Zuflucht auf der Burg Schlaining,  von wo aus er die Flora Ungarns erkundete und die erste maßgebliche österreich-ungarische Pflanzenkunde „Stirpium Nomenclator Pannonicus“ und eine Pilzkunde über 105 Pilze verfasste. Er setzte damit neue Maßstäbe für die Systematisierung der Pilze und gilt deshalb auch als einer der Väter der Mykologie.

  • 1587 siedelte er nach Frankfurt am Main (Deutschland)
  • 1593 nach Leiden (Niederlande), wo er eine Professur für Botanik an der Universität erhielt

Mit im Gepäck hatte er einige Tulpenzwiebeln, und –samen, die er zusammen mit anderen Pflanzen in dem von ihm in Leiden angelegten Hortus Botanicus  kultivierte und weiterzüchtete.

Wie bereits in Wien entwickelte sich Clusius in Leiden zu einem Motor im Netzwerk der „liefhebbers“, der Blumenliebhaber.  Diese waren durch ihren gehobenen gesellschaftlichen Rang, ihre humanistische Bildung und ihre Wertschätzung für Pflanzen miteinander verbunden.

Tulpen dieser Zeit wurden sehr geschätzt: Sie waren neu, exotisch, exklusiv, dekorativ und anspruchsvoll.  Sie wurden bewundert, verschenkt, gesammelt, getauscht, gezüchtet und auch gestohlen. Später, nach Clusius Tod, auch verkauft und einige Jahrzehnte lang als hochdotierte Spekulationsobjekte gehandelt (Tulpenmanie), bis sich nach dem Börsenkrach 1637 der Handelswert von Tulpen wieder normalisierte. -

Clusius legte mit den 600 Tulpenzwiebeln, die er, obwohl ihm über 100 entwendet worden waren, nach aufwändigen und ausgeklügelten Kreuzungen und Aussaatversuchen in seinem Hortus Botanicus hinterließ, den Grundstein für den holländischen Blumenzwiebelhandel … und natürlich trägt auch eine Tulpenart seinen Namen: Tulipa clusiana!

 

 

 

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Homöopathie

Homöopathie

 

Über Homöopathie

Homöopathie hat einen anderen Wirkansatz als Phytotherapie. Sie wirkt nicht über  Stofflichkeit, sondern über differenzierte, mitgeteilte Heil-Informationen der Grundsubstanzen.


Seit vielen Jahren interessieren sich immer mehr Menschen für  diese  alternativmedizinische Behandlungsmethode, und wenden sie an, da dieses einfache, ganzheitliche und sanfte Heilverfahren die Möglichkeit bietet, Alltagsbeschwerden, einfache Verletzungen, Erkältungen und vieles andere mehr zu behandeln. Auch als Begleitung einer schulmedizinischen Therapie können homöopathische Heilmittel geeignet sein. Ärztliche Diagnose der Erkrankung und Wahl der geeigneten homöopathischen Mittel durch den Arzt / die Ärztin oder Therapeuten/in vor der Anwendung vorausgesetzt!
Damit ebenfalls Sie selbst Sicherheit im Umgang mit  homöopathischen Heilmitteln gewinnen, ist es ratsam, sich durch Seminare, z. B. in Meißen, Hahnemanns Geburtsorthttp://www.hahnemannzentrum.is-wodniok.de/contentIT/index.php?pcid=14&pdid=44&sessid, und durch entsprechende Literatur Grundlagen- und Arzneikenntnisse anzueignen. Auch wildfind erwähnt bei seinen Pflanzenbeschreibungen mögliche homöopathische Anwendungsmöglichkeiten!

Aber: Wer prägte den Begriff „Homöopathie“?  Und: Wie entstand sie?  -  Antworten finden Sie unter "Samuel Hahnemann".

Samuel Hahnemann

Homöopathie steht in direktem Zusammenhang mit dem deutschen Arzt Samuel Hahnemann, geboren 1755 in Meißen, gestorben 1843 in Paris. Er versah, nachdem er das Prinzip der Potenzierung erkannt hatte, seine Heilkunde mit dem Namen „Homöopathie“ (Worterklärung: altgriechisch „ähnliches Leiden“).

 

  • Samuel Hahnemann gilt als Vater der Homöopathie, und zwar gab er dieser alternativmedizinischen Behandlungsmethode nicht nur den Namen, sondern auch den Inhalt. Er ist ihr Begründer.


Obwohl Samuel Hahnemann seinen Beruf sehr liebte, gab er ihn schließlich auf, denn der sensible, hochgebildete Arzt war unzufrieden mit der Schulmedizin, die ihm gelehrt worden war, und die er auch praktizierte. Er erkannte, dass sie ihren Patienten mit den damals üblichen martialischen Therapien aus ständigen Aderlässen, Abführkuren und hohen Quecksilbergaben mehr schadete als nutzte. „Es scheint das unselige Hauptgeschäft der alten Medicin zu sein, die Mehrzahl der Krankheiten, durch fortwährendes Schwächen und Quälen des ohnehin schon an seiner Krankheitsplage leidenden schwachen Kranken und durch Hinzufügung neuer, zerstörender Arzneikrankheiten, wo nicht tödtlich, doch wenigstens unheilbar zu machen.“ (Hahnemann)
Hahnemann, der 8 Sprachen fließend sprach, verdiente nun seinen Lebensunterhalt als Übersetzer medizinischer und pharmakologischer Bücher. Dabei traf er durch „Zufall“ auf die Aussage, dass bei der Bekämpfung der Malaria die Wirkung des pflanzlichen Mittels Chinarinde auf Stärkung des Magens zurückzuführen sei. Der skeptische Hahnemann startete einen Selbstversuch und erlebte erstaunt, dass Chinarinde bei ihm, der nicht an Malaria litt, die Symptome dieser Krankheit hervorrief: Schüttelfrost, hohes Fieber, ausgeprägte Schwäche.  Daraus schloss er, dass eine Arznei dann hilfreich ist, wenn sie in der Lage ist, der Erkrankung möglichst ähnliche Symptome zu hervorzurufen. Die Grundidee der Homöopathie war geboren! Er formulierte sie, wie zu dieser Zeit bei Ärzten und Wissenschaftlern üblich, auf Latein: „Similia similibus curentur“ - „Ähnliches soll durch Ähnliches geheilt werden“.

 

  •  Das Phänomen der Potenzierung zeigt sich:

Erstmalig in der Medizingeschichte versuchte nun Hahnemann im Experiment an Gesunden, vor allem an sich selbst, aber auch an Familienmitgliedern und Schülern, weitere Substanzen, die sich als homöopathische Arzneimittel eignen, herauszufinden. Sein Ziel war es, die tiefer liegende Krankheitsursache zu finden und die Lebenskräfte des / der Erkrankten zu aktivieren und neu zu ordnen, und zwar für bleibende Gesunderhaltung: seelisch und körperlich.
Da er dabei auch mit hochgiftigen Pflanzen wie Eisenhut, Tollkirsche, Herbstzeitlose, Christrose und anderen Giften wie Arsen  …  arbeitete, entwickelte er ein ausgeklügeltes System der Verdünnung, um den Versuchspersonen keinen Schaden zuzufügen. Dabei entdeckte er das Phänomen der Potenzierung: Je verdünnter die Mittel waren, umso stärker wirkten sie! Bei ihrer Herstellung spielte aber auch die Art des Schüttelns, um die Durchmischung der Substanzen zu beschleunigen, eine große Rolle. Nach  zehnmaligem Aufschlagen auf ein in Schweinsleder gebundenes Buch war das Ergebnis am besten. Auch heute erfolgt die Herstellung der homöopathischen Mittel auf diese Art. Zum Aufschlagen wird meist ein Lederkissen verwendet, feste Substanzen werden verrieben.
 

Ringen um Anerkennung und wichtige Werke

 

Ringen um Anerkennung und wichtige Werke

 

Hahnemann arbeitete nun wieder bei wechselnden Unternehmungen als Arzt, experimentierte und publizierte eifrig, musste allerdings samt Ehefrau und 8 Kindern oft seinen Arbeitsplatz ändern, um sich trotz einiger prominenter Patienten finanziell über Wasser halten zu können. 1810 schließlich veröffentlichte Hahnemann sein Grundlagenwerk zur Homöopathie, das er in den folgenden Jahren überarbeitete und „Organon der Heilkunst“ betitelte. Es ist bis heute das theoretische Werk der Homöopathie geblieben. Das Werk wirkte sofort, auch wegen der in ihm enthaltenen scharfen Polemik gegen die Schulmedizin, polarisierend. Hahnemann wurde aber nun als Haupt einer neuen Schule angesehen.
Es folgte ein Jahr später neben anderen zahlreichen, wissenschaftlichen Arbeiten sein bedeutendes sechsbändige Werk „Reine Arzneimittellehre“ und die Habilitation an der Leipziger Universität. Er unterhielt eine Arztpraxis, forschte weiter und begann Vorlesungen über Homöopathie zu halten und wurde - erwartungsgemäß - in ausgedehnte akademische Fehden verwickelt, da er unter den Medizinprofessoren und Apothekern auch erbitterte Gegner hatte.

Die Rettung nahte in Form einer Anstellung als Herzoglicher Leibarzt in Köthen. Dort erfuhr er Anerkennung und könnte eine ausgedehnte Praxis mit Arzneimittelherstellung führen. Der Großteil seiner Kinder unterstützte ihn dabei, erst recht, als seine langjährige Ehefrau 1830 starb. Im gleichen Jahr erschien sein Werk „Chronische Krankheiten“. Es enthielt einen erheblichen Wandel der Lehre der Homöopathie und stieß bei Hahnemanns Anhängern durchaus nicht nur auf Begeisterung.

 

In diese Zeit seiner erbitterten Kämpfe gegen Halb-Homöopathen, die auf Aderlass und Abführmittel nicht verzichten wollten,

  • fiel die Gründung des ersten homöopathischen Krankenhauses in Leipzig, als dessen Leiter zu Hahnemanns Ärger einer der Halb-Homöopathen vorgesehen war
  • fiel, inzwischen 79 geworden, eine unglaubliche Wendung in seinem Leben: Ein weiblicher Engel in Gestalt einer 45 Jahre jüngeren französischen Malerin betrat als Patientin seine Praxis, heilte den Arzt von seinen Sorgen, und beide verließen zusammen 1834, zwar ohne kirchlichen Segen, aber als sich liebend Ehepaar Deutschland Richtung Paris, wo Samuel Hahnemann seine letzten acht Jahre als angesehener und vielbeschäftigter Arzt verbrachte. Glücklich verbrachte, wenn man der Geschichte glauben darf, dass selbst der Teufelsgeiger Paganini von Samuels Engel nur die kalte Schulter gezeigt bekam! Zudem konnte er noch erleben, dass sich die Homöopathie international auszubreiten begann!

 

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Dr. Edward Bach

Dr. Edward Bach

 

Dr. Edward Bach (1886-1936)

  • Englischer Arzt
  • Kräuterheilkundler
  • Gründer der Bach-Blütentherapie

Bereits in seiner Jugend fielen Bachs Empfindsamkeit und Intuition verbunden mit großer Beobachtungsgabe bei Pflanzen und Tieren auf. Diese Gaben führten ihn in seinem Beruf als Menschen-Arzt zu der Einsicht, dass die Kenntnis über die eigene Person die Grundvoraussetzung zur Heilung vieler Krankheiten bildet bzw. zu einem erträglichen, im besten Fall, positiven Umgang mit ihr. Die von ihm entwickelten Heilmittel ("Bachblüten" genannt) unterstützen diesen Vorgang und eröffnen neue Perspektiven.

Seine große Leistung liegt in der Beschreibung von 38 disharmonischen Seelenzuständen der menschlichen Natur. In diesen finden sich viele Menschen wieder und schöpfen aus ihnen Zuversicht und Anregungen zu ihrer glücklicheren Weiterentwicklung.

In seinem Wissen über paracelsische Alchemie und aktuelle Homöopathie ließ er sich in seinem Bestreben zu helfen im Laufe von Jahren intuitiv zu Pflanzen führen, die den Menschen in seiner Selbstarbeit unterstützen, die Seelenzustände, unter denen er leidet und krankt, zu ändern.  

Er entwickelte zwei Methoden („Sonnenmethode“ und „Kochmethode“), wie die Schwingungen der Pflanze für eine spätere Anwendung gespeichert werden können. In seinen Werken (Die Bach-Blütentherapie, Heile dich selbst) teilte er auch die Herstellung seiner „neuen Heilmittel“ mit, denn er hat sie für jede/n Interessierte/n als Selbsthilfe gedacht.

 

Dr. Edward Bachs Heilmittel sind inzwischen unter der Bezeichnung „Bachblüten“ allgemein bekannt  geworden. H i e r  sehen Sie die Pflanzen, die Dr. Bach für seine Bachblüten ausgewählt hat. Auch das lebensspendende reine Wasser zählt dazu.

  • Es spricht auch nichts dagegen, Pflanzen nach eigener Intuition zu finden und für sich zu verwenden. Wie Sie sie herstellen bzw. transformieren, steht   h i e r , auf welche Art sie helfen, erfahren Sie  h i e r .

Wildfind-Bachblüten-Meditation

 

* Wähle intuitiv eines der unterhalb des Textes abgebildeten sieben Kreisbilder … lass dir dabei Zeit ... entscheide dich aber für 1 bestimmtes Kreisbild, das dich momentan anspricht.

* Entschieden?

* Klicke auf das ausgewählte Bild, damit es sich vergrößert und besser betrachtet werden kann.

* Achte auf tiefe Atmung …

* Versenke dich nun in dein Kreisbild und lass deinen Gedanken freien Lauf .......

* Beenden der Versenkung: drei tiefe Atemzüge mit Bauchatmung.

* Schließe das Bild.

* Strecke dich. *

* Du bist wieder da. * 

 

  • Wenn du erfahren möchtest, welche Bedeutung Edward Bach der von dir ausgewählten Pflanze gibt, findest du  h i e r  Informationen dazu.

Bachblüten herstellen

 

Bachblüten herstellen

Genaue Herstellungsvorschriften für Bachblüten gibt es im Britischen Homöopathischen Arzneibuch, auch hier gibt es Informationen … und wildfind informiert Sie auf dieser Seite darüber, denn es ist einfach und spannend, Bachblüten selbst herzustellen!
Praktische Tipps:

Genug Abfüllfläschchen besorgen  ;)
Eine Foto-Liste der Original-Bachblüten finden Sie hier.
Allgemeine Informationen stehen hier.

Dr. Edward Bach hat zwei Methoden entwickelt, um die Informationen der ausgewählten Pflanzen für den Menschen verfügbar zu machen: die Sonnenmethode und die Kochmethode.

 

Die Sonnenmethode

Sie ist besonders schön und  meditativ!

 

  1. Man überlegt sich bei Schönwetter-Vorhersage zuerst, wie viele Fläschchen Bachblütentropfen man produzieren möchte und wo man die kleine Glasschüssel für die Mazeration der Blüten in der Natur aufstellen wird. Sie sollte Kontakt zu Erde und Sonne haben. 
  2. Die ausgewählten Blüten in Einstimmung mit den Pflanzenwesen morgens mit Hilfe eines Pflanzenblattes, also ohne direkte Berührung, pflücken und so viele Blüten in eine flache, am günstigen Ort stehende und mit Quellwasser gefüllte Glasschüssel legen, dass die Wasseroberfläche bedeckt ist.
  3. 3 – 4 Stunden in der Sonne stehen lassen.
  4. Mit Hilfe von Trichter und Kaffeefilter in eine reichlich große Flasche filtern.
  5. Nun wird die gewonnene Flüssigkeit zur Konservierung 1:1 mit Brandy/Weinbrand versetzt und verschüttelt und erhält die Bezeichnung „Uressenz“ bzw. „Mutteressenz“.
    1. Um „Bachblüten“ in der Form zu erhalten, wie sie angewendet werden , wird die Uressenz 1:240 verdünnt, und zwar mit Wasser, das wegen der längeren Haltbarkeit bis zu einem Drittel durch Essig oder Weinbrand ersetzt wird.
    2.  Nun können die Bachblüten für die praktische Anwendung in Fläschchen (10 ml oder 20 ml ) abgefüllt werden.

 

Die Kochmethode 

Sie wird bei härterem Material angewendet oder wenn die Sonnenintensität zu gering ist.

 

  • Die Pflanzenteile werden sofort nach der Ernte ca. 20 Minuten sachte gekocht, dabei das Kochgefäß mit einem Deckel zudecken. Dann weiter verfahren wie bei Punkt 4 der Sonnenmethode.

 

Bemerkungen:

  • Notfalltropfen ("Rescue Remedy"), können als fertige Mischung gekauft oder selbst gemischt werden, denn Notfalltropfen, auch die gekauften, setzen sich aus folgenden 5 Bachblüten zusammen: Nr. 6 Cherry Plum, Nr. 9 Clematis, Nr. 18 Impatiens, Nr. 26 Rock Rose, Nr. 29 Star of Bethlehem.
  • Die Notfallcreme ("Rescue Cream"), enthält die 5 Bachblüten der Notfalltropfen und zusätzlich die Reinigungsblüte Nr. 10 Crab Apple.
    Sie kann in der Apotheke besorgt oder selbst gemacht werden: Unter diese selbstgerührte Ringelblumensalbe Notfalltropfen rührern, und zwar 12 Tropfen auf 20 g Salbe.
  •  Wo kann ich Bachblüten-Präparate kaufen? In jeder Apotheke.

 

 

 

 

 

Bachblüten anwenden

 

BACHBLÜTEN ANWENDEN

 

In der Bach-Blütentherapie unterscheidet man laut Mechthild Scheffer grundsätzlich drei Anwendungsgebiete: Seelische Gesundheitsvorsorge, Akutbehandlung, Begleitbehandlung.

 

  1. Seelische Gesundheitsvorsorge (Wunsch nach Bewusstseinsentwicklung, Charakterstärkung, Harmonisierung disharmonischer seelischer Verhaltensmuster, z.B. Eifersucht, Ängstlichkeit, Resignation.)
  2. Akutbehandlung psychischer Stress-Situationen und Lebenskrisen, und zwar ergänzend zu psychotherapeutischen und evtl. schulmedizinischen Maßnahmen (z.B. bei Beziehungskonflikten, Erziehungs- und Schulproblemen, Arbeitsplatzverlust, Midlifecrisis, Schrecken, ...)
    Dazu zählen auch die Anwendungen mit Notfalltropfen und Notfallcreme:
    • Notfalltropfen ("Rescue Remedy"), die selbstverständlich keine medizinische Notfall-Behandlung ersetzen, sondern eine emotionale Stabilisierung unterstützen, können als fertige Mischung gekauft oder selbst gemischt werden. Notfallstropfen, auch die gekauften, setzen sich aus folgenden 5 Blüten zusammen: Nr. 6 Cherry Plum, Nr. 9 Clematis, Nr. 18 Impatiens, Nr. 26 Rock Rose, Nr. 29 Star of Bethlehem. 
    • Die Notfallcreme ("Rescue Cream"), für die ebenso gilt, dass sie keine medizinische Notfall-Behandlung ersetzt,  enthält die 5 Bachblüten der Notfalltropfen und zusätzlich die Reinigungsblüte Nr. 10 Crab Apple. Sie kann in der Apotheke besorgt werden. – Tipp: Manche mischen unter ihre selbstgerührte Ringelblumencreme Notfalltropfen und verwenden sie anstatt der gekauften Rescue Creme 
  3. Begleitbehandlung akuter und chronischer Krankheiten, und zwar ergänzend zur spezifischen Behandlung durch d. Arzt/Ärztin oder HeilpraktikerIn (besonders bewährt bei Beschwerden mit psychovegetativer Symptomatik wie Schlafstörungen, Neurodermitis, Psoriasis sowie bei (kindlichen) Entwicklungsstörungen, zur Geburtsvorsorge und zur seelischen Nachsorgebehandlung von Operationen) 
  4. Bachblüten bei Tieren: Interessierte werden hier fündig. 
  5. Dosierung, Anwendung und Einnahmedauer:
    Die Einnahme von Bachblüten kann als Einzeltherapie, aber auch ergänzend zu schulmedizinischen oder homöopathischen Heilmitteln erfolgen, ärztliche Diagnose vorausgesetzt. Egal, ob Sie sich für eine Bachblüte oder für eine Mischung aus verschiedenen Bachblüten entscheiden, die weitere Vorgangsweise der Einnahme bleibt die gleiche:M
    • an gibt insgesamt 10 Tropfen der ausgewählten Bachblüte/n in ein 20 ml Pipettenfläschchen, füllt es zu ¾ mit stillem Mineralwasser auf und gibt anschließend Brandy / Weinbrand dazu, bis das Fläschchen voll ist. – Für kleine Kinder nimmt man insgesamt 5 Tropfen auf ein 10 ml – Fläschchen, füllt es mit stillem Mineralwasser auf, dem man 3 Tropfen Apfelessig zugefügt hat und verwahrt das Fläschchen im Kühlschrank.
    • Man nimmt in der Regel 4mal täglich 4 Tropfen pur, die man unter die Zunge gibt, oder man gibt sie in ein Glas Wasser, das man langsam trinkt. Dabei soll die Flüssigkeit im Mund bewegt werden. Man kann die Einnahmehäufigkeit aber auch je nach Gefühl erhöhen. Kinder erhalten ihrem Alter entsprechend weniger.
    • Einnahmedauer:
      • In akuten Krisen ein bis vier Tage lang, wobei die Zusammenstellung der Blüten-Konzentrate zwischendurch den veränderten Zuständen angepasst werden sollte.
      • Bei chronischen Reaktionsmustern bleibt man 18 bis 28 Tage pro Mischung.
      • Bei Langzeiteinnahme, die oft auch bei Menschen im hohen Lebensalter angebracht ist, bleibt man fünf bis acht Wochen pro Mischung.

Tipps:

  • Die von Dr. Bach ausgewählten 38 Pflanzen finden Sie  h i e r  !
  • Bachblüten, Nofalltropfen und Notfallcreme selber machen. 
  • Es macht große Freude, Bach-Blütenpflanzen in den Garten zu holen!
  • Weitere Möglichkeiten der Schwingungsaufnahme von Bachblüten bieten die wildfind Bachblüten-Meditation  und das Trinken von Aqua verde.

Die 38 Original-Bachblüten kennenlernen


 

So finden Sie Ihre persönliche Bachblüte:    

  1. Vergrößern Sie das Foto durch Anklicken und klicken Sie erst weiter, wenn Sie die Bachblüte betrachtet haben. Spüren Sie hin, welche Sie besonders anzieht oder abstößt! Beides sind Impulse Ihrer momentan benötigten Bachblüte/n.
  2. Entscheiden Sie sich in der Regel für maximal drei Bachblüten. Die neben den Fotos verzeichneten Informationen orientieren sich an der Lehre von Dr. Edward Bach und Mechthild Scheffer 
  3. Wie Sie Ihre gefundene Bachblüte(n) anwenden, erfahren Sie  h i e r. 

 

 

 

Die 38 Original-BACHBLÜTEN 

Resümee

 

Kurzes wildfind - Resümee über die Bach-Blütentherapie:
Die Bach-Blütentherapie entstand als eine Antwort auf eine ausschließliche Reparatur-Medizin und kann durch ihre Seelenbilder, die geforderte Selbstarbeit und das Erfahren von Zuwendung Hilfe bringen. Auch dann, wenn die Bachblüten gemeinsam mit einer Person des Vertrauens ausgesucht werden, oder wenn man sie mit Einverständnis verabreicht bekommt.

 

Verbleibendes Risiko, das aber jede/r in Eigenverantwortung beseitigen kann:

  • Man verabsäumt eine Grundvoraussetzung, nämlich rechtzeitiges Einholen einer ärztlichen oder / und psychotherapeutischen Diagnose!
  • Man vernachlässigt, leichtere, „normale“ Schwierigkeiten ohne Unterstützungsmittel durchzustehen und auf die eigenen Selbstheilungskräfte der Seele zu vertrauen.
     

Sieben Bachblüten als Chakrenpflanzen

Die hier dargestellten 7 Bachblüten der Wildfind-Bachblüten-Meditation  

entsprechen den 7 Hauptchakren, die im obigen Bild eingefügt sind.

Bitte das Bild anklicken, damit alle 7 gesehen werden und die Bachblüte, zu der man sich hingezogen fühlt, entdeckt werden kann! 

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Was sie dir sagt, kann dieser Auflistung entnommen werden, in der jeweils eine Pflanze einem Chakra zugeordnet ist: 


 -

  1. Basis-Chakra ...  Larch / Europäische Lärche setzt ihr Erscheinungsbild und ihre Energie gegen Mutlosigkeit: Sie fördert das Bewusstsein für die eigenen positiven Eigenschaften und Begabungen: Yes, I can!
    Man lernt seine eigenen Fehler und Schwächen zu akzeptieren, ohne sie überzubewerten und entwickelt ein gesundes Selbstbewusstsein mit konstruktiver, respektvoller Aufmerksamkeit dem Mitmenschen gegenüber. -
    Larch, Bachs Nr. 19, die Selbstvertrauensblüte,  vermittelt mit zarter, aber konsequenter und zuversichtlicher Energie auch an Dinge heranzugehen, vor denen man früher zurückgeschreckt wäre. 
  2. Sakral-Chakra ... Olive / Ölbaum :  Ich fühle mich körperlich und seelisch ausgelaugt und erschöpft. Alles ist zu viel. -
    Zarte Olivenblüten, in denen sich die lockende Über-Lebenskraft der sich immer wieder erneuernden Pflanze konzentriert, schenken Stärkung und Erholung für Körper und Geist. -
    Olive, Bachs Nr. 23, lehrt sorgfältiges, dankbares Umgehen mit der eigenen Lebensenergie.
  3. Solarplexus-Chakra ... Rock Rose / Gelbes Sonnenröschen:  Scheinbar zartes Gelbes Sonnenröschen, Rock Rose, auf steinigem Grund wachsend, schließt bei Sturm und Regen seine strahlenden Blüten, ohne die Kraft zu verlieren, sie nach der Katastrophe wieder zu öffnen. - Es stärkt in dir die Lebenskraft, die sich durch Schockerlebnisse, große Ängste, durch Stresserlebnisse, … krampfend in eine schützende Hülle zurückgezogen hat. -
    Rock Rose, Bachs Nr. 26, die Panikblüte, gibt Mut und Gelassenheit, Ausnahmesituationen zu bewältigen. Sie hilft, Schweres zu verarbeiten, mit der eigenen nervlichen Veranlagung gut umzugehen, wieder einen Überblick zu bekommen, zögernd, aber zuversichtlich und stark sich aufzurichten, um Sonne ins Herz zu lassen.
  4. Herz-Chakra ...  Chicory / Wegwarte,  die Beziehungsblüte, trägt wunderschön hellblaue, wohl geordnete Blüten mit reichlich Nahrung in den wie Fangarme wirkenden Staubbeuteln.-
    Ihre positive Energie hilft, sich aus einer Symbiose zu lösen. Sie führt von der klammernden, alles bereit stellenden, aber fordernden Liebe zu einer frei zugelassenen Liebe, die partnerschaftlich pulsiert und wertschätzend begleitet.
    Chicory, Bachs Nr. 8, hilft dir loszulassen, frei zu werden für Teamarbeit, für den Bau an einer besseren Welt.
  5. Hals-Chakra ... Mimulus / Gelbe Gauklerblumeist zart und nah am Wasser gebaut. Sie hat Angst vor vielen kleinen und größeren Dingen des Alltags. Diese Angst behält sie zuerst einmal für sich. Dann merkt sie, dass, obwohl ihre Unterlippe links und rechts nach oben ausgebeult ist, ihr Schlund durch diese Ausbeulungen nicht verschlossen ist. Sie kann ihn öffnen! Es wird ihr leichter, wenn sie ihre Ängste aus dem Schlund entlässt und mit ihren Blumen-Freunden und Freundinnen bespricht. -
    Mimulus hilft dem schüchternen Kind, auch dem Kind in dir, mit Alltagsängsten (Dunkelheit, Krankheit, Zahnarzt, verschiedene Tiere, Flug-, Platz, Schwellenangst…)  besser umzugehen und niemandem, auch sich selbst, nichts vorzugaukeln. 
    Mimulus, Bachs Nr. 20, die Tapferkeitsblüte, regt an, Mut und Tapferkeit zu verbaler Konfliktlösung zu entwickeln.
  6. Stirn-Ckakra ...  Walnut / Walnussblüte. - Ja, sie ist wirklich da, – auf diesem riesigen, starken Baum aus dem härtesten Holz Europas! Sie sitzt da: winzig, zart, hartnäckig.  Sie  ist sich ihrer Sendung bewusst: Ich bin überlebenswichtig! -
    Walnut, Bachs Nr. 33, die Verwirklichungsblüte , stärkt, den eigenen Lebensauftrag wahrzunehmen und sich von der Durchführung eines inneren oder äußeren Neubeginns nicht abbringen zu lassen!
  7. Scheitel-Chakra ...  Wild Rose / Heckenrose  mit lächelnden Blüten der Lebensfreude: Blütenschalen aus fünf herzförmigen Blütenblättern, öfters rosa-freudig gerandet, auch bei Regen dem Sonnenlicht zugewendet, einen goldenen Strahlenkranz in der Mitte tragend. -
    Sie holt heraus aus Apathie und Depression, lehrt Schicksalsschläge als Hinweise anzunehmen, an denen man wachsen und reifen kann. Diese Blüte ist auch Symbol für die Liebe Gottes, für die Zuversicht am Ende unserer Erdentage, dass wir erneut Lebensfreude haben werden, von der Jesus gesprochen hat: „Ich bin gekommen, damit sie das Leben haben und es in Fülle haben.“
    Wild Rose, Bachs Nr. 37: Langsam stellen sich wieder Freude und Unternehmungslust ein und … Zuversicht.

  

Weitere Informationen zu Chakren    h i e r  .
Fotos und Kurzinfos zu den 38 Original-Bachblüten gibt es   h i e r  
 

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Pflanzliche Arzneimittel im 21. Jahrhundert

Pflanzliche Arzneimittel im 21. Jahrhundert

 

Pflanzliche Arzneimittel im 21. Jahrhundert

Neben der Entwicklung der synthetischen Medikamente blieb in der Schulmedizin die Gruppe der pflanzlichen Arzneimittel bestehen. Ihre Anwendung geschieht in der sogenannten „Phytotherapie“ (griech. phyton = Pflanze, therapeia = Pflege, also „Pflege mit Pflanzen“ bzw. „Pflanzenheilkunde“).

 

Darunter versteht man Behandlung und Vorbeugung von Krankheiten und Befindlichkeitsstörungen durch Pflanzen, Pflanzenteile und deren Zubereitungen.
Den Begriff führte in Anlehnung an den französischen Arzt Henri Leclerc der gebürtige Berliner Arzt Rudolf Fritz Weiss (1895-1991) im deutschen Sprachraum ein. Er widmete sein Leben der Erforschung der medizinischen Wirkstoffe der Pflanzen und deren Anwendung und Anerkennung als unverzichtbaren Bestandteil in der praktischen Medizin und schuf 1942 mit seinem  „Lehrbuchs der Phytotherapie“  ein Standardwerk der Pflanzenheilkunde bzw. Phytotherapie.
Weitere dicke Bücher über Heilpflanzen, die unter phytotherapeutischen Gesichtspunkten beschrieben werden, folgten von unterschiedlichen Autoren. 

 

Inzwischen zählt im Arzneimittelgesetz die „Phytotherapie“ neben der „Homöopathie“ und der „Anthroposophisch erweiterten Medizin“ zu den anerkannten „Besonderen Therapieformen“, wobei  die Phytotherapie der wissenschaftlichen Arzneitherapie am nächsten steht, denn anders als in der Homöopathie lässt sich ihre Wirkungsweise naturwissenschaftlich erklären.

Über Anwendungsgebiete und Nebenwirkungen von Heilpflanzen

 

Über Anwendungsgebiete und Nebenwirkungen der Heilpflanzen

 

Hier haben Heilpflanzen - nach Rücksprache mit Arzt oder Ärztin bzw. ApothekerIn - als wirksame und preisgünstige Arzneimittel ihren berechtigten Platz:

  • Befindlichkeitsstörungen. Sie  die sind mehr als eingebildete Beschwerden.
  • Erkältungskrankheiten
  • Immunstärkung, Vorbeugung
  • Erkrankheiten der Atmungsorgane
  • Erkrankheiten der Harnorgane
  • Frauenbeschwerden
  • Erkrankheiten der Verdauungsorgane
  • Psychovegetative Störungen und Schlafstörungen
  • Stoffwechselkrankheiten (Achtung: Lebensnotwendige Arzneimittel, wie z.B. Insulin oder Schilddrüsenhormone, dürfen keinesfalls durch Heilpflanzen ersetzt werden.)
  • Rheumatische Erkrankungen
  • Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems
  • Therapiebegleitender Einsatz bei schweren Erkrankungen


Nebenwirkungen:

 

Im Allgemeinen werden Präparate der Phytotherapie vom Körper gut aufgenommen und verstoffwechselt, dennoch können auch durch sie negative Nebenwirkungen auftreten. Es müssen z.B. andere Medikamenteneinnahme, Allergiebereitschaft, Schwangerschaft, Alter, Gewicht, Geschlecht der PatientInnen beachtet werden, ebenso, abgesehen von der Dosierung, die Dauer der Einnahme...

Darum ist auch vor Einnahme von Pflanzenpräparaten unbedingt eine Beratung bzw. Verschreibung durch fachmedizinisch ausgebildetes Personal  einzuholen!

Pflanzenmedizin und Schulmedizin

 

Pflanzenmedizin und Schulmedizin

 

Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts waren Ärzte in Europa in der Regel machtlos gegen die weitverbreiteten und immer wiederkehrenden großen Seuchen und Epidemien. Für Notfallmedizin und schwere Erkrankungen standen neben chirurgischen Eingriffen Ausleitungsverfahren und einigen Tier- und mineralischen Präparaten ausschließlich pflanzliche Mittel zur Verfügung, z.B. Rohopium bei Schmerzen und zur Betäubung, Chinarinde (Cinchonae cortex ) bei Malaria und Fieber, Herbstzeitlose (Colchicum autumnale) bei Gicht, Fingerhut (Digitalis purpurea) bei Herzerkrankungen, Tollkirsche (Atropa belladonna) bei Krämpfen …

 

Auf der Suche nach ihrem Wirkprinzip wurden aus diesen pharmakologisch hochaktiven Giftpflanzen die ersten Reinsubstanzen isoliert und später synthetisch nachgebaut: Morphin, Chinin, Cholchicin, Digoxin, Digitoxin, Atropin und aus der schmerzstillenden, entzündungshemmenden Weidenrinde das Salicin, aus dem das Aspirin entwickelt wurde. Sie alle werden auch heute noch in der Medizin verwendet – und an weiteren Pflanzen (Eibe - Taxus brevifolia, Baikal Helmkraut - Scutellaria baicalensis, Einjähriger Beifuß - Artemisia annua … ) und deren isolierten Stoffen wird medizinisch geforscht.

Isolierte und auch synthetisch nachgebaute Pflanzenstoffe zählen allerdings nicht zur Phytotherapie, sondern zur allopathischen Medizin, der klassischen Schulmedizin!

 

Ab dem beginnenden 19. Jahrhundert konnten die Naturwissenschaften, darunter auch die Schulmedizin, ihre gesellschaftliche Stellung weiter ausbauen und durch die Entdeckung der Nerven und der Zelle als fundamentaler Baustein aller Lebewesen enorme Fortschritte in der Diagnose und Therapie vieler Krankheiten machen:

Die Zellularpathologie löste endgültig die alte Vorstellung von den Körpersäften ab.
Ausgangspunkt einer bedeutsamen Entwicklung der Mikrobiologie war die erfolgreiche Bekämpfung des Kindbettfiebers durch die propagierten Hygienemaßnahmen von Dr. Semmelweis.
Innerhalb weniger Jahrzehnte wurden die Erreger vieler vorher kaum erfolgreich behandelbarer Krankheiten wie Diphtherie, Tuberkulose, Lepra, Pest, Syphilis, Gonorrhö, Cholera, Milzbrand,  … gefunden und durch neu entwickelte Medikamente (Antibiotika wie Sulfonamide, Penicillin. Impfungen, Desinfektionsmittel, Narkosemittel, Medikamente auf Erdölbasis  bekämpft, unterstützt durch neue Diagnoseverfahren wie Röntgen.

 

In der Begeisterung für das schnelle chemisch-chirugisch Machbare wurden allerdings die subjektive Sicht und die Empfindungen der Patienten über ihren Körper und ihren Gesundheitszustand vernachlässigt. 

 

Vom Wert ganzer Pflanzen und des Selbersammelns

 

Vom Wert ganzer Pflanzen

Pflanzliche Arzneimittel stellen, auch wenn sie nur aus einer einzigen Pflanze hergestellt werden, ein Vielstoffgemisch dar und wirken anders, meistens körperfreundlicher, als isolierte Einzelstoffe.  Auch die wissenschaftliche Forschung musste dem Rechnung tragen und bestätigte, dass z.B. die Inhaltsstoffe des Ginkgos (Ginkgo biloba) oder auch die des Baldrians (Valeriana officinalis)  und des Johanniskrauts (Hypericum perforatum) als Gesamtheit verabreicht werden müssen, um den gewünschten therapeutischen Effekt zu erzielen.

Doch keine Regel ohne Ausnahmen: Auf der gezielten Suche nach Hauptwirkstoffen von Pflanzen isolierte man auch wirkungsvolle Einzelstoffe, wie z. B. Salicin (weiter verarbeitet zu Acetylsalicylsäure), Digoxin, Digitoxin, Silymarin, Taxane ...

 

Vom Wert des Selbersammelns

wildfind möchte Sie durch Bereitstellen vieler Daten ermutigen, während Spaziergängen und Wanderungen ungiftige Heilpflanzen, die Sie sicher kennen, für den persönlichen Gebrauch zu sammeln und zu verwenden.

Sie haben, wenn Sie Heilpflanzen selber sammeln, nicht nur durch die körperliche Bewegung medizinischen Nutzen, sondern das Selbersammeln bringt Sie in Kontakt mit der Natur, unserer großen, erholsamen Lehrerin und Heilgedanken tauchen auf wie:

Ich wünsche mir, dass es mir gut geht.
Ich mache mich auf den Weg, Verantwortung für meinen Körper, für mein Ich, mitzuübernehmen.
Ich erkundige mich über meine Heilpflanze.
Dankbar nehme ich sie auf.
Sie hinterlässt eine Botschaft …

 


 

Einteilung der Phytopharmaka

 

Einteilung der Phytopharmaka (pflanzliche Arzneimittel) und wie man ihre Zuordnung erkennt

Man unterscheidet

  • Rationale (allopathische) Phytotherapie, die auf der naturwissenschaftlich begründeten Medizin basiert
  • Traditionelle Phytotherapie, die sich aus der Volksheilkunde bzw. Erfahrungsmedizin entwickelt hat.

Dementsprechend gibt es rationale Phytopharmka und traditionelle Phytopharmaka.

 

Die Pharmakologie, deren Aufgabebereich es ist zu erforschen,  w i e  die Pflanzen wirken, unterteilt die Pflanzen zusätzlich nach ihrer Wirksamkeit in drei Arten:

  • Mite-Pflanzen =  mild wirkende Pflanzen
  • Forte-Pflanzen = stark wirkende Pflanzen 
  • Sonstige, die keine besondere Kennzeichnung haben.
     

Wie erkennt man die Zuordnung des pflanzlichen Arzneimittels?

Phytopharmaka sind nach internationalen Standards wissenschaftlich erforschte und auf ihre Wirksamkeit und Verträglichkeit genau überprüfte pflanzliche Arzneimittel. Sie unterliegen den Bestimmungen des Arzneimittelgesetzes.

  • Ob es sich bei einem Präparat um ein „Arzneimittel der rationalen Phytotherapie“ mit gleichbleibender Qualität („standardisiert“) handelt, erkennt ein Konsument an der Zulassungsnummer. Diese ist unter der Bezeichnung "Z.Nr." auf jeder Packung angegeben. Rationale Phytopharmaka (Arzneimittel) können nur in der Apotheke gekauft werden, der Großteil von ihnen ist rezeptfrei erhältlich.
  • Fehlt die Zulassungsnummer, fällt das Präparat in der Regel unter das Lebensmittelgesetz. Diese Mittel erhalten ihre gesetzliche Zulassung als „Traditionelle pflanzliche Arzneimittel“ durch die einzelnen Staaten aufgrund langjähriger und dokumentierter Erfahrungen in der Anwendung ihrer Substanzen.
    Nach den EU-Vorschriften sind als „Traditionelle pflanzliche Arzneimittel“ jene Produkte eingestuft, die folgende Kriterien erfüllen:
    • Nachgewiesenermaßen seit mindestens 30 Jahren heilwirkend verwendet, einschließlich mindestens 15 Jahre in der EU.
    • Sie benötigen keine ärztliche Überwachung. 
    • Sie dürfen nicht durch Injektion verabreicht werden. 
    • Der Hersteller gibt eine eidesstattliche Erklärung über die Gesetzeskonformität seines Produktes ab. 
    • Das Lebensmittelgesetz weist das Produkt als ungefährlich aus.

      Erkennen lassen sich traditionelle Phytopharmaka zusätzlich an Verpackungsaufschriften wie "traditionell angewendet bei", "Zur Stärkung oder Kräftigung ", "Zur Vorbeugung gegen" und Ähnliches.

      Sie sind rezeptfrei erhältlich, viele davon auch in Drogerien und Supermärkten. Dazu zählen beispielsweise Präparate aus Ringelblume (Calendula officinalis), Echinacea purpurea, Zaubernuss (Hamamelis virginiana)…

      Ein Problem besteht allerdings bei den "Traditionellen pflanzlichen Arzneimitteln", die für den Verkauf freigegeben sind : Um eine mögliche Konsumentenschädigung für alle Fälle auszuschließen, müssen ihre Wirkstoffe per Gesetz sehr niedrig dosiert werden. Ein unterdosiertes Arzneimittel kann jedoch oft nicht die gewünschte Wirkung entfalten.